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Die Volkshochschulen zelebrieren 100. Jahrestag und auch Frankfurt feiert steigende Teilnehmerzahlen. Nach der Wende war das nicht vorherzusehen.

Lange Nacht
Volkshochschule feiert 100. Jubiläum

Lisa Mahlke / 09.09.2019, 21:19 Uhr - Aktualisiert 10.09.2019, 12:47
Frankfurt (Oder) (MOZ) Aus meiner Perspektive ist es eine Erfolgsgeschichte. Das sieht man ja auch", sagt VHS-Leiterin Carola Christen und  macht mit dem Finger eine Aufwärtsbewegung im Jubiläumsheft – zu sehen ist eine Grafik mit den Kurszahlen von 1992 bis vergangenes Jahr. Waren es damals noch rund 100 Kurse, lag die Zahl in den vergangenen drei Jahren bei jeweils über 1000. Doch nicht nur diese Entwicklung ist Grund genug zu feiern: In diesem Jahr begehen die Volkshochschulen 100-jähriges Jubiläum – mit der Weimarer Verfassung kam es 1919 zu einer VHS-Gründungswelle. Auch in Frankfurt wurde eine solche Gründung durch die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, am 13. August 1919. Gefeiert wird das am 20. September bei der Langen Nacht der Volkshochschulen (siehe Infokasten).

Sprachen besonders beliebt

Das erste Vorlesungsverzeichnis enthielt Themenbereiche wie "Einführung in die Rechtskunde" und "Geschichte und Wesen des Sozialismus" aber auch "Geschichte des Landes Lebus" und "Frankfurter Dichter". Mittlerweile sind die Volkshochschulen in sechs (Fach-)Bereiche aufgeteilt, nach 1991 wurde die Struktur nach dem Vorbild westdeutscher Volkshochschulen aufgebaut. Dabei gab es nach der Wende Bestrebungen, die Volkshochschulen abzuwickeln, berichtet Carola Christen, die die Frankfurter Volkshochschule seit 1991 leitet. "Fast ein Drittel der 100 Jahre habe ich also selbst zu verantworten", sagt sie lachend.

Besonders beliebt seien seit jeher Sprachen (2326 Teilnehmende im vergangenen Jahr) – Englisch, Polnisch, Spanisch, Deutsch als Fremdsprache. Als 2015 und 16 viele Geflüchtete nach Frankfurt kamen, bot die VHS auch Integrationskurse an, die mittlerweile durch andere Träger abgedeckt werden. Die meisten Kurse gab es deshalb Ende 2016/2017. "Die Kurse Deutsch als Fremdsprache richten sich aber an alle Migranten in der Stadt", betont Christen. Viele Kursteilnehmer kämen aus Polen, fuhren zum Teil 50 bis  80 Kilometer, um aus beruflichen Gründen Deutsch zu lernen.

In diesem Jahr gab es bislang 6277 Anmeldungen zu Volkshochschulkursen – und das Wintersemester hat gerade erst angefangen. Noch relativ neu im Angebot sind Webinare, also Vorträge, die man sich online in der Volkshochschule ansehen kann. Da viele zum Bereich politische Bildung gehören, sind sie entgeltfrei. Die anderen kosten 5 Euro. Die Vorträge werden im Verbund mit anderen Volkshochschulen veranstaltet. "Das sind wirklich hochrangige Referenten und interessante Themen", so Christen.

Seit anderthalb Jahren gibt es außerdem die VHS-Cloud, die nicht nur die interne Fachkommunikation erleichtert, sondern auch ermöglicht, dass Kursleiter Inhalte entwickeln, welche die Teilnehmer von zu Hause abrufen – etwa Hausaufgaben, den Link zu einem Video oder Webkonferenzen. Da es aktuell keinen Schwedischdozenten gibt, dient die Cloud auch dem Versuch, jetzt im Wintersemester einen reinen online Schwedischkurs anzubieten. "Aber das wird nie den Ort Volkshochschule ersetzen", ist Carola Christen überzeugt. "Es wird immer beides geben."

VHS als Begegnungsort

Sie betont zudem, dass VHS mehr als nur das Kurssystem ist. Zehn ehemalige Teilnehmer an einem Englischkurs treffen sich noch immer als Konversationsgruppe – seit mindestens zehn Jahren, weiß Carola Christen. Länger werden die Daten nicht gespeichert. "Das soziale Lernen, das Miteinander, das ist ganz wichtig. Die VHS ist ein Begegnungsort." Und so haben sich in Frankfurt auch Formate etabliert wie Eltern-Kind-Zentrum, Elternuni, interkultureller Garten, Lerncafé.

Außer in den Kriegsjahren war die Volkshochschule durchgängig geöffnet. "Seit 1948 sind wir zehn, elf Mal umgezogen", erzählt Carola Christen. Durch den Umzug in die Innenstadt 2013 habe die VHS "ein Gesicht bekommen", auch die Nähe zum Jobcenter, zur Uni, verfügbare Parkplätze und ÖPNV-Anschluss haben die Nachfrage vorangebracht. Wenn Christen in der Gründungssatzung, die im Jubiläumsheft abgedruckt ist, davon liest, dass die "verfügbaren Schätze an Bildung und Wissen" zugänglich gemacht werden sollen, sagt sie: "Das ist auch heute noch unser Anspruch."

Lange Nacht der Volkshochschulen

Am 20. September findet zum ersten Mal die lange Nacht der Volkshochschulen statt. Um 17 Uhr beginnt die Festveranstaltung mit einem Vortrag der Seniorprofessorin für Erwachsenenpädagogik Prof. Dr. Wiltrud Gieseke. Von 19 Uhr bis Mitternacht gibt es Schnupperangebote, von Japanisch über Esperanto bis Walzer. Für einige Kurse kann man sich anmelden, erforderlich ist das aber nicht. "Ich wünsche mir, dass sich die Leute einfach ungezwungen dazusetzen", sagt Carola Christen. Neu ist das Politiker-Speeddating ab 19.30 Uhr. Die Ehrenamtlichen aus dem interkulturellen Garten grillen. Eröffnet wird eine Ausstellung zur VHS-Geschichte. ⇥sam

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