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Ella Großmann ist die älteste noch lebende Frankfurterin. Am Mittwoch wurde sie 105 Jahre alt. Fast ihr gesamtes Leben hat die gelernte Schneiderin in der Oderstadt verbracht.

Ehrentag
Älteste Frankfurterin feiert 105. Geburtstag

Ella Großmann feierte am Mittwoch im ASB-Haus Abendsonne ihren 105. Geburtstag. Auch eine Klasse und ihre Lehrerin der nahegelegenen Waldorfschule gratulierten.
Ella Großmann feierte am Mittwoch im ASB-Haus Abendsonne ihren 105. Geburtstag. Auch eine Klasse und ihre Lehrerin der nahegelegenen Waldorfschule gratulierten. © Foto: michael benk
Thomas Gutke / 11.09.2019, 20:39 Uhr - Aktualisiert 11.09.2019, 21:05
Frankfurt (Oder) (MOZ) Ganz fest drückt sie die Hand jedes Gratulanten. Auch die von Klaus-Dieter Schepler lässt sie kaum los, so groß ist ihre Freude. "Werden Sie auch so alt!" ruft sie dem Geschäftsführer des ASB-Regionalverbandes Ostbrandenburg zu. "Ich gebe mir alle Mühe. Sie machen ja vor, wie es geht", meint Schepler etwas verlegen ob der Energie der rüstigen Jubilarin. Mit Kaffee, Kirschtorte, Sekt und einem Ständchen von Kindern der Waldorfschule feiert Ella Großmann am Mittwoch im ASB-Haus Abendsonne  ihren 105. Geburtstag. Damit ist sie – nach Angaben der Pressestelle der Stadt – die älteste noch lebende Frankfurterin. Überhaupt gibt es in der Oderstadt nur neun Menschen, die älter als 100 Jahre sind. Ella Großmann dürfte zu den fitteren dieses exklusiven Klubs gehören.

"Ich möchte keinen Tag in meinem Leben missen, auch keine Träne und kein Lachen", erklärt die Altseniorin im Beisein vieler Mitbewohner und Mitglieder der Familie. An vieles könne sie sich nicht mehr gut erinnern – "das liebe Alter, junger Mann!", entschuldigt sie sich. Tatsächlich aber hat Ella Großmann noch unzählige Begebenheiten vor Augen, könnte davon fast ohne Unterlass erzählen – da kommt auch ein Diether Jäger an der Kaffeetafel kaum zu Wort. Der Frankfurter Bühnenschauspieler gehört am Mittwoch ebenfalls zu den Geburtstagsgästen. In ihren Worten spiegeln sich 105 Jahre Stadtgeschichte. Fast ihr ganzes Leben hat sie an der Oder verbracht.

Ella Großmann feierte am 11. September ihren 105. Geburtstag. Sie ist die älteste noch lebenden Frankfurterin. Im ASB-Seniorenheim Haus Abendsonne freute sich über zahlreiche Gratulanten. Darunter neben ihren vielen Familienmitgliedern auch Schüler der nahe gelegenen Waldorfschule. Und Bühnenschauspieler Diether Jäger.
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105. Geburtstag der ältesten Frankfurterin

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Am 11. September 1914 kam sie in Frankfurt zur Welt. Ella Großmann wuchs zusammen mit vier Geschwistern im Norden der Stadt auf, am Goepelberg. Der Vater verdiente als Tischler in einer Bahnwerkstatt in der Briesener Straße das Geld für die Familie. Sie besuchte die Gertraudschule, lernte später das Handwerk der Schneiderin und arbeitete in einem Geschäft in der Regierungsstraße. Im Februar 1945 verließ sie mit ihrer Familie die Stadt, die kurz vor Kriegsende zur Festung erklärt worden war. "Als wir gingen, stand alles noch. Als wir wiederkamen, war alles kaputt."

Ihr Vater starb im Juni 1945, ihre Mutter zwei Jahre später. Mit ihrem Mann hatte Ella Großmann sechs Kinder. Die Ehe hielt bis 1952. Nach der Rückkehr des Berufssoldaten aus der Kriegsgefangenschaft "wollte er leben und ich eine Familie. Da haben wir uns getrennt". 1961 wurde Ella Großmann mit Verdacht auf eine schwere Krebserkrankung vorzeitig in Rente geschickt.

13. Ururenkelkind ist unterwegs

Fortan kümmerte sie sich vor allem um ihre Kinder und Kindeskinder. Ella Großmann hat 16 Enkel, 18 Urenkel und 12 Ururenkel – das 13. ist unterwegs. Vor ihrem Umzug in das Haus Abendsonne vor zehn Jahren wohnte sie lange in der Berliner Straße und später in der Blankenfeldstraße in Neuberesinchen. "Das Haus ist abgerissen worden. Hätte sie gewusst, dass sie noch so lange lebt, hätte sie sich noch einmal eine eigene, neue Wohnung genommen", sagt Renate Mellin, die Tochter.

Doch auch im Seniorenheim in der Markendorfer Straße kostet Ella Großmann jeden Tag aus. Mit Kreuzworträtseln, Zeitunglesen und Gesprächen über Politik, Geschichte oder ihr Leben vertreibt sie sich die Zeit. Auch am Mittwoch. "Ich war 4 Jahre alt, wie der Kaiser abgedankt ist", fängt sie an – und unterbricht sich schnell selbst. So viel wolle sie heute eigentlich gar nicht erzählen. "Man muss das in Grenzen halten. Es ist ja Geburtstag."

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