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An der Klimastreik-Woche hat sich auch die Studierendenschaft der Viadrina beteiligt. Die MOZ sprach mit Präsidentin Julia von Blumenthal über das Thema.

Klimastreikwoche
Mit Videokonferenzen etwas fürs Klima tun

MOZ / 29.11.2019, 06:00 Uhr - Aktualisiert 29.11.2019, 07:58
Frankfurt (Oder) (MOZ) An der bundesweiten Klimastreik-Woche der "Students for Future" hat sich auch die Studierendenschaft der Viadrina beteiligt. Nancy Waldmann sprach mit Julia von Blumenthal, Präsidentin der Europa-Universität, über Klimaschutz im eigenen Haus.

Frau von Blumenthal, wurde an der Viadrina gestreikt?

Ich nehme an, dass heute viele Studierende zur Demonstration gehen werden anstatt zu Lehrveranstaltungen. Aber während der Woche verläuft der Lehrbetrieb normal. Ich habe die Lehrenden eingeladen, Klimaschutzthemen in die Seminare einzubetten. Die Aktionen der Studierenden ergänzen das Angebot, das wir als Universität sowieso machen.

Welches Angebot?

Wir haben Forscher, die sich mit dem Klimaschutz beschäftigen. Reimund Schwarze nimmt seit langem an Klimaschutzkonferenzen teil. Jens Lowitzsch forscht zu Modellen, die zur Gewinnung erneuerbarer Energien genutzt werden, Ines Härtel befasst sich aus juristischer Sicht mit dem Wandel in der Landwirtschaft. All das berührt Klimaaspekte. Und was in der Forschung vorkommt, kommt auch in der Lehre vor.

Wie wären Sie einem richtigen Streik begegnet?

Einen Streikaufruf kann ich als Präsidentin nicht unterstützen. Ich glaube auch nicht, dass es an einer Bildungseinrichtung das richtige Mittel ist. Uns geht es ja darum, die Studierenden zu befähigen, sich kritisch mit wichtigen Themen auseinanderzusetzen. Das kann man am besten im Seminar gemeinsam mit den Lehrenden.

Was tut die Viadrina im eigenen Haus für den Klimaschutz?

Es ist die Frage, wie wir wirtschaften – da stehen wir im Moment noch am Anfang. Deswegen kann ich dazu jetzt nichts konkretes sagen. Ab dem nächsten Jahr wollen wir das auf Leitungsebene intensiver angehen.

Die Viadrina steht für Internationalität, die Mobilität der Studierenden ist ein hohes Gut in Ihrer Hochschule. All das wird ermöglicht durch viele Flüge, die Emissionen verursachen. Welche Wege sehen Sie aus diesem Dilemma?

Erstens sollte man bei jeder Reise prüfen, ob man nicht auch die Bahn nehmen kann. Der letzte deutsch-polnische Bahngipfel hat eine Verbesserung der Verbindungen nach Polen angekündigt, das ist für uns wichtig. Zweitens, haben wir zu vielen Partnern langjährige Beziehungen. Da muss man nicht zu jedem Termin fliegen, sondern kann auch Dinge per Videokonferenz besprechen. Drittens, wären da Kompensationszahlungen, Klimaspenden. Allerdings gibt es noch keine gesetzliche Regelung, ob wir das aus Haushaltsmitteln machen dürfen.

Der ökologische Fußabdruck von Wissenschaftlern, die arbeitsbedingt weltweit an Konferenzen teilnehmen, wird derzeit diskutiert. Einige haben ihre Flugbilanzen offengelegt. Inwiefern ist das in Ihrem Haus ein Thema?

Es gab im Herbst die Initiative von Wissenschaftlern, eine Selbstverpflichtung zu unterschreiben, dass man bei Entfernungen unter 1000 Kilometern immer die Bahn nimmt. Viele Kollegen haben mich angesprochen, ob wir das unterstützen können. Da gibt es schon ein Interesse.

Unterstützen Sie diese Initiative als Institution?

Wir können als Universität keine Vorgaben machen, welche Verkehrsmittel genutzt werden. Wir sind an das Bundesreisekostengesetz gebunden und das ist bisher nicht auf Nachhaltigkeit orientiert. Und dann ist da die Abwägung bezüglich Familienfreundlichkeit. Wer Zug fährt, ist länger unterwegs, muss seine Familie länger allein lassen. Kürzlich war ich in Straßburg. Hin war ich 7 Stunden unterwegs, zurück nochmal soviel.

Wie oft sind Sie in den letzten 12 Monaten geflogen?

Da es mein erstes Jahr im Amt als Präsidentin war, war ich viel unterwegs, um unsere Partner kennenzulernen. Ich war in Paris, in der Ukraine, in den USA. Ich habe das für mich so gelöst, dass ich diese Dienstflüge aus meinen privaten Mitteln über Atmosfair kompensiert habe. Jetzt kenne ich die Menschen persönlich und wir können mehr per Videokonferenz besprechen.

Globaler Klimastreik an der Viadrina

Zum Ende der Klimastreikwoche von "Students for Future" rufen Studierende der Viadrina und Frankfurter Schülerinnen und Schüler zu Globalen Klimastreik. Treffpunkt ist um 12 Uhr am Bahnhofsvorplatz. Es ist das erste Mal in Frankfurt, dass sich der Allgemeine Studentische Ausschuss der Frankfurter Klima-Demo anschließtWährend der Klimastreikwoche gab es auch öffentliche Veranstaltungen, etwa Vorträge zum Klimapaket der Bundesregierung und Sprache, Macht und Klima, eine Filmnacht zum Thema. Zudem sammelten mehrere studentische Gruppen Müll und kreierten daraus Plastiken. Im Foyer der Uni-Bibliothek ist zurzeit eine Ausstellung zum Lebenslauf des To-Go-Kaffeebechers zu sehen.⇥nmw

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