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Fußball
Daheim in Briesen allein lernen und trainieren

Hans Eberhard / 24.03.2020, 17:30 Uhr
Frankfurt (MOZ) Statt an der Sportschule für‘s Abi zu büffeln und sich im abendlichen Training auf die Sonnabend-Punktspiele vorzubereiten, schwitzen die jungen Frankfurter Fußballer wegen der Corona-Krise drinnen und draußen daheim – und allein. Sie machen Hausaufgaben für die Schule und arbeiten Trainingspläne ab: beim Laufen und Radfahren, bei Kraftübungen. Die große Freude kommt da nicht auf.

Eine ungewohnte, eine schwierige Situation auch für Marvin Benno Lähne. Der 19-jährige Männer-Torhüter des Brandenburgligisten 1. FC Frankfurt muss sich jedoch arrangieren, ins Unvermeidliche fügen. "Spaß macht das nicht, man will doch lieber spielen", sagt der 13-Klässler. Der Trainer hat der Mannschaft einige Empfehlungen in die weitgehende sportliche Isolation mitgegeben. Mit der Gruppe hält er ständig telefonischen Kontakt über WhatsApp. Wann wieder gekickt werden kann, weiß auch Jan Mutschler nicht. "Die Gesundheit geht vor. Sollte es im Mai wieder losgehen, hätten wir einen Riesenberg von Nachholspielen in kurzer Zeit, und das wäre auf unterer Ebene bei den Amateuren neben Job und Studium nicht zu schaffen." Also favorisiert er persönlich diese Variante: "Die Saison wird abgehakt, anulliert, ohne Auf- und Abstieg. Das wäre die sportlich fairste Lösung", glaubt der Coach.

Seine Nummer 1 bezeichnet Mutschler als "sehr gut vom fußballerischen her". Lähne ersetze voll den nach Berlin gewechselten Damian Schobert, könne sich vom guten Schlussmann zu einem sehr guten entwickeln. Er sei "ein menschlich und sportlich lieber Typ, manchmal noch ein bißchen verrückt". Und salopp: "‚Marv‘ ist ein schlampertes Genie." Damit kann der 1,87-Meter-Schlaks leben. "Ja, einiges nahm ich manchmal zu locker, war auch trainingsfaul", gibt er unumwunden zu. "Aber mit mehr Spaß wird man auch ernsthafter, man wird schließlich älter, reifer, lernt immer dazu."

Mit der Familie in Briesen

Geboren ist er in Frankfurt, wuchs aber in Briesen auf. Da wohnt und lebt er heute noch mit den Eltern. Vater Jan muss derzeit seinen Job als Außendienst-Gebietsleiter für Windenergie auch im Homeoffice bestreiten, Mutter Dorit ist Erzieherin in der Oderstadt. Der Tagesablauf des angehenden Abiturienten: Um 8 Uhr gemeinsames Frühstück, danach die erste Runde Radfahren und Schul-Hausaufgaben machen, nach dem Mittagessen Krafttraining und die zweite Runde Fahrrad. Zur Entspannung dann Play-Station.

Mit fünf Jahren begann er in Briesen zu kicken. In Frankfurt – zunächst beim Vorläufer FFC Viktoria – durchlief er als Feldspieler fast den gesamten Nachwuchs, spielte meist eine Altersklasse höher. Erst als B-Jugendlicher landete er zwischen den Pfosten. Sein erstes Männer-Spiel bestritt er als 18-Jähriger mit Bravour beim 5:0 am 3. Oktober 2018 in Falkensee. "Der Trainer hatte Vertrauen, und ich nutzte meine Chance". Mittlerweile hat Lähne 16 Vergleiche in der Brandenburgliga bestritten, zwei Partien sein drei Monate jüngerer Mitschüler Jorias Thurm. "Eine gesunde Konkurrenz, wir pushen uns gegenseitig." Sie sind zwei von sieben Athleten im Aufgebot, die jünger als 20 sind.

Zukunft ist ungewiss

Wie er am 6. April seinen 20. Geburtstag feiern kann – dickes Fragezeichen. "Da ist jetzt noch vieles ungewiss – auch, ob ich nach dem Abi ein Freiwilliges Soziales Jahr an der Sportschule machen kann. Erst einmal müssen wir alle die schlimme Zeit gesund überstehen, das ist wichtig."

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