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Im einstigen Frankfurter Friedrichsgymnasium wird an jüdische Schüler erinnert, die von den Nazis ermordet wurden.

Erinnerung
Gedenktafeln für jüdische Mitschüler

Enthüllt: Ytzik Tajar und Mara List waren schon bei der ersten Einweihung der Gedenktafel für Schüler des einstigen Friedrichsgymnasiums dabei.
Enthüllt: Ytzik Tajar und Mara List waren schon bei der ersten Einweihung der Gedenktafel für Schüler des einstigen Friedrichsgymnasiums dabei. © Foto: René Matschkowiak
Jan-Henrik Hnida / 01.12.2019, 22:01 Uhr - Aktualisiert 02.12.2019, 06:26
Frankfurt (Oder) (MOZ) Es ist vollbracht. Die Gedenktafel, die an jüdische Schüler des ehemaligen Friedrichsgymnasiums erinnert, die während der Nazizeit zu Tode kamen, hat ihren Platz in der Aula der heutigen Grundschule Mitte zurück. "Es war natürlich nie geplant, dass die Gedenktafel nach der Sanierung im Keller der Schule bleiben soll", so Wiebke Tetzlaff, Leiterin der heutigen Grundschule Mitte. "Vereinbart war, dass die Tafel wieder aufgehängt wird."

Nun konnte der Dissens endlich aufgelöst werden, denn auch Peter Staffa, ehemaliger Lehrer des Friedrichsgymnasiums und seit 20 Jahren Initiator eines deutsch, polnisch, israelischen Austausches, freute sich über das Ergebnis. Die Gedenktafel für Franz Gumpert und Schuschu Simon erhielt zusätzlich noch eine Tafel, auf der es Erläuterungen zu diesen jüdischen Schülern zu lesen gibt. Gumpert wurde 1941 im Konzentrationslager Mauthausen ermordet, Simon nahm sich 1942 in Holland das Leben, nachdem ihn die Polizei verhaftet hatte.

"Wir wollen natürlich, das sich auch Grundschüler mit diesem Thema auseinandersetzen, deswegen sind diese Ergänzungen so wichtig", sagt Peter Staffa. Auch eine Klasse der Grundschule war zur feierlichen Wiedereinweihung eingeladen, ebenso wie Schüler aus Israel, Polen und Deutschland. Der ehemalige Schüler René Bertel erinnerte sich in einer kurzen Rede an seinen ersten Briefkontakt mit Herrmann Arndt.

Schwere Kost

Eigentlich hatte er auf eher fröhliche Anekdoten gehofft, als er den ehemaligen Schüler anlässlich des damals bevorstehenden 300-jährigen Jubiläum des Friedrichsgymnasiums angeschrieben hatte. Was er zur Antwort bekam, war ziemlich schwere Kost für den damaligen Schüler der 11. Klasse. Sein Lehrer Peter Staffa hielt den Kontakt zu Herrmann Arndt später noch aufrecht. "Wir wurden Freunde", so der ehemalige Deutschlehrer. Dank dem Hinweis von Herrmann Arndt, alias Zvi Aharoni, des jüdischen Frankfurters, der das Friedrichsgymnasiumin in den 30er-Jahren besuchte, wurde die Gedenktafel 2002 in der Aula angebracht. Unterhalb der ursprünglichen Gedenktafel wird nun auch Herrmann Arndts gedacht, der 1938 nach Palästina emigrierte. Arndt war unter anderem Soldat in der britischen Armee und beim Israelischen Geheimdienst Mossad.

Herrmann Arndt alias Zivi Aharoni war der Mossad-Agent, der den Kriegsverbrecher, SS Obersturmbannführer Adolf Eichmann in Buenos Aires in Argentinien entdeckte, festnahm und ihn im Mai 1960 nach Israel entführte. Am 15. Dezember 1961 endete der Prozess gegen Adolf Eichmann. Der Organisator der nationalsozialistischen Judenvernichtung wurde zum Tode verurteilt.

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