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Auf Weihnachtsfeier
Frankfurter AfD verschenkt Spirituosen in Form von Maschinenpistolen

Steffen Kotré und sein Weihnachtsgeschenk von der Frankfurter AfD: Eine Flasche Hochprozentiges in Form einer Kalaschnikow.
Steffen Kotré und sein Weihnachtsgeschenk von der Frankfurter AfD: Eine Flasche Hochprozentiges in Form einer Kalaschnikow. © Foto: Screenshot Facebook-Seite AfD-Stadtverband Frankfurt (Oder)
Thomas Gutke / 10.12.2019, 20:13 Uhr - Aktualisiert 11.12.2019, 14:52
Frankfurt (Oder) (MOZ) Weihnachten, ein Fest des Friedens. Eigentlich. Der AfD-Stadtverband Frankfurt (Oder) veröffentlichte jetzt auf Facebook Bilder seiner Weihnachtsfeier, die eine etwas andere Botschaft nahelegen. Darauf zu sehen ist unter anderem, wie der Bundestagsabgeordnete Steffen Kotré und AfD-Landeschef Andreas Kalbitz Spirituosen in Form eines Maschinengewehrs als Präsent entgegennehmen. Der Frankfurter AfD-Landtagsabgeordnete Wilko Möller würdigte zudem Mitglied Roland Warstat-Lehmann für dessen "selbstloses Eintreten für die AfD" im Wahlkampf mit einer Replik des "Preußischen Ordens ‚Pour le Mérite‘" – eine Tapferkeitsauszeichnung, die Militärangehörigen bis 1918 verliehen wurde. Die Feier fand am 6. Dezember statt, zugegen waren auch viele hochrangige Vertreter der Rechtsaußenpartei.

Steffen Kotré befand auf Nachfrage, er habe sich "sehr über das Geschenk gefreut". Die "Kalaschnikow" sei "made in Ukraine", wie er betont. "Im Übrigen", so Kotré, sei "die Wehrfähigkeit unseres Vaterlandes nicht mehr gegeben". Denn die Bundeswehr sei kaputt gespart und strukturell geschwächt worden. "Sie kann nicht mal die Nato-Bündnisfähigkeit gewährleisten. Insofern sollte es solche kleinen Geschenke öfter geben, damit die Wiederherstellung unserer Verteidigungsfähigkeit verstärkt in den Blickpunkt der Gesellschaft rückt", findet der Sprecher der Brandenburger Landesgruppe der AfD-Bundestagsfraktion.

"Ich bin irritiert darüber, dass jemand solche Geschenke für angemessen und passend hält. Das sagt sowohl etwas über die Schenkenden als auch die Beschenkten aus", erklärte Oberbürgermeister René Wilke (Linke). "Das Schenken von Alkoholflaschen in Form von Waffen muss im Zusammenhang mit der AfD leider auch als Aufstachelung zur Gewalt verstanden werden", kommentierte Sahra Damus, Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen. Dass sich in diesem Kontext ein Mitglied des Bundestages darüber freue und die Verteidigungsfähigkeit der BRD in Frage stelle, sei "ein sehr schlechtes Zeichen für unsere Demokratie", so Damus.

Auch Alena Karaschinski, Sprecherin des Frankfurter Grünen-Kreisverbandes, zeigte sich empört: "Auszeichnungen in Form von Orden, die früher für besondere Verdienste auf dem Schlachtfeld verliehen wurden und Wodka-Geschenke in Kalaschnikow-Flaschenform: Wilko Möller und die AfD stehen nicht zum ersten Mal für militärische Vorlieben und Geisteshaltungen." Sie halte diese Gesten für geschmacklos und fragwürdig in Zeiten, "in denen wir uns um Frieden sorgen müssten".

Wilko Möller hingegen verteidigte die Präsente. Die Aufregung könne er nicht nachvollziehen. "Die Flasche in Form der AK 47 war für Andreas Kalbitz gedacht. Er kürzt sich ja selbst mit AK ab und ist jetzt 47 Jahre alt geworden. Auch der Wodka hat 47 Prozent Alkohol. Da hat das gut gepasst", erklärte der Vorsitzende des AfD-Stadtverbandes.

Auch die Replik des preußischen Ordens sei ein Geschenk gewesen. Seit 2014 habe es Tradition, dass ein verdienstvolles Mitglied mit einem Präsent auf der Weihnachtsfeier gewürdigt werde. "Roland Warstat-Lehmann ist ein großer Preußen-Fan. Verliehen haben wir ihm den Orden aber nicht, nur übergeben", stellte Möller klar, der die Kritik an den militaristischen Anklängen als "völlig überzogen" bezeichnete.

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Dirk Mahnke 11.12.2019 - 19:28:42

Ups, da fehlt ja schon wieder ein Kommentar...

Was war denn nun schon wieder nicht richtig, Herr/Frau zuständiger Redakteur?

Ralf H. Janetschek 11.12.2019 - 18:09:19

Replik auf Axel Hylla

Zitat: " .... Diese Leute wollen das Dritte Reich zurück ..." - Nicht ganz korrekt, es geht nicht um das Dritte sondern um das Vierte Reich.

kay-uwe granz 11.12.2019 - 16:57:02

@Axel Hylla

Wurde Ihnen schon, von der SED-Bezirksleitung, anerkennend auf die Schulter geklopft?

Karl Napp 11.12.2019 - 13:31:23

Wieder mal nur die halbe Wahrheit ...

"Den Pour le Mérite gab es in der militärischen Klasse bis 1918. In der zivilen Klasse existiert er als halboffizielle Auszeichnung mit der Bezeichnung Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste als vom Bundespräsidenten genehmigtes Ehrenzeichen bis heute weiter. " (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Pour_le_M%C3%A9rite#Pour_le_M%C3%A9rite_f%C3%BCr_Wissenschaften_und_K%C3%BCnste). _ _ / / _ _ Und wenn Grünen-Politiker behaupten, dass sie sich um den Frieden sorgen, kann man nur ob diese Verlogenheit den Kopf schütteln. Schließlich waren es doch die Grünen unter Außenminister Joschka Fischer, die zusammen mit der SPD 1999 für den ersten deutschen Auslandskriegseinsatz nach 1945 stimmten.

Paul Müller 11.12.2019 - 13:04:53

Eine Kalaschnikow ...

... mit Wodka gefüllt, würde ich jetzt aber mit Russland und einem stalinistischen Umbruch verbinden :) Bei einem Sturmgewehr 44 hm ...

Axel Hylla 11.12.2019 - 12:42:07

Vorbildlich

Liebe MOZ, bleiben Sie bitte dran und berichten Sie weiter über die Entgleisungen dieser Umstürzler-Partei AfD. Und lassen Sie sich nicht entmutigen von den kindischen Versuchen, durch Verweis auf andere die antidemokratische Haltung der AfD zu verharmlosen. Diese Leute wollen das Dritte Reich zurück, wie man leicht anhand ihrer Schriften nachvollziehen kann. Danke für diesen Bericht.

Ralf Cornelius 11.12.2019 - 07:47:18

Echt peinlich

So liebe MOZ, nun aber dranbleiben! Was verschenken denn Damus & Co., Windräder? Es scheint nicht ganz klar, was peinlicher ist, die Berichterstattung und künstliche Aufregung über das Thema oder die beißreflexartige politische Mutmaßung der Grünen. Vielleicht sollte die Verbots- und Bevormundungspartei, die nun auch noch die Grüne Hausnummer als Art Öko-Stasi promotet, mal etwas abrüsten in sprachlicher Form.

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