Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Geheimtipp vor Tourstart
In der Messehalle Frankfurt (Oder) proben Bands aus aller Welt

Über 75 000 Besucher hat das Festival Wacken. Bevor sie vergangenes Jahr dort und auf dem Pol’and’Rock bei Kostrzyn auftrat, probte die australische Band Parkway Drive in den Messehallen. Es war nicht ihr erster Besuch in Frankfurt.
Über 75 000 Besucher hat das Festival Wacken. Bevor sie vergangenes Jahr dort und auf dem Pol’and’Rock bei Kostrzyn auftrat, probte die australische Band Parkway Drive in den Messehallen. Es war nicht ihr erster Besuch in Frankfurt. © Foto: MuV/Christian Türke
Lisa Mahlke / 13.02.2020, 05:00 Uhr - Aktualisiert 13.02.2020, 10:49
Frankfurt (Oder) (MOZ) Nervös wird Christian Türke nicht mehr, wenn er Campino, Sänger der Toten Hosen, auf dem Flur begegnet oder der australischen Metalcore-Band Parkway Drive – sie spielte vergangenes Jahr auf dem über 75 000 Besucher zählenden Festival Wacken – bei der Probe ganz nah kommt. "Das macht Spaß", sagt der Abteilungsleiter Messegelände bei der Messe und Veranstaltungs GmbH (MuV). Beide Bands haben schon mehrmals in den Frankfurter Messehallen geprobt. Ebenso Die Ärzte. Insgesamt waren es in den vergangenen drei Jahren zehn Bands und Musiker, darunter auch die Rapper Casper und Ufo361 – der, so hieß es am Mittwoch, aktuell meistgestreamte Musiker Deutschlands.

Licht- und Feuershow testen

Mehr Namen darf Christian Türke nicht nennen, "Vertrauen ist oberstes Gebot". Mit einigen Künstlern ist ausgemacht, dass ihre – nicht öffentlichen – Proben in Frankfurt im Nachhinein bekannt gegeben werden dürfen. Mit anderen ist vertraglich Stillschweigen vereinbart. Was Türke aber erzählen darf: Wie eine solche Bandprobe abläuft. Drei, vier Stunden vor den Künstlern sei das Team bereits da. "Das Catering kommt zuerst, damit es Kaffee gibt, wenn die Techniker anfangen", erzählt er. Manche Bands wollen nur ihr Set durchspielen, also die Reihenfolge ihrer Lieder für die Konzerte testen. Es gibt kleine Proben mit zehn bis 20 Crewmitgliedern. Manchmal wird bei so einer Probe aber auch die ganze Tour zusammengeschnürt, DJs testen ihre Lichtshow, Bands ihre Pyrotechnik. Dann kommen auch mal 40 bis 50 Leute zusammen, erzählt Türke. Parkway Drive seien beispielsweise mit vier 40-Tonnern angereist, die halbe Halle sei letztlich voller Material gewesen.

Die Musiker bringen in der Regel eigenes Catering mit. In einer Küche können die letzten Handgriffe gemacht, im Nebenraum das Buffet aufgebaut und gegessen werden. Es gibt Miet-Handtücher. Christian Türke zeigt außerdem einen Aufenthaltsraum mit Sofa, Spiegel, WC, Dusche – fünf gibt es im Backstagebereich, einige mit eigenem Kühlschrank. Türkes Büro ist direkt gegenüber, seine Tür steht nicht still. Er ist erster Ansprechpartner. "Ein schönes Gespräch damals, als Fortuna gegen Hertha gewonnen hat", hatte er mit Campino. Vor allem bekannte Musiker seien meist tiefenentspannt, ohne Berührungsängste. Manchmal ist er bei den Proben dabei, macht Fotos. "Bei Parkway Drive saß ich auf einer Kiste, nah dran", sagt er grinsend. Die Band probte ebenerdig, ohne Bühne. Und testete ihre Feuershow. "Ich hab gedacht, die fackeln die Hütte ab."

In Halle 1 gibt es auf jeder Seite 400 Ampere Powerlock-Anschlüsse. "Die Stromanforderungen der Bands muss man erst mal erfüllen", sagt Türke. Weil die Halle hoch genug ist, kann auch Pyrotechnik verwendet werden.  In Halle 3 und 4 sind hingegen nur Proben ohne Feuer möglich und Halle 2 kommt gar nicht in Frage, weil der Boden für die schwere Technik ungeeignet ist. Halle 2 oder mehrere der Hallen für Sport zu nutzen – ein mögliches Zukunftsszenario, das OB René Wilke kürzlich umriss – wäre aber schwierig, sagt Türke. In Halle 2 fänden etwa Tanzturniere oder die "Große Familie" statt, außerdem müsse man alle Hallen als Komplex betrachten. Bei einem Konzert wie von Feine Sahne Fischfilet Ende Dezember werden alle Hallen benötigt – als Konzertraum, Garderobe, Sanitätstrakt, für Catering und Equipment.

Was er unterstreicht: Veranstaltungen – 2019 gab es an 172 Tagen 90 Stück – hätten Priorität vor den Bandproben. Bei beiden Geschäftsfeldern gleich: das Problem mit der Hotelkapazität der Stadt. Die Crews der Musiker schlafen hauptsächlich in Nightliner-Bussen – quasi rollenden Hotels. Das sei auch gewollt, um sich in Ruhe kennenzulernen und einzuspielen. Dass es das Messehotel und das Ramada nicht mehr gibt, sei aber für manch eine Probe und vor allem mehrtägige Veranstaltungen kontraproduktiv.

4000 Zuschauer wären zu wenig

Warum aus den Proben der ganz großen Musiker in der Regel kein Frankfurt-Konzert wird, lässt sich erklären: Wenn Bands für fünfstellige Besucherzahlen sorgen, reicht die höchste Kapazität von 4000 Besuchern in der Messehalle schlicht nicht aus. Als die Toten Hosen vor ein paar Jahren nach ihrer Probe in Frankfurt ein Aufwärm-Konzert vor der Festivalsaison spielten, waren alle 4000 Karten innerhalb von zehn Minuten verkauft.

"Das ist ein zweischneidiges Schwert", sagt auch MuV-Sprecherin Nora Weise. Die Bandproben seien eine Einnahmequelle und gut fürs Image. Doch nach außen dringe davon nur selten etwas. Entsteht dann, wie bei den "Hosen", doch ein Konzert, bringe das auch den Bands etwas: In Frankfurt merkten sie, dass sie für ihre Tour die Reihenfolge der Lieder umstellen müssen. "So etwas kann man nur mit Leuten testen", sagt Christian Türke.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG