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Winter-Schwimm-WM
Ex-Polizist aus Frankfurt (Oder) nimmt als Eisschwimmer teil

Ines Weber-Rath / 13.02.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 13.02.2020, 10:59
Frankfurt (Oder) (MOZ) Jürgen Richter hat eine Bandscheiben- und eine Knie-OP hinter sich, ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt bekommen – und nun an einer Weltmeisterschaft teilgenommen: Am 5. Februar ist der 65-jährige Frankfurter bei den Weltmeisterschaften im Winter-Schwimmen im slowenischen Bled über die 100-Meter-Distanz im Brustschwimmen in seiner Altersklasse an den Start gegangen. Unter 13 Schwimmern kam er mit 3,12 Minuten auf Platz 11. "Ich habe erreicht, was ich wollte: durchhalten, nicht Letzter werden und unter vier Minuten bleiben", sagt Richter nach seiner Rückkehr am Dienstag glücklich.

Die Helene vor der Haustür

Die Bedingungen am Bledzer See seien traumhaft gewesen – sonnig und kalt, berichtet der Frankfurter, der in seinem Leben schon viel gemacht hat: Als Diplom-Ingenieur für Elektronische Bauelemente war er erst im Halbleiterwerk, dann im Institut für Medizintechnik tätig, bevor er als Techniker die ASK-Radsportler betreute. "Ich war schon immer sportbegeistert", sagt Richter, der sich nach der Wende neu orientieren musste und als Polizist letztlich Kriminaltechniker wurde. – Bis ihn gesundheitliche Beschwerden ausbremsten.

"Mit Fußball spielen und laufen war damit Schluss", sagt der WM-Teilnehmer. Auf der Suche nach sportlichen Alternativen kam Richter, der seit 20 Jahren Güldendorfer ist, aufs Radfahren und Schwimmen. Schließlich liegt der Helenesee quasi vor seiner Haustür.

Weil er beide Sportarten nicht nur in der warmen Jahreszeit ausübt, stießen Jürgen Richter und seine mindestens ebenso sportbegeisterte Frau Anita irgendwann auf die im Eis badenden Helenesee-Löwen. Und während Anita Richter sagt: "Für mich ist das nichts", kam ihr Mann im kalten Wasser auf den Geschmack. Und zwar so sehr, dass er letztlich mehr wollte – nicht nur rein und wieder raus gehen, sondern eine längere Strecke schwimmen.

"Als ich vor zwei Jahren in der MOZ einen Beitrag über die Bernauer ‚Eisbären’ gelesen habe, von denen einige an der Winter-Schwimm-WM in Tallin teilnahmen, habe ich gedacht: Das will ich auch!", erinnert sich der Güldendorfer. Seine drei Enkel sollten sagen können: "Opa war bei der WM", nennt er ein Motiv. Während seine Frau die Teilnahmebedingungen recherchierte, startete Jürgen Richter sein Trainingsprogramm.

Zu dem gehörten das tägliche Abtauchen in die große, grüne Wassertonne im Garten ebenso wie das Schwimmtraining in der Helene und der Muskelaufbau in seinem Fitness-Keller sowie mit Aroha beim Polizei-Dienstsport. Seine Brüder Helmut und Frank haben den Güldendorfer öfter zum Schwimmen begleitet. "Fürs Umsteigen aufs Brustschwimmen habe ich mir das Okay des Arztes geholt", so der WM-Teilnehmer.

Sein Trainingskalender belegt: Zum Endspurt der Vorbereitung ist Richter im Dezember und Januar 32 Mal in der Helene geschwommen – jeweils rund 250 Schwimmstöße. Die brauche er auf der 100-Meter-Strecke, für die er sich entschieden hatte, erklärt der 65-Jährige.

Ihm ist der relativ milde Winter fürs Training entgegen gekommen: Kein Eis auf dem See und "das Umziehen geht schneller", erklärt Richter. Sein WM-Einsatz im 5 Grad kalten Bledzer Bergsee, bei der er "auf der dritten Bahn einen Hänger" hatte, sei wohl der erste eines Frankfurters bei einer Winter-Schwimm-WM, meint der gebürtige Frankfurter, der mit seinem Start "auch einen Beitrag für Frankfurts Ruf als Sportstadt leisten" wollte.

Nach einem Tipp für potenzielle Eisschwimmer gefragt, sagt Richter: "Schnurstracks rein gehen und los schwimmen. Über den Punkt, wo’s weh tut, muss man rüber – dann wird einem sogar warm."

So lief der Wettkampfin Slowenien ab

Ausrichter dieser WM ist die International Winter Swimming Association (IWSA). Die Sportart ist keine olympische Disziplin. Eine Qualifizierung ist nicht nötig. Die WM findet alle zwei Jahre statt. Die WM, die vom 3. bis 9. Februar im slowenischen Bled stattfand, war die 12. Winter-Schwimm-WM. Auf den 25-Meter-Bahnen in einer Bucht des Bledzer Bergsees sind mehr als 1000 Schwimmer aus 36 Nationen an den Start gegangen. Es gab Wettkampfstrecken zwischen 25 und 1000 Meter, die im Brustschwimmen, Freistil oder zum Teil im Butterfly zu schwimmen waren.⇥ir

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