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Amateursport vorläufig nur auf privater Ebene

Verwaiste Ränge und ein leeres Spielfeld: So wie hier im Frankfurter Stadion der Freundschaft wird es in den kommenden Wochen überall auf den Sportplätzen in der Region aussehen.
Verwaiste Ränge und ein leeres Spielfeld: So wie hier im Frankfurter Stadion der Freundschaft wird es in den kommenden Wochen überall auf den Sportplätzen in der Region aussehen. © Foto: Hubertus Rößler
Hagen Bernard, Hubertus Rößler / 16.03.2020, 06:30 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Das Corona-Virus beeinflusst immer mehr Bereiche des täglichen Lebens, nun auch den Amateursport in der Region. Die Stadt Frankfurt und der Landkreis Oder-Spree haben zum Umgang mit größeren Veranstaltungen im Zuge der Ausbreitung des Coronavirus verfügt, dass öffentliche und private Veranstaltungen ab einer geplanten bzw. erwartenden Zahl von Teilnehmern dem Oberbürgermeister bzw. Landrat angezeigt werden müssen.

Der Fußball-Landesverband setzte die kommenden beiden Spieltage im gesamten Verbandsgebiet ab. Es werden auch keine Freundschafts- und Pokalspiele stattfinden. Der Handball-Verband Brandenburg hat ähnlich entschieden. Mit sofortiger Wirkung wird der gesamte Spielbetrieb bis zum 19. April ausgesetzt und empfohlen, nicht notwendige Sichtungsveranstaltungen, Sitzungen, Tagungen, Fortbildungen bis auf weiteres abzusagen. Davon betroffen ist natürlich auch Frauen-Drittligist Frankfurter HC. Das weitere Vorgehen der Saison und der Auf- und Abstiegsregelungen werden in der nächsten Zeit besprochen und kommuniziert, teilte der Deutsche Handballbund mit.

Die Volleyballer und Basketballer beenden ihre Saison vorzeitig. Auch der Tischtennisverband Brandenburg setzt seinen Spielbetrieb aus. Vorläufig werden bis zum 19. April keine Wettbewerbe ausgetragen. Die Judoka haben alle Sichtungsturniere und Veranstaltungen mit einem größeren Teilnehmer- und Besucherkreis für die kommenden zwei Monate abgesagt. Auch die Boxer haben mit Ausnahme der Vorbereitung der Olympia-Kader bis zum Sommer die Wettbewerbe ausgesetzt.

Wie fast überall ist auch  bei den Fußballern des 1. FC Frankfurt der Trainingsbetrieb aller Mannschaften bis auf weiteres ausgesetzt. "Trotz der Liebe zu unserem Sport geht die Gesundheit vor", erklärt der Vorstand auf seiner Facebookseite. Jan Mutschler, Trainer der Brandenburgliga-Mannschaft berichtet am Sonntagnachmittag: "Die Spieler haben einen individuellen Trainingsplan bekommen. Sie sollen viermal in der Woche eigenständig Laufen gehen und sich ansonsten mit Fitnessübungen in Form halten."

Der 37-Jährige befürchtet allerdings, dass die Saison beendet ist. "Amateurvereine würde das viel härter treffen als Proficlubs. Aber bei den stündlich neuen Meldungen kann ich mir nicht vorstellen, dass in nächster Zeit noch Sportwettkämpfe stattfinden. Das betrifft sicher auch die Fußball-EM und andere Großveranstaltungen. Ich denke, wir starten dann nächste Saison oder wann auch immer wieder bei Null. Aber zurzeit gibt es wichtigere Dinge als Sport", sagt Mutschler.

Die Eisenhüttenstädter Radsportler bereiten sich zwar gemeinsam auf die im April einsetzende Wettkampf-Saison vor, hatten jedoch den für vergangenen Sonnabend geplanten Metallurgenlauf bereits eine knappe Woche vorher vorsorglich abgesagt. Laut dem Ehrenvorsitzenden des 1. Radsport- und Laufvereins Eisenhüttenstadt 02 Horst Mainz war alles bereits im Detail vorbereitet, Pokale und Preise stehen bereits, nur der Kuchen für den geplante Imbiss-Verkauf war noch nicht gebacken. "Bloß gut, dass wir bereits am Dienstag abgesagt haben. Ansonsten hätte wir es kurzfristig am Freitag oder Sonnabend machen müssen." Laut dem Vereinsvorsitzenden Daniel Klauk soll der Lauf im Herbst nachgeholt werden.

Im Gegensatz zu den Mannschaftssportlern haben es Individual-Athleten wie Läufer derzeit etwas leichter. Während beispielsweise sich die Brandenburgliga-Spieler des FC Eisenhüttenstadt laut Trainer Andreas Schmidt derzeit individuell für die vielleicht in zwei, drei Wochen fortgesetzte Saison fithalten, tun die meisten Läufer derzeit nichts anderes als sonst, größtenteils individuell trainieren. Wie sein Frankfurter Kollege rechnet auch Schmidt nicht mehr mit einem regulären Ausgang der Saison. "Wenn die Spiele bis Ostern abgesagt werden, hätten wir fünf, sechs Nachholspiele. Bereits am 14. Juni ist das letzte Saisonspiel, eine Woche später beginnen die Ferien.

Einnahmen gehen verloren

Einen solch tiefen Einschnitt hat der deutsche Amateursport seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebt. Für Veranstalter und Vereine könnte das auch tiefgreifende finanzielle Konsequenzen haben. Beispielsweise wie vor drei Jahren, als das Sturmtief Xavier so tobte, dass der Schlaubetalmarathon ausfiel, der Verein aber schon Aufwendungen hatte. Was passiert, wenn die Teilnehmer auf Rückzahlung ihrer Startgebühren pochen? Zudem fallen bei ausgefallenen Spielen den Vereinen und Gastronomen wichtige Einnahmequellen weg.

Mögliche Szenarien im Fußball-Sport

Der Spielbetrieb auf Landes- und Kreisebene ist bis zum 22. März ausgesetzt worden. Betroffen sind alle Partien im Nachwuchsbereich, bei den Männern, Frauen und bei den Senioren. Eine längere Pause ist nach derzeitigem Stand jedoch sehr wahrscheinlich.

Verbindliche Aussagen, wie es nach der Zwangspause weitergeht, gibt es derzeit nicht.

Gedankenspiele sind aber viele möglich. Folgende Szenarien sind unter anderem denkbar:

● Der Spielbetrieb wird ausgesetzt, bis die Coronavirus-Pandemie beendet ist. Ab diesem Moment werden alle ausgefallenen Spiele nachgeholt und die restliche durchgeführt. Die Rahmenpläne der folgenden Saison müssten dann jedoch gegebenenfalls angepasst werden. Hauptprobleme wären der Profifußball und die internationalen Großturniere, dem die anderen Ligen nachgeordnet sind.

● Die Saison wird abgebrochen und die aktuelle Tabelle (oder die nach Abschluss der Hinrunde) dient als Maßstab. Problem: Etliche Mannschaften würden Nachteile im Kampf um Meisterschaft oder Klassenerhalt geltend machen können.

● Die Saison wird abgebrochen. Mannschaften, die nach aktuellem Stand die Aufstiegsplätze einnehmen, rücken in die nächste Liga auf. Die Staffelstärken werden dementsprechend angepasst. Die höhere Anzahl der Punktspiele könnte durch eine Reform oder durch Streichung der Pokalwettbewerbe geregelt werden.

● Die Saison wird abgebrochen und alle Spiele werden annulliert. Die nächste Spielzeit beginnt dann mit der selben Ligenzusammensetzung wie für die Saison 2019/20. Es gibt keine Auf- und Absteiger.

Problem: Die Topteams werden um den Lohn gebracht, Teams, die sich durch Abstieg oder freiwilligen Rückzug Vorteile erhoffen, hätten die alten Sorgen. Vorteile allerdings hätten Mannschaften, die derzeit um den Ligaverbleib bangen müssen.

● Die Saison wird abgebrochen. In Relegationsturnieren fällt die Entscheidung über Auf- und Abstieg.

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