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Sejm und Senat
Zur Urne in der Woiwodschaft Lubuskie

Lisa Mahlke / 10.10.2019, 06:15 Uhr - Aktualisiert 10.10.2019, 08:41
Frankfurt (Oder) (MOZ) In Polen wird am Sonntag zur Wahlurne gebeten. Überraschend ist nicht, dass nach bisherigen Umfragen die nationalkonservative Regierungspartei Prawo i Sprawiedliwosc, PiS ("Recht und Gerechtigkeit"), wohl weiterhin stärkste Partei im Parlament (Sejm und Senat) bleibt. Auch in der Woiwodschaft Lubuskie sehen die Prognosen ähnlich aus. In einer Umfrage unter 500 Einwohnern aus Gorzów, Zielona Góra, Nowa Sól, Lubrza im Bezirk Swiebodzin, Brzeznica im Kreis Zagan, Trzebiel im Landkreis Zary und Deszczno bei Gorzów, die die Zeitung Gazeta Lubuska vergangene Woche durchführte, kam die PiS auf 38,6 Prozent der Stimmen. Allerdings ist, anders als in nationalen Umfragen, der Abstand zur Koalicja Obywatelska in Lubuskie geringer: Die Bürgerkoalition würde auf 36,3 Prozent kommen, in Gesamtpolen nur auf knapp ein Viertel der Stimmen.

Der Wahlbezirk 8 – also die Woiwodschaft Lubuskie  – wird zwölf Abgeordnete in den Sejm entsenden. Zur Wahl stehen 120. Jeder der knapp 800 000 Wahlberechtigten der Woiwodschaft bekommt denselben langen Wahlzettel – von Kostrzyn und Gorzów nördlich bis Zagan im Süden. Wer sich online durch die fünf Listen zum Sejm scrollt, wird von vielen weiblichen Gesichtern angeschaut beziehungsweise liest viele Namen von Kandidatinnen. Unter den neun Bewerbern um die drei Senatsplätze, die Lubuskie bekommt, findet sich zwar nur eine Frau. Allerdings sind 48 der 120 für den Sejm zur Wahl Stehenden Frauen. Was viele von ihnen eint: Sie setzten sich für Menschen mit Behinderungen ein oder haben sich dieses Thema zumindest auf ihre Agenda für den Wahlkampf gesetzt.

Für Menschen mit Behinderung

Die meisten Frauen stellen sich im Komitet Wyborczy Sojusz Lewicy Demokratycznej (Wahlkomitee Bündnis der demokratischen Linken) auf. Zu den zwölf Kandidatinnen gehört Julieta Grande aus Gorzów. Die 43-Jährige ist auf Platz 21 der Liste. In dem Bündnis setzt sich die parteilose Soziotherapeutin, die selbst seit ihrer Geburt eine körperliche Behinderung hat, für Sozialpolitik ein, "weil Menschen mit Behinderungen immer noch Unterstützung und Hilfe brauchen, um ein würdiges Leben garantiert zu bekommen."

Auf derselben Liste tritt auch Julita Szkudlarek an. Die 44-Jährige ist Inhaberin des Zentrums für Sucht-Psychotherapie in Kostrzyn. Außerdem gründete die Soziologin die Stiftung Alternatywa, die Suchtkranken und deren Familien hilft, wieder gesund zu werden. Früher war sie zudem Vorsitzende des Behindertenverbandes.

Eine Kandidatin aus Zary, der Hauptstadt der polnischen Lausitz, gehört zu den zehn Frauen, die in der Woiwodschaft Lubuskie für die Polskie Stronnictwo Ludowe (christdemokratische Polnische Bauernpartei) antreten. Izabela Kumor-Pilarczyk leitet das Kulturzentrum Regionalne Centrum Animacji Kultury in Zielona Góra. "13 ist die glücklichste Zahl auf der Liste", schreibt jemand auf der Facebook-Seite der Kandidatin – ihr Platz auf der Liste. Sie arbeitet seit jeher mit und für Menschen, betont die 55-Jährige, die seit 24 Jahren in Zary lebt. In dieser Zeit realisierte sie über 30 EU-finanzierte Projekte unter anderem für Jugendliche, Senioren und Menschen mit Behinderung.

Auch für die Regierungspartei PiS gehen Frauen in Lubuskie an den Start. Insgesamt sind es elf, Anna Górska auf Listenplatz 20 ist eine von ihnen. Schon zu den Kommunalwahlen vergangenes Jahr stellte sich die 52-Jährige zur Wahl, bekam mit unter fünf Prozent der Stimmen aber kein Mandat. "Meine Spezialität sind öffentliche Finanzen", erzählt die in Słubice Geborene in ihrem Wahlvideo. Zuletzt war sie Kämmerin in dem Kreis. "Ich kandidiere, weil mir auch Angelegenheiten von Menschen mit Behinderung besonders am Herzen liegen", sagt sie weiter.

Jung, männlich – rechts?

Auffällig sind viele junge männliche Kandidaten zum Beispiel in der konservativen, deutlich rechten, europakritischen Konfederacja Wolnosc i Niepodległosc (Konföderation Freiheit und Unabhängigkeit). Da gibt es den 29-jährigen Maciej Koscielny, den ein Jahr jüngeren Paweł Kamrad und den erst 25 Jahre alten Piotr Szymanski aus Rzepin. Der Masterstudent der Politikwissenschaft ist seit sieben Jahren "dem nationalen Umfeld verbunden", war zum Beispiel mehrmals beim Unabhängigkeitsmarsch in Warschau aktiv, der polnische Traditionen und Patriotismus feiert.

Die jüngsten Lubuskier Kandidaten des Bündnis der Demokratischen Linken sind 29 und 31 Jahre alt. Die beiden Jüngsten der Bürgerkoalition sind Miłosz Brodzikowski sowie Radosław Sujak, beide 33 Jahre alt. Letzterer lebt in Krosno Odrzanskie. Er war Berater des Marschalls der Woiwodschaft Lubuskie im Bereich der neuen Medien und Technologien und stellvertretender Direktor des Regionalen Zentrums für Kulturanimation. Seit 2018 ist er Vizepräsident für Soziales in Gorzów.

Der jüngste Kandidat der Polnischen Bauernpartei im Wahlkreis 8 ist 28 Jahre alt, bei der PiS ist Tomsz Rafalski mit 38 Jahren der jüngste Kandidat der Woiwodschaft. Gewählt wird am Sonntag zwischen 7 und 21 Uhr. Die Gazeta Lubuska gibt den Wählerinnen und Wählern den Tipp, bei Unschlüssigkeiten im Wahlablauf die Wahlhelfer zu fragen – eine Wahlempfehlung ist aber strengstens verboten, nicht nur für die Mitarbeitenden im Wahlausschuss (siehe "Bez granic" links).

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