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Mit einem selbst gebastelten Instrument stellten Schüler zum 1. September ihre Projektarbeit im Friedenswald Górzyca vor.

Erinnerung
Schüler lassen Krieg und Frieden erklingen

Lisa Mahlke / 02.09.2019, 18:18 Uhr
Górzyca (MOZ) Ein Zaun schützt den Friedenswald in Górzyca mit seinen zarten Birken und stacheligen Vogelbeeren. Und auch der Frieden muss geschützt werden – das haben die Schüler aus Poznan und Potsdam in der vergangenen Woche gelernt. "Frieden ist sehr wichtig", erzählt zum Beispiel die zwölfjährige Lena aus Poznan. Man müsse miteinander reden und "wenn man jemanden nicht gern hat, trotzdem nett zu der Person sein und Respekt haben", sagt sie. Gemeinsam mit den anderen Schülern hat sie sich eine Woche lang im Rahmen des Projektes "klingender Friedenswald" unter musikalischen, historischen und ökologischen Aspekten mit dem Begriff Frieden auseinandergesetzt.

Viel älter als die Schüler, die in dem Wäldchen auf dem Berg ihre Projektarbeit vorstellen, sind die Bäume in diesem. 1992 war der Friedenswald Górzyca der zweite nach jenem auf dem Krugberg bei Seelow, der gepflanzt wurde. Auch an anderen ehemaligen Kriegsschauplätzen, in Weißrussland und Russland, wurden solche Wälder angelegt. Das Bildungs- und Begegnungszentrum Schloß Trebnitz ist Kurator der Friedenswälder und lud zusammen mit der Kammerakademie Potsdam und der F.C.-Flick-Stiftung anlässlich des 80. Jahrestages des Weltkriegsbeginns an diesen Frieden vermittelnden Ort. Mit kleinen Paukenschlägeln, Blumentöpfen, einer knisternden Rettungsdecke, einem Gartenschlauch und einer Dose mit Holzkugel, montiert auf einer Holzpalettenkonstruktion erzeugen die Schüler Geräusche, die nach Krieg beziehungsweise Frieden klingen sollen. Von der zehnjährigen Lucy aus Potsdam kommt die Idee mit der Holzkugel. "Das ist eine Kuhglocke", erklärt sie – ein schönes Geräusch, denn Kühe seien friedliche Tiere. Dass sie selbst, mit eigenen Ideen, an dem Instrument bauen durfte, gefällt der Schülerin.

Solche Begegnungen gibt es im Rahmen der Friedenswälder jedes Jahr, erklärt Darius Müller, Leiter des Bildungs- und Begegnungszentrums Schloß Trebnitz. "Ich hoffe, dass die Jüngsten morgen den Stab von uns Erwachsenen übernehmen und unsere Arbeit weiterführen", sagt Górzycas Bürgermeister Robert Stolarski. Das Datum, kurz vor dem 1. September, ist nicht ohne Grund gewählt. Und so betont Gernot Schmidt, Landrat für Märkisch-Oderland, vor diesem Hintergrund: "Wir dürfen uns nicht ersticken lassen vom Gift der Vergangenheit."

Auch der elfjährige Piotr hat in dem Projekt etwas über Krieg gelernt. "Er ist wirklich sinnlos, weil so viele Menschen umgebracht werden, und eigentlich umsonst." Neben aktiver Diplomatie sei es deshalb wichtig, Kultur und Alltag anderer Menschen – zum Beispiel der Deutschen – kennenzulernen. Martin Gorholt, Chef der Staatskanzlei Brandenburg, plädiert für eine lebendige Erinnerungskultur. Man müsse nicht nur Mahnmale errichten, sondern auch Kultur, Gedanken und Handlungsräume kennenlernen.

Erinnern und feiern

Also gibt es an diesem Tag nicht nur die Friedens- und Kriegsklänge der Schüler, sondern auch Musik von der Kammerakademie Potsdam und Tauben, die symbolisch in den Himmel gelassen werden. Weiter geht die lebendige Erinnerungskultur unten im Dorf beim Europafest der Gemeinde Górzyca. Die Teilnehmer erinnern an den Krieg, betonen die Wichtigkeit des Friedens und machen vor allem eines: zusammen feiern. Piotr und Lena wollen auch weiter dranbleiben und Deutsch lernen. Dass "pralka" "Waschmaschine" heißt, hat sich Piotr schon gemerkt. Und beide Sechstklässler verstehen, was "dobrze" bedeutet: gut.

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