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Bevor am Winterhafen neue Eigenheime entstehen, wird der Boden nach historischen Hinterlassenschaften durchforstet.

Archäologie
Überraschungen aus dem Untergrund

René Matschkowiak / 02.12.2019, 19:30 Uhr - Aktualisiert 03.12.2019, 08:00
Frankfurt (Oder) (MOZ) Unerwartet entspannt steht Dirk Schulze, Geschäftsführer der Krebs und Schulze Unternehmensgruppe, an einer Baugrube auf seinem Baufeld an der Hafenstraße in Sichtweite zur Marina Winterhafen und schaut auf alte Mauern in der Erde. Vier Häuser mit Eigentumswohnungen sollen hier in Toplage nahe der Oder in die Höhe wachsen. Für Bauträger wie ihn sind die vorgeschriebenen archäologischen Ausgrabungen immer auch ein Lotteriespiel.

Sie belasten nicht nur finanziell, sondern können einen Bauablauf und Übergabetermine auch komplett durcheinanderwirbeln. "Bei den ersten beiden Häusern wurde nichts gefunden, jetzt eben schon", sagt Dirk Schulze. Den Bauablauf jedenfalls wird es diesmal nicht verzögern, obwohl er schon andere Gerüchte gehört habe. "Zwei Häuser sind schon im Bau und müssen erstmal fertiggestellt werden. Dann sind die Arbeiten der Archäologen auch abgeschlossen, um mit den nächsten zwei Häusern zu beginnen", erklärt er.

Viele Fundstücke

Von daher kann er das gebotene Schauspiel entspannt verfolgen. "Ich finde das ja auch durchaus interessant", erklärt er. Gefunden, so viel ist klar, wurde diesmal jedenfalls einiges. Pflastersteine aus dem 18. und 19. Jahrhundert wurden schon freigelegt. Erste Schichten aus dem 17. Jahrhundert und gar aus dem 15. Jahrhundert wurden ebenfalls in akribischer Kleinarbeit ans Tageslicht befördert, wie der stellvertretende Grabungsleiter Ron Treppe erklärt. "Wir befinden uns ja hier direkt neben, aber nicht auf einem alten Friedhof", so der Spezialist. Die Friedhofsmauer steht sozusagen an der heutigen Grundstücksgrenze.

"Zum Glück", lacht Bauherr Dirk Schulze. Denn: Ausgrabungen sind die eine Sache, Ausgrabungen auf einem ehemaligen Friedhof eine ganz andere. Dennoch, das Gelände ist äußerst geschichtsträchtig. Das ehemalige Georgenhospital steht nur einige Meter weit entfernt und wurde 1312 erstmals erwähnt. Das heutige Gebäude des Hospitals wurde von 1792 bis 1794 erbaut. Auch die ehemalige St.-Georg-Kirche stand, bis zu ihrem Neubau vor knapp 100 Jahren am anderen Ende der Bergstraße, in diesem Bereich.

Gegenüber, auf der anderen Seite der Hafenstraße, produzierte die Steingutfabrik Theodor Paetsch ab 1840 keramische Erzeugnisse. Auch davon wurden einige gefunden. Immer wieder befördern die Archäologen der Firma ABBU aus Cottbus Tassen oder Teller mit dem Aufdruck der Manufaktur an das Tageslicht. Mühevoll mit einem kleinen Spachtel und einem Pinsel werden dafür die Flächen freigelegt. Ein gemauertes Kellerfenster ist sichtbar geworden, darunter befindet sich der Sockel aus Natursteinen.

Oberflächenniveau erhöht

"Es ist auch faszinierend zu sehen wie die alten Baumeister gebaut haben", freut sich Schulze. Haben wird er freilich nichts von den Funden. "Was wir finden, wird eingelagert und eventuell mal für Ausstellungen ausgeliehen. Der Rest, der nicht dem Fundament weichen muss, wird wieder vergraben. Was im Boden ist, wird dort am besten konserviert", so Ron Treppe. Was auffällt, früher muss das Oberflächenniveau des Geländes einige Meter tiefer gewesen sein. "Solche Flächen wurden oft dazu genutzt sie mit Erde von anderen Baustellen aufzuschütten", weiß Treppe. Noch einige Wochen gegraben werden, um eventuell weitere historische Fundstücke zur Frankfurter Geschichte zu bergen.

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