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Der OB fordert die Rechtspopulisten auf, nicht mehr von "Dammvorstadt" zu sprechen. In Słubice sorge die Bezeichnung für Besorgnis

Verstimmung in Słubice
Irritationen um "Dammvorstadt" – AfD verärgert die Nachbarn

Ingolf Schneider (l.) und Wilko Möller von der AfD-Fraktion am Donnerstag in der Stadtverordnetenversammlung
Ingolf Schneider (l.) und Wilko Möller von der AfD-Fraktion am Donnerstag in der Stadtverordnetenversammlung © Foto: Gerrit Freitag
Thomas Gutke / 12.09.2019, 22:12 Uhr - Aktualisiert 13.09.2019, 06:39
Frankfurt (Oder) (MOZ) Nächster AfD-Ärger in Frankfurt: Der Bürgermeister der Stadt Słubice, Mariusz Olejniczak, hat sich gegenüber dem Oberbürgermeister irritiert darüber gezeigt, dass die AfD Słubice in der Öffentlichkeit oder in E-Mails an die Verwaltung regelmäßig als "Dammvorstadt" bezeichnet.

Darüber informierte René Wilke (Linke) am Donnerstag die Stadtverordneten. Bis 1945 war die Dammvorstadt ein Stadtteil von Frankfurt. Mit der Grenzziehung nach Kriegsende entstand daraus das heutige Słubice. Bereits im Kommunalwahlprogramm der AfD war in vielen Abschnitten von "Dammvorstadt" die Rede.

"Dammvorstadt kommt aus einer Zeit, in der Slubice noch Teil Deutschlands war. Die Słubicer Verwaltungsspitze weist darauf hin, dass das in Słubice im höchsten Maße für Irritationen sorgt und auch für Besorgnis", erklärte der OB. Von Frankfurt dürfe auf keinen Fall das Signal ausgehen, "dass wir in irgendeiner Art und Weise die Grenzen in Frage stellen", betonte René Wilke im Namen seines polnischen Amtskollegen. Zugleich habe er dazu auch eine Dienstanweisung ausarbeiten lassen. "Wer sich an uns wendet und etwas in Zusammenhang mit einer Dammvorstadt geregelt haben möchte, wird schlicht zur Antwort bekommen: Ein Ort namens Dammvorstadt ist uns nicht bekannt, weshalb wir ihr Anliegen nicht bearbeiten können", machte er klar. An Wilko Möller appellierte er – auch in dessen neuer Funktion als Vorsitzender des gemeinsamen Ausschusses mit Słubice – die Befindlichkeiten, "die es selbstverständlich auf polnischer Seite aufgrund der Geschichte gibt, zu respektieren und anzuerkennen". Er solle mit seiner Sprache vorsichtiger umgehen, denn die "verrät ja auch etwas über das Denken".

Der AfD-Fraktionsvorsitzende Ingolf Schneider verbat sich in der anschließenden Debatte "solche Interpretationen". Dammvorstadt sei eine historische Bezeichnung wie Breslau für Wroclaw. Erwähnen zu dürfen, "dass es kulturell, traditionell und auch vom Habitus her zu Deutschland gehört, und auch zu unserer nationalen Identität, ist sicher vollkommen normal", meinte er. Die AfD werde daher in kulturellen oder traditionellen Zusammenhängen "weiterhin von Dammvorstadt reden". Schließlich "bezeichnet Polen deutsche Städte auch mit polnischen Namen".

Wilko Möller fand die Diskussion "weit hergeholt, um mal wieder Stunk zu machen". Erst am Vormittag sei er in Słubice gewesen und habe mit der Co-Vorsitzenden des gemeinsamen Ausschusses gesprochen. "Sie hat das nicht thematisiert", so Möller. Er sicherte jedoch zu, mit der polnischen Seite darüber zu sprechen. "Dann werden wir sehen, wie die Befindlichkeiten wirklich sind."

Die frühere Dammvorstadt mit Breslau oder Warschau zu vergleichen, sei "schlichtweg falsch", hatte zuvor bereits Michael Möckel (CDU) kritisiert. "Dammvorstadt heißt übersetzt nicht Słubice. Das ist ein anderer Name." Die Bezeichnung könne wenn, dann nur in einem historischen Kontext verwendet werden. Dass die AfD sie über diesen Bezug hinaus gebrauche, sei "politisch so gewollt", befand Möckel. "Wenn sie an einer guten Zusammenarbeit interessiert sind, dann rate ich Ihnen, die Gefühle der polnischen Seite ernst zu nehmen."

Gegenseitige Beleidigungen

Jan Augustyniak (Linke) erinnerte unter anderem an das Plakat, das die AfD im Wahlkampf an der Stadtbrücke mit der Aufschrift "Hol Dir Dein Land zurück" befestigt hatte. Nun außerdem von "Dammvorstadt" in Berufung auf die historische  Bedeutung zu sprechen, finde er "widerlich". An die AfD-Fraktion gerichtet ätzte er: "Ihre Provokationen können sie sich sonst wo hinstecken". Ingolf Schneider giftete zurück und sprach von der "linken Drama-Queen, die uns versucht vorzuführen." Michael Möckel forderte beide daraufhin auf, gegenseitige Beleidigungen zu unterlassen. "Es wäre gut, wenn wir hier einen parlamentarischen Ton und vernünftigen Umgang miteinander pflegen."

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harald woitke 13.09.2019 - 17:55:37

Versagen der etablierten Parteien

Die.Linke, SPD, CDU, Grüne/Bündnis90,Die Partei,Bürgerinitiativen haben bei der Verteilung der Ausschussvorsitze erbärmlich versagt , oder gar billigend , ja vorsätzlich Mißstimmung zur Nachbarstadt organisiert.Sie haben den gemeinsamen Ausschuss der AfD anvertraut.Ein Skandal .Eine Frechheit. Dieses agieren zeigt wie instinklos und berechnend der Oberbürgermeister handelt.Die Zusammenarbeit mit Slubice muss Chefsache sein.Sie muss 1.Priorität besitzen.Wie kann der OB nunmehr verantworten, dass er vorsätzlich den Ausschuss der AfD anvertraute? Der Oberbürgermeister und alle Fraktionen und Parteien bzw. Initiativen, Bündnisse sollten sich öffentlich verantworten und äußern, wessen Geistes diese Entscheidung ist.Diese Entscheidung provozierte doch vorsätzlich diese Mißstimmung und spielte der AfD in die Karten. Für mich dumm und unentschuldbar. Alle Abgeordneten die dieser Geschäftsordnung zustimmten, sollten sofort ihr Mandat niederlegen. Dem OB empfehle ich ,auf Grund dieser Brüskierung der Frankfurter Nachbarstadt, selbiges. Einfach unentschuldbar gedankenlos.

Norbert Wesenberg 13.09.2019 - 17:45:05

Gründlich lesen und verstehen

Lieber Herr Hasselmann. Einfach mal gründlich lesen und verstehen: "Es ist grundsätzlich dumm im offiziellen Sprachgebrauch gegenüber der polnischen Seite mit Städtenamen aus deutscher Zeit zu korrespondieren; noch dazu von Seiten deutscher Politiker die aus der westdeutschen Ecke kommen. Es zeugt von wenig Geschichtskenntnis und nichts aus der Geschichte gelernt zu haben. " Verstehen ist das Glück der zu früh Geborenen.

Rolf Lustig 13.09.2019 - 15:49:24

Dammvorstadt

wen wundert´s, ist halt AfD. Da sieht man wessen Geistes diese Herren sind.

Mathias Hasselmann 13.09.2019 - 15:30:29

Ältere Bürger

Lieber Herr Wesenberg, ihr Verweis auf die vor 1945 geborenen Bürger und ihren Sprachgebrauch erscheint mir arg konstruiert. Vor allem da die Herren Schneider und Möller als weit nach 1945 geboren erscheinen.

Paul Müller 13.09.2019 - 13:24:46

Einige sprechen von „Slubfurt“ andere ...

... von Frankfurt mit seiner „Dammvorstadt“ :) ... lasst die Polen doch einfach machen, am besten mit Grenze und Visa ...

Norbert Wesenberg 13.09.2019 - 12:57:31

Grundsätzliches

Es ist grundsätzlich dumm im offiziellen Sprachgebrauch gegenüber der polnischen Seite mit Städtenamen aus deutscher Zeit zu korrespondieren; noch dazu von Seiten deutscher Politiker die aus der westdeutschen Ecke kommen. Es zeugt von wenig Geschichtskenntnis und nichts aus der Geschichte gelernt zu haben. Für ältere Bewohner der Frankfurter Dammvorstadt deren Heimat es war wird ihnen keiner verübeln wenn sie diesen Begriff auch Heute noch verwenden. Wo waren eigentlich diejenigen die sich darüber ereiferten eigentlich als nach der Wende Frankfurtern neue Ausweise ausgestellt wurden, bei Leuten deren Heimat jenseits der Oder lagen und deren deutsche Geburtsorte mit einem Mal im vorauseilenden Gehorsam mit polnischem Ortsnamen in den Ausweisen erschienen? Das hat sich natürlich niemand anhand seiner Geburtsurkunde gefallen lassen. Heimat bleibt Heimat; unabhängig davon ob diese nun Heute polnisch oder ukrainisch ist. In diesem Zusammenhang sollte dem Slubicer Bürgermeister die Frage gestellt werden, ob die Mehrzahl der Slubicer Einwohner die von Stalin aus der polnischen Ukraine vertrieben wurden heute russische, bzw. ukrainische Ortsnamen ihrer verlorenen Heimat benutzen. Eine interessante Frage der sich der Radakteur Dietrich Schröder annehmen sollte. Die Verwendung unterschiedlicher Namen ist letztlich daran gebunden keine revanchistischen Gebietsansprüche an seine Nachbarn ableiten zu wollen. Sieger eines Krieges legen nun mal fest wem etwas gehört und wem nicht. Daran zu rütteln ist müßig und vor allen Dingen gefährlich. Das sollten sich Nationalisten auf deutscher und polnischer Seite hinter die Ohren schreiben.

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