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Eine Bohrpfahlwand soll die Profile bis 2022 ersetzen. Die Stadt engt die Promenade zwischen Römertreppe und Ziegelstraße mit Zäunen ein.

Verrostet
Spundwände an der Oderpromenade drohen wegzubrechen

Blick auf den betroffenen Abschnitt der verrosteten Spundwand: Bei elektromagnetischen Untersuchungen stellten Experten fest, dass das Profil teilweise nur noch 3 bis 4 Millimeter Dicke aufweist.
Blick auf den betroffenen Abschnitt der verrosteten Spundwand: Bei elektromagnetischen Untersuchungen stellten Experten fest, dass das Profil teilweise nur noch 3 bis 4 Millimeter Dicke aufweist. © Foto: michael benk
Thomas Gutke / 11.09.2019, 20:16 Uhr - Aktualisiert 12.09.2019, 08:04
Frankfurt (Oder) (MOZ) In den nächsten Tagen lässt das Tiefbauamt zwischen Römertreppe und Ziegelstraße einen Metallzaun errichten. Der Weg für Fußgänger und Radfahrer auf der nördlichen Oderpromenade wird auf 1,80 Meter eingeengt. Und das für zwei bis drei Jahre – aus Sicherheitsgründen. Teile der Spundwand sind inzwischen so stark von Rost befallen, dass sie wegzubrechen drohen. Weil die Folgen eines solchen Schadens nicht absehbar wären, zog die Stadt jetzt Konsequenzen. "Es ist nicht schön, Ihnen das mitteilen zu müssen. Aber keiner weiß, welche Gefahr tatsächlich besteht. Deshalb müssen wir absperren", erklärte Frank Herrmann vom Tiefbauamt am Dienstag betroffenen Anwohnern. Sie waren kurzfristig zu einer Bürgerversammlung in die Konzerthalle eingeladen worden.

3,8 Millionen Euro stehen bereit

Dass die Spundwände überhaupt auf ihre Standsicherheit hin überprüft wurden, hat mit EU-Fördermitteln zu tun, die Stadt und Landesumweltamt eingeworben haben. Ziel ist ein besserer Hochwasserschutz. Frankfurt soll besser gerüstet sein für Hochwasser wie 1997, vor allem auch im Winter (siehe Infokasten).

2017 ließ das Land eine erste Machbarkeitsstudie erstellen. Eine Variante sah einen erweiterten Schutz mit zurückgesetzten Barrieren und den Verschluss von Einströmstellen am Holzmarkt und an der Konzerthalle vor, wie Katrin Blume vom Landesumweltamt erläuterte. "Vom Budget her hätte das gepasst", meinte die Projektleiterin – 3,8 Millionen Euro wurden bewilligt. Doch dann folgten weitere Untersuchungen. Diese hätten gezeigt, dass nicht nur die Uferwand nördlich der Römertreppe um 20 bis 35 Zentimeter erhöht werden müsse. Sondern, dass sie auch "nicht mehr standsicher ist". Daher musste umgeplant werden.

Frank Köhler von der BPM Ingenieurgesellschaft mbH berichtete, wie seine Kollegen die Spundwände abgefahren seien, um Profilstärke und Zustand zu messen. Der Verbau im betroffenen Abschnitt sei größtenteils in den 50er-Jahren vor die alte Uferbefestigung geschlagen worden. Die Ausgangsdicke habe einmal 11 bis 12 Millimeter betragen. Doch Rost hat den Profilen zugesetzt. "An einigen Stellen sind sie nur noch drei, vier Millimeter dick. Das kann und wird irgendwann zu einem Wegknicken führen", machte er klar. Zwar gebe es dahinter noch den mehr als 100 Jahre alten Bestand. "Von dem allerdings weiß niemand genau, wie tragfähig er noch ist. Das ist ein Risikospiel." Risse gebe es noch keine. Auch alle Gebäude in Ufernähe seien standsicher, sollte die Spundwand wirklich wegbrechen.

Das Landesumweltamt stimme sich derzeit noch mit der Stadt ab, so Katrin Blume. Noch in diesem Jahr sollen die Genehmigungsunterlagen fertiggestellt werden. Der Baubeginn sei für 2021 avisiert, 12 bis 18 Monate werde dann gebaut. Geplant ist eine 20 bis 35 Zentimeter höhere Mauer auf dem gut 300 Meter langen Abschnitt ab der Römertreppe flussabwärts. Dabei soll zwischen dem Altbestand und der jetzigen Spundwand eine Bohrpfahlwand in den Untergrund eingebracht werden. "Das sind Betonsäulen von einem Meter Durchmesser, sie werden 10 bis 12 Meter tief eingebohrt", erklärte Frank Köhler. Die verrosteten Profile würden abgeschnitten.

Balkone, Austritte, Laufstege

"Natürlich soll das auch städteplanerisch ein ordentliches Erscheinungsbild abgeben", fügte der Bauingenieur hinzu, weshalb Architekten die Planung begleiten. "Die Vision ist, die Oder mit kleinen Balkonen, Austritten und Laufstegen erlebbarer zu machen", führte Frank Köhler aus. Auch der gesamte Bereich der Römertreppe könnte großzügiger gestaltet und damit aufgewertet werden. Allerdings brauche es dafür noch mehr Fördermittel.

Die Entwürfe für eine schönere Oderpromenade wurden zwar durchaus positiv aufgenommen. Doch viele Betroffene äußerten auch ihre Sorgen. Das Traditionsunternehmen Textilpflege Bliemel beispielsweise fährt tagtäglich per Ausnahmegenehmigung über die Promenade an den Firmensitz heran. Bei einem Vor-Ort-Termin soll nun zunächst geklärt werden, inwieweit das auch mit Zaun möglich ist. Auch Befürchtungen vor einem unzureichenden Schutz der Grundstücke wurden laut – sollte es bereits während der Bauarbeiten zu einem neuen Jahrhunderthochwasser wie 1997 kommen.

HW 200 undWinterhochwasser

Für die Machbarkeitsstudie im Rahmen des Stadt-Umland-Fördermittelprojektes gingen die Planer von einem Hochwasser aus, das statistisch gesehen alle 200 Jahre auftritt (HW 200). Ein solche Flut würde den Frankfurter Pegel von 6,57 Meter aus dem Jahr 1997 noch einmal um bis zu 20 Zentimeter übertreffen. Darauf ist die Stadt nicht ausreichend vorbereitet. Zwar gibt es inzwischen mobile Hochwasserschutzwände. Doch diese würden bei einer Winterflut wie 1981/1982 dem Eisdruck nicht standhalten.⇥thg

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