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Noch bis Sonntag
Drücken statt Ankreuzen beim ersten Bürgerbudget in Frankfurt

Kim Köntopp erklärt Ernesto Pontigo im Oderturm die Abstimmung für das Bürgerbudget.
Kim Köntopp erklärt Ernesto Pontigo im Oderturm die Abstimmung für das Bürgerbudget. © Foto: Jan-Henrik Hnida
Jan-Henrik Hnida / 08.11.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 08.11.2019, 08:03
Frankfurt (Oder) (MOZ) Ich stimme für den Traditionsmarkt in Altberesinchen", sagt Saskia, während sie die 54 auf dem Touchscreen drückt. Hinter dieser Nummer verbirgt sich einer von  34 gültigen Vorschlägen für das Bürgerbudget. Es ist Dienstagmittag und die Studentin steht im Oderturm am Stand von Anja Greschke, der Stadtreferentin für Bürgerbeteiligung, die die Personalien erfasst und erklärt, wofür und was gewählt werden kann.

Der Traditionsmarkt in Altberesinchen soll an einem Wochenende im November oder Dezember mit traditionellem Handwerk und lokalen Handwerk auf dem Dresdener Platz stattfinden – das steht hinter dem Vorschlag Nummer 54, dem Saskia ihre erste von drei Stimmen gegeben hat.

Beim ersten Frankfurter Bürgerbudget sind 40 000 Euro zu verteilen, 10 000 Euro gehen maximal an ein Projekt. Die Liste umfasst 34 Vorschläge. Zu den Vorschlägen gehören unter anderem die Renovierung des geplanten Interkulturellen Zentrums in der Robert-Havemann-Straße, die Anschaffung eines Lastenfahrrades, Solarleuchten für den Lennépark oder mehr Ampeln für Sehbehinderte. Es ist das erste Mal, dass Frankfurt, wie andere Brandenburger Städte auch, ein eigenes Bürgerbudget auslobt. Die Vorschläge konnten per Post oder online eingereicht werden, wurden anschließend von den Fachämtern auf ihre Machbarkeit hin überprüft und zur Abstimmung freigegeben.

"Eine gute Sache für Bürgerbeteiligung", findet Christel Pontigo. Sie steht mit ihrem Mann vor der Stellwand, auf der die 34 Vorschläge stehen. Die Rentnerin möchte Kinder unterstützen und wählt deshalb den "Wasserspielplatz am Kleistpark". Für 3 100 Euro soll der vorhandene Wasserspielplatz am Spielplatz im Kleistpark wieder in Betrieb genommen werden. Die einfache Wahl per Berührung des Bildschirms gefällt der 66-Jährigen. Auch für den Wasserspielplatz und für mehr Blumen in der Stadt stimmt Ernesto Gonzales. "Die Gerhard-Hauptmann-Straße am Gauß-Gymnasium müsste mal erneuert werden", hat der Frankfurter noch einen Vorschlag für das Bürgerbudget. Die kaputte Straße am "Frankfurter Prestigeobjekt" sei doch beschämend. Gerade wenn Besucher aus Frankreich oder den Niederlanden bei Gonzales mit dem Auto zu Besuch kommen, dann ginge es nur von Schlagloch zu Schlagloch. "Ich bin aus Kliestow – und habe deswegen dreimal das gleiche gewählt", erklärt der ältere Herr. Hinter der Nummer 62 verbirgt sich ein "Begegnungsplatz in Kliestow". Dabei sollen die 10 000 Euro des Bürgerbudgets für die Befestigung der Fläche zwischen Feuerwehr und Winkelweg genutzt werden. "Ein Witz" sei die Geldsumme, urteilt der Kliestower, und doch ein positives Zeichen der Mitbestimmung.

Wahl in der Mittagspause

Über 500 Frankfurter nahmen bereits bis Donnerstagmittag an der Abstimmung teil. Alter, Geschlechter – "alles bunt gemischt", berichtet Kim Köntopp. Die Praktikantin hat Statistik geführt, hat als eine der ersten abgestimmt. Sie betreut mit Anja Greschke den Bürgerbudget-Stand und freut sich über das Interesse. "Viele Berufstätige nutzen die Mittagspause, um ihre Stimme abzugeben", hat Greschke beobachtet. Noch bis Sonntag kann ab 14 Jahren abgestimmt werden, dann folgt am selben Tag die Auszählung der Stimmen und um 16 Uhr im Oderturm die Bekanntgabe der Gewinner.

Heute von 14 bis 18 Uhr im Real-Markt; am Sonnabend, 10 bis 14 Uhr im SMC; und am Sonntag von 13 bis 15 Uhr im Oderturm. Ausweis mitbringen.

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