Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Totes Damwild
Wölfe in Lossow unterwegs

Ein Wolf, der in Lossow auf den Oderwiesen von einer Wildkamera fofografiert wurde.
Ein Wolf, der in Lossow auf den Oderwiesen von einer Wildkamera fofografiert wurde. © Foto: privat
Jan-Henrik Hnida / 14.11.2019, 18:53 Uhr - Aktualisiert 15.11.2019, 08:28
Frankfurt (Oder) (MOZ) Es war ein schockierender Anblick", erinnert sich der Halter des Wildgatters an den 30. Oktober in Lossow. Er möchte namentlich nicht in der Zeitung genannt werden. Drei seiner Tiere entdeckte er "verstreut im Gatter herumliegend", berichtet er. Raben und Mäusebussarde hatten sich bereits an den zerfetzten Körpern zu schaffen gemacht. Bei seinem Nachbarn rissen die Raubtiere außerdem ein Schaf. "Mir war sofort klar: Hier waren Wölfe am Werk", erzählt der Wildtier-Halter und beobachtet seine vier übrig gebliebenen Tiere. Seine Schlussfolgerung: Wenn ein Wolf vier Kilo Fleisch pro Tag vertilgt, dann kann nur ein Rudel in Lossow sein Unwesen getrieben haben. Denn eines seiner ausgewachsenen Tiere bringe 50 Kilo auf die Waage.

Spurensicherung am Tatort

Auf zwei Seiten gruben sich die Wölfe unter dem Zaun durch, wie der alarmierte Wolfsbeauftragte später vor Ort feststellte. "Alles so liegen lassen, wie es ist", bekam der Tierbesitzer zuerst Anweisung. Wie bei einem Leichenfund durfte der Halter nichts aufräumen, bis der Wolfsbeauftragte mit seiner Arbeit begann. Bissspuren, Haarbüschel oder die Spurlänge, die die Wölfe beim Verschleppen ihrer Beute hinterließen – all das wurde genauestens erfasst und dokumentiert.

Entschädigung gibt es für keines der gerissenen Tiere – jedes bis zu 500 Euro wert – weil es Wild ist. "Wir wollten unseren Tierbestand sowieso herunterfahren", sagt der Tier-Halter. Klar sei der Verlust ärgerlich. Zukünftig sollen Schafe im Gatter ihr neues zu Hause finden. Zur Prävention empfahl ihm der Wolfsbeauftragte, einen Untergrabungsschutz unter dem Wild-Gatter anzulegen, als Maßnahme gegen weitere Angriffe; was auch ein Punkt im Wolfsmanagementplan Brandenburg 2019 ist: "Als Untergrabungsschutz sind zwei stromführenden Drahtlitzen (Bodenabstand 20 und 40 cm, Mindestspannung 2.500 Volt) mittels Abstandsisolatoren außen am Zaun anzubringen."

Wölfe sind keine Seltenheit mehr in der Region. Im Schlaubetal rissen mehrere Raubtiere auf einer Koppel am 8. November bei Rießen zwei Schafe – mit demselben Jagdverhalten: Sie gruben sich unter dem Zaun durch.

"Die Wölfe waren mitten im Ort, wo auch tagsüber Kinder spielen", warnt ein Jäger aus Lossow. Ein wenig unscharf, aber trotzdem deutlich zu erkennen, ist das graue Exemplar, das er mit seiner Wildkamera fotografierte (siehe Foto). "Der Wolf lief mir im Sommer bei den Oderwiesen vor die Linse", sagt der Jäger.

Wild rottet sich zusammen

Aus Polen, so meint der Jäger, seien die Wölfe vor gut zehn Jahren über die Oder gekommen, zwischen Lossow und Finkenheerd. Sie vermehrten sich und fressen sich "dick und rund", wie er sagt. Die Jagd werde schwieriger, da das Wild sich zurückziehe, hat der Weidmann beobachtet. Trauten sich Rehe früher bis an den Rand von Lossow, sehe er jetzt keine mehr in Dorfnähe. Die Bildung von Rotten sei eine weitere Folge der Wölfe. Insbesondere beim Schwarzwild würden sich zirka 30 bis 40 Tiere zusammenrotten – zum Schutz. Und zum Schaden von Koppeln, Grünflächen, Stadtparks und Gärten.

"Bald haben wir hier kein Wild mehr, Wildschäden und Verkehrsunfälle häufen sich und die Seuchengefahr steigt", warnt der Jäger. Er habe allgemein nichts gegen die grauen Raubtiere, genauso wenig, wie gegen Biber oder sonstige eingewanderte Tiere. "Aber alles, was sich unkontrolliert vermehren kann, ist nicht gut für die Umwelt", findet er.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG