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Reiselust
Expeditionen in die Welt der Kunst mit Hans-Georg Winter

Hans-Georg Winter auf dem Roten Sessel in den Räumen des Kunstvereins, wo gerade die Ausstellung "Aktzeichnen" der Gruppe 5 stattfindet.
Hans-Georg Winter auf dem Roten Sessel in den Räumen des Kunstvereins, wo gerade die Ausstellung "Aktzeichnen" der Gruppe 5 stattfindet. © Foto: René Matschkowiak
René Matschkowiak / 26.01.2020, 05:30 Uhr
Frankfurt (Oder) Es erfordert ein gehöriges Maß an Durchhaltevermögen. "Im März starten wir zur insgesamt 150. Kunstexpedition", sagt Hans Georg Winter. Dabei, so lacht er, hat er weder Kunst studiert noch waren seine Eltern besonders kunstinteressiert. "Vom Kunstunterricht in der Schule ganz zu schweigen".

Wahrscheinlich gehen die Ursprünge seiner Leidenschaft auf die Zeit während seines Mathematikstudiums zurück. Kommilitonen in Jena haben ihn damals zu einigen Kunstveranstaltungen und Ausstellungen mitgenommen. So richtig erwacht sei seine Leidenschaft dann wieder 2003. "Bis dahin machte Dr. Billert für den Frankfurter Kunstverein regelmäßige Exkursionen nach Polen", erinnert sich Hans-Georg Winter.  Er wollte aufhören und Hans-Georg Winter, der sich im Verein engagiert, war gerade in den Vorruhestand getreten.

"Das könnte was für mich sein", dachte sich der Mathematiker und führte fortan die Gruppen auf den Exkursionen. In den vergangenen Jahren ging es an sieben bis acht Terminen im Jahr zu interessanten Kunstausstellungen, vor allem in Berlin und Potsdam. Dass es mal 150 Exkursionen werden würden, hat Winter selbst nicht gedacht. "Eigentlich wollte ich auch schon aufhören, aber es macht Spaß", lacht der inzwischen 70-Jährige.

Die Ausflüge, erklärt Winter, seien keineswegs durchgetaktete Veranstaltungen, für die man ein Kunststudium benötige. "Ich betrachte Kunst unter dem Aspekt, ob sie mir gefällt oder nicht", sagt er. Es gebe auch keine Verpflichtung, ständig zusammenzubleiben. Die nächste Exkursion am 1. Februar, die 149., geht auf die Museumsinsel nach Berlin.

"Ich habe dort die Ausstellung ‚Kampf um Sichtbarkeit’ in der alten Nationalgalerie ausgesucht. Wer sich aber etwas anderes in den fünf Museen auf der Insel anschauen möchte, kann das gern tun", stellt er klar. Im Durchschnitt seien etwa 12 Frankfurter auf seinen Kunstreisen dabei. Dann hat er, wie auf dem Foto, seine rote Mütze auf. "Die trage ich dann immer, damit man mich auch wiederfindet", erklärt er und lacht.

"Einmal bin ich mit nur einer weiteren Person zu einer Exkursion aufgebrochen, aber es waren auch schon mal 58 Mitreisende. Das waren schon etwas zu viele", findet er. Dem kürzlichen Ausflug nach Potsdam, ins Museum Barberini zur van Gogh-Ausstellung, schlossen sich über 30 Interessierte an. "Die Reisen sind ja durch das Brandenburg-Ticket extrem preiswert", stellt er fest. Es sei eine verpasste Chance, denkt sich Winter dann manchmal, wenn nur sechs Leute mitfahren. "Das Anmelden bis zum Vorabend hat den Effekt, den inneren Schweinehund am nächsten Morgen zu überwinden, wenn man doch keine Lust verspürt."

Die Ideen für die Exkursionen kommen einerseits vom Kunstverein, der Einladungen zu Ausstellungen erhält. Andererseits schaut der Kunstkenner auch in Museen und Galerien nach, was dort gerade gezeigt wird. "In Berlin gibt es etwa 300 Museen, ich kenne vielleicht 40 davon", so Winter. "Man kann sich nicht alle Kunstangebote anschauen." Dann würde er zu nichts anderem mehr kommen. Schließlich fordern auch die Fahrradtouren, die er für die katholische Kirchengemeinde anbietet, seinen Einsatz.

Langeweile? "Nee hatte ich noch nie", lacht er. Trotz allem bringt sich mit Egbert Otto vom Kunstverein so langsam sein möglicher Nachfolger für die Kurzreisen in Stellung. "Irgendwann werde ich natürlich aufhören", so Winter. Bis dahin allerdings gibt es mit ihm noch Kunst zu entdecken, wie am 1. Februar. Treff ist um 9.15 Uhr auf dem Bahnhof. Rückkehr ist gegen 18 Uhr – Anmelden nicht vergessen. Sie wissen, der Schweinehund.

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