Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Jugendamt
202 Hinweise auf mögliche Kindeswohlgefährdung

Gibt es es einen Hinweis auf eine Kindeswohlgefährdung, geht die Stadt dem umgehend nach, sagt Cornelia Scheplitz.
Gibt es es einen Hinweis auf eine Kindeswohlgefährdung, geht die Stadt dem umgehend nach, sagt Cornelia Scheplitz. © Foto: Patrick Pleul/dpa
Thomas Gutke / 14.08.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 14.08.2019, 09:44
Frankfurt (Oder) (MOZ) Vernachlässigungen, Gewalt, Missbrauch: Im vorigen Jahr gingen bei der Sozialbehörde der Stadt 202 Hinweise auf eine mögliche Kindeswohlgefährdung ein. 2017 waren es mit 195 Meldungen etwas weniger. 2016 hatte es 286 Fälle gegeben. Das geht aus einer Statistik des Amtes für Jugend und Soziales hervor. Jede Meldung zu einem möglicherweise gefährdeten Kind wurde dabei einzeln erfasst, auch wenn es beispielsweise nur einen Anruf für eine Familie mit mehreren Kindern gab. Ab 2016 wurde in Frankfurt die Zählweise für die Statistik umgestellt, weshalb ein Vergleich mit weiter zurückliegenden Daten schwierig ist – im Jahr 2015 lag die Anzahl der Meldungen beispielsweise noch bei 102.

"Die Anzahl der gemeldeten Fälle ist nicht exorbitant gestiegen, allerdings liegt sie in Frankfurt weiter auf einem recht hohen Niveau", schätzt Cornelia Scheplitz ein. Die Abteilungsleiterin im Amt für Jugend und Soziales betont, dass der Schwerpunkt nicht auf zugewanderten Familien liege. Bei den 202 Meldungen habe es sich in 40 Fällen um Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund gehandelt, darunter aus Polen, der Ukraine, Syrien und Afghanistan. Die Erstmeldungen kamen dabei von verschiedenen Seiten. Von Nachbarn, in Trennung lebenden Elternteilen, Verwandten. Aber auch von Ärzten, Kitas, der Polizei, Erziehungshelfern oder Mitarbeitern des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD), die bereits in Kontakt mit Familien stehen, die Hilfe brauchen. "Die Sensibilität hat zugenommen", meint Cornelia Scheplitz, was auch mit der Arbeit der AG Kinderschutz zu tun habe, einem städtischen Netzwerk verschiedener Institutionen. In 31 Fällen gingen im letzten Jahr zudem anonyme Meldungen ein. "Diese Möglichkeit besteht immer und davor braucht niemand Angst zu haben. Lieber eine Meldung zu viel als eine zu wenig", sagt sie.

Gebe es einen Hinweis darauf, dass sich ein Kind in Gefahr befinde, habe dies Vorrang vor allem anderen. Mitarbeiter vom ASD klären umgehend ab, ob Eltern und Kinder den Ämtern bereits bekannt sind. "Anschließend ziehen zwei Kollegen in der Regel sofort los", erklärt die Abteilungsleiterin. Bei besonders heiklen Situationen werde die Polizei hinzugezogen, bei Flüchtlingsfamilien auch Dolmetscher. "Das Wichtigste ist, das Kind und seine Umgebung zu sehen", betont sie. Die Inaugenscheinnahme werde mit "Einfühlungsvermögen und Nachdruck" eingefordert. Jede Familie sei anders, jeder Besuch ein Balanceakt. "Wir wollen ja gerade nicht, dass sich die Eltern verschließen."

55 vernachlässigte Kinder

Bei 55 Meldungen 2018 handelte es sich tatsächlich um Vernachlässigungen, beispielsweise kleine Kinder, die stundenlang ohne Aufsicht allein zu Hause waren. Darüber hinaus waren in neun Fällen Mädchen und Jungen körperlich und 21 weitere psychisch misshandelt worden. Auch Überforderungssituationen, wie eine Trennung der Eltern, führten zu Hinweisen. Nur in den wenigsten der 202 Fälle wurden die Kinder sofort dem Kinder- und Jugendnotdienst übergeben. 2018 gab es zwei solche vorläufige Inobhutnahmen. Darüber hinaus wurden im Anschluss an die Meldungen 60 ambulante und teilstationäre Hilfen gewährt, dazu sechs sta-tionäre Hilfen und drei Erziehungsberatungen. Nach 76 Hinweisen wurde kein entsprechender Handlungsbedarf gesehen.

Ziel fast jeder Hilfe sei es, dass Kinder und Eltern wieder zusammenfinden, den Ausgangspunkt dafür bildeten immer die eigenen Ressourcen der Familie, so Cornelia Scheplitz. Sie sagt: "Die meisten Eltern wollen doch, dass es ihren Kindern gut geht".

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG