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EU-Farbverbot
Tätowierer in Frankfurt (Oder) und Słubice bangen um Kunden

René Matschkowiak, Nancy Waldmann / 13.02.2020, 20:53 Uhr - Aktualisiert 14.02.2020, 07:52
Frankfurt (Oder) (MOZ) Thilo Strehler ist eine Institution in der Frankfurter Tattoo-Banche und einer, der sich bestens auskennt. Seit nunmehr 30 Jahren verschönert er die Haut von Menschen in der Oderstadt. In seinem "New Skin Tattoo"- Studio in der Leipziger Straße arbeiten noch drei weitere Tätowierer.

Zur Zeit herrscht einige Aufregung in der Szene und bei seinen Kunden, weil die gängigen Pigmente zur Herstellung von Blau und Grün von der EU verboten werden sollen. Sie stehen im Verdacht, krebserregend zu sein und sind bereits zur Anwendung als Haarfärbemittel nicht mehr erlaubt. Wenn man sich mit Strehler unterhält, schwirrt einem nach einer halben Stunde der Kopf. Er spricht von der Partikelanzahl, die in die Haut eindringe, von Additiven, die den Partikeltransfer in die Haut ermöglichten und so weiter. Strehler kennt sich aus und er argumentiert vehement gegen das geplante EU-weite Verbot der Farben Blue-15 und Green-7.

Insgesamt zwei Drittel aller Farben würden so vom Markt verschwinden. Wie ernst es den Tätowierern und auch den etwa 16 Millionen tätowierten Deutschen mit dem Kampf gegen das Verbot ist, zeigt eine Petition, die schon 140 000 Mal unterschrieben wurde. Nicht nur Thilo Strehler kämpft gegen das Verbot, sondern etwa auch der bekannte Kriminalbiologe Mark Benecke, der schon häufiger zu Gast in der Oderstadt war. "Beantragt hat dieses Verbot bei der EU eigentlich niemand", so der Biologe in einem Statement. Das habe sich irgendwie "durchgewurschtelt".

Trotzdem soll es nun in der EU beschlossen werden. "Es gibt auch keinerlei biologische Grundlage", behaupten Strehler und Benecke unisono. Die Farben an sich sind kleine, fast staubige Partikel, die auch für andere Zwecke genutzt würden, etwa als Lebensmittelfarbe, so Strehler. Eben nur mit anderen Trägerstoffen. "Wir wollen ja, dass die Farben für unsere Kunden streng untersucht werden. Es gibt aber andererseits keinerlei Schadstoffgrenzen wie etwa beim Trinkwasser", argumentiert er. "Ein Verbot der Farben ist freilich der falsche Weg, weil dann im Keller illegal tätowiert wird", befürchtet er. "Dann bräuchten auch die Farbhersteller nicht mehr so akkurat auf die Zusammensetzung achten, weil die Farben offiziell sowieso verboten sind."

Als er anfing, hat sich Strehler die Farben noch aus England besorgt. Da standen nicht mal die Inhaltsstoffe drauf, nur "Blau" oder "Grün". Das ist heute anders. Die Qualität sei entschieden besser geworden. "Damit das so bleibt, dürfen die Farben nicht verboten werden", findet Strehler. Zumal Gelb und Rot übrig blieben.

In Słubice gibt es gleich eine Handvoll Tattoo-Studios. Doch die Diskussion um das Verbot ist dort noch kaum angekommen. "In keinem Forum habe ich bisher davon gelesen", sagt Karolina Simionkowska am Tresen des Tattoo-Studios "Talar" in der ul. 1 Maja. Sie fragt Chef Tomek, der hinter einer Trennwand gerade einen Kunden tätowiert. "Nein, das ist unmöglich", ruft der. "Die Firmen machen mit den Farben so viel Geld, die werden das nicht zulassen." In dem Słubicer Studio wird mit Farben von den Firmen "World Famous Ink" und "Eternal Ink" gearbeitet.

Die meisten Kunden kämen von der deutschen Oderseite, aus Frankfurt, Fürstenwalde und so weiter, sagt Simionkowska. 70 Prozent wünschten Farb-Tattoos. "Die meisten wollen natürlich starke Kontraste, wie Rot-Blau oder Grün-Orange", sagt sie. Daher seien die betroffenen Farben fast immer dabei. Ein Verbot träfe das Talar-Studio also hart. "Aber wahrscheinlich würden die Firmen Wege finden, ein solches Verbot zu umgehen und die Farben trotzdem zusammenzumischen", überlegt sie.

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