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Auszeichnung
Die WM als Meisterstück

Hubertus Rößler / 17.01.2020, 06:00 Uhr
Frankfurt (MOZ) You´ll never walk alone" klang es durch die Aula der Erich-Kästner-Grundschule am Mittwochabend. Rudolf Tiersch, Chordirektor der Singakademie, gab passend zur Sportlerehrung den Fußball-Klassiker zum Besten. "Niemals alleine gehen" – das könnte auch das Motto des Frankfurter Radsportclubs 90 sein, der als erster Verein den Hermann-Weingärtner-Preis erhält. Zuvor waren die Sieger des Preises viermal vom Ringen, dreimal von den Schützen sowie je einmal vom Judo, Boxen und Radsport gekommen.

Stellvertretend nahmen Geschäftsführer Dan Radtke und Präsident Jens-Uwe Hoffmann den mit 1896 Euro dotierten Preis entgegen – in Anlehnung an die Jahreszahl des Turn-Olympiasieges vom Namensgeber, der seit den ersten Spielen der Neuzeit als erfolgreichster Frankfurter Sportler gilt. "Wenn ihr einmal erfolgreicher sein solltet als Hermann Weingärtner, dann wird der Preis nach euch benannt", sagte Oberbürgermeister René Wilke mit einem Augenzwinkern in Richtung der Sportler.

Wilke hob in seiner Ansprache hervor, wie wichtig ein solcher Abend für den Sport sei. "Es ist zum einen eine Wertschätzung für die Sportler und zum anderen ein Werben für noch bessere Bedingungen im Sport", sagte der Oberbürgermeister. Anschließend verkündete er den diesjährigen Gewinner des Weingärtner-Preises. "Es fällt mir nicht schwer, eine Laudatio für den FRC 90 zu halten. Im vergangenen Jahr konnten wir wieder erleben, mit wie viel Engagement und Herzblut die Vereinsmitglieder Veranstaltungen wie die Oderrundfahrt, den Frankfurter Kreisel und natürlich die Junioren-Bahn-WM gestemmt hat. Dieser Team-Spirit hat mich sehr beeindruckt", sagte Wilke, der selbst begeisterter Radfahrer ist.

Den Preis würde der Verein aber nicht nur wegen der Weltmeisterschaft im vergangenen August erhalten, für deren Organisation er von allen Seiten gelobt wurde. "Der FRC 90 engagiert sich seit Jahrzehnten. Er hat 2019 sicherlich den Höhepunkt seiner Geschichte erlebt, gleichzeitig aber gezeigt, dass er bereit ist für weitere Höhepunkte. Die WM war das Meisterstück des Vereins."

Dan Radtke, der sich erst vor knapp vier Wochen während des Kreisels in das Goldene Buch der Stadt eintragen durfte, sah den Preis als Würdigung für den gesamten Verein. "Ohne unser Team würde es nicht gehen, sie sind zu jeder Zeit zur Unterstützung bereit. Ich bin stolz, dass bei der WM alles so reibungslos verlaufen ist und wir den Teilnehmern aus 48 Ländern eine kleine, aber feine Veranstaltung präsentieren konnten", sagte Radtke. Aber auch der Breitensport komme mit Old Man Race und Power Biking beim FRC 90 nicht zu kurz.

Boxer holen acht Titel

Vor der Preisverleihung wurden traditionell die Frankfurter Sportler geehrt, die im abgelaufenen Jahr Deutscher Meister wurden. Insgesamt waren dies 42 – mit acht Athleten stellen die Boxer dabei die größte Gruppe. Auch die 24 Meister-Trainer wurden geehrt. Sportdezernentin Milena Manns würdigte die Titelträger in ihrer Ansprache als "geschätzte Botschafter unserer Stadt. Wir können sehr stolz auf unsere Sportler sein. Und auch abseits des Leistungssportes spiegelt sich Sport an vielen unterschiedlichen Orten in der Stadt wider", sagte Milena Manns und verriet, dass sie beinahe täglich zehn Kilometer joggen geht.

Eine der Geehrten ist Annemarie Schierle, die sich bei der U-18-DM den Titel sicherte. Von Moderator-Neuling Ingolf Schöllner auf ihren älteren Bruder Silvio angesprochen, der noch Chancen auf die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio in diesem Jahr hat, antwortete sie: "Seine Leistungen sind für mich eine Herausforderung, noch besser zu werden. Aber er unterstützt mich auch sehr und ich versuche ihm zu helfen", erklärte die 17-Jährige.

Bei den elf internationalen Medaillengewinnern waren die Ringer und die Sportschützen mit je drei Sportlern am erfolgreichsten. Schützin Kathrin Murche wurde mit dem Team Vize-Europameisterin bei den Junioren und trat in einer Uniform der Luftwaffe auf die Bühne. In einen Kampfjet steigen müsse sie aber nicht, versicherte sie auf Nachfrage. "Wir werden bis auf die Lehrgänge fast immer für den Sport freigestellt", berichtete sie.

Nach der feierlichen Übergabe konnten sich die Sportler, Trainer und Unterstützer am Buffet stärken. Als Überraschung wurde dieses von den Handballerinnen des Frankfurter HC serviert. "Wir wurden gefragt, ob wir mitmachen würden. Und ich könnte mir schon vorstellen, dass wir auch einmal dort auf der Bühne stehen – vielleicht ja nach dem Aufstieg", sagte die 17-jährige Anny Philipp.

Guter Dinge zeigte sich auch Wilfried Lausch. Der Leiter des Olympiastützpunktes Brandenburg berichtete, dass 72 Sportler im Team Brandenburg um die Olympiaplätze kämpfen. "Ich wünsche mir natürlich, dass es alle nach Tokio schaffen. Aber realistisch gesehen, können sich 30 bis 40 Athleten aus Brandenburg qualifizieren. Die Qualifikation ist teilweise härter als das Olympia-Turnier selbst", sagte Lausch.

Aus Frankfurt sind Schützen, Ringer, Gewichtheber und ein Boxer im Team Brandenburg vertreten. Und sollte einer oder mehrere von ihnen die Frankfurter Farben in Japan vertreten, werden sie sicher bei der Sportlerehrung im kommenden Jahr auf der Bühne stehen.

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