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Fußball-Brandenburgliga
Leidenszeit für Frankfurter Fußballer

Justin Winkel stand in der Rückrunde in allen drei Partien auf dem Feld.
Justin Winkel stand in der Rückrunde in allen drei Partien auf dem Feld. © Foto: michael benk
Hans Eberhard / 08.05.2020, 18:30 Uhr - Aktualisiert 11.05.2020, 09:40
Frankfurt (MOZ) Kaum war die anderthalbjährige Leidenszeit nach Kreuzbandriss vorbei, da erwischte ihn der nächste Schicksalsschlag: die Corona-Krise. Justin Winkel muss es gelassen nehmen. "Da kann man eben nicht gemeinsam trainieren und spielen, sonst spielt man mit der eigenen und der Gesundheit der anderen",  sagt der Verteidiger des 1. FC Frankfurt. Stattdessen Lauf- und Krafttraining allein zu Haus. Gespielt wird zur Abwechslung doch: Play-Station an der Konsole mit Torhüter Marvin Benno Lähne.

Fußballerisch vorbelastet ist der 22-jährige Justin Winkel. Opa Heinz (84) kickte einst für Einheit und Dynamo, Vater Maik (54) bis zur Nachwuchs-Oberliga für den FC Vorwärts. Beide hatten den Jungen oft an die Hand genommen zu Spielen und sind immer noch Tribünen-Stammgäste beim 1. FCF. "Als Fünfjähriger hatte Justin in Fürstenberg sein erstes Turnier unter Mini-Trainer Roland Merting", erinnert sich Maik Winkel. "Da aber wuselte er noch rum wie Falschgeld", amüsiert sich der Vater und Sportschul-Trainer.

Abstecher nach Sachsen

Geboren in Frankfurt, aufgewachsen in Rosengarten – Justin durchlief bei Viktoria und FCF alle Stationen bis zur A-Jugend (Regionalliga), wechselte 2016 zum FSV Zwickau, spielte nach einer kurzen Vorbereitung in Plauen dann eine Serie beim Reichenbacher FC (Sachsenliga). Seit Juli 2018 ist er wieder Frankfurter, hatte allerdings lange mit einem Handicap zu kämpfen. "Berliner Ärzte diagnostizierten einen Bänderanriss im rechten Knie, aber die Schmerzen hörten nicht auf. Erst ein späteres MRT brachte Gewissheit: Kreuzbandriss." Der entsteht meist ohne Fremdeinwirkung durch plötzliche Richtungswechsel beim Laufen oder Springen. Statistiken besagen, dass auch unter deutschen Sportlern die Fußballer davon am stärksten betroffen sind.

Die Verletzung setzte den Zehntklässler der Sportschule, der jetzt sein zweites Azubi-Jahr bei der Sparkasse absolviert, lange außer Gefecht. "Im Fitness-Studio und mit Physiotherapeut Martin Müller habe ich behutsam an Stabilitätsgewinn arbeiten müssen, obwohl es in den Beinen öfter juckte", urteilt der Fußballer. Sein Vater Maik erklärt: "Das war ärgerlich, aber Justin musste sich diese Zeit nehmen, denn ein zweiter Kreuzbandriss bedeutet eben das Ende für das Hobby, für den Fußball."

Nach fünf Aufbau-Spielen in der Kreisoberliga Ende 2019 durfte er in der Brandenburgliga-Rückrunde dreimal auf den Rasen – endlich. Den Viertelstunden-Auftritten in Oranienburg (2:0) und gegen Werder (6:1) folgte der erste 90-Minuten-Einsatz in Eberswalde. "Wir lagen zur Halbzeit 0:2 zurück, gewannen am Ende noch 4:3", erinnert er sich. Mitte März kam das Covid-19-Stoppzeichen für alle 22 eingesetzten Spieler der "Ersten" – darunter 14, die unter 22 Jahre jung sind.

Der Dunkelblonde weiß, dass er sich im Kampf um einen Stammplatz ordentlich strecken muss. Die Abwehr-Konkurrenz im Verein ist stark: Kapitän Erik Huwe, Sebastian Lawrenz, Lukas Guttke, Lars Wiedenhöft, Hendrik Haack oder Routinier und Allrounder Tobias Fiebig. "Die alte Saison ist wegen Corona wahrscheinlich jetzt schon vollständig abgehakt", schätzt er ein. "In der neuen Spielzeit will ich angreifen, Fuß fassen. Ich will verlorene Zeit aufholen, trainiere viel allein. Aber ich werde noch einige Geduld aufbringen müssen." Und mit Lukas Guttke, der nach Verletzung auch erst zu drei Einsätzen kam, traf er sich "nach Lust und Laune" zusätzlich beim Boxtraining – erst beim ESV, zuletzt beim Boxring Eintracht. Einen Kleingarten, 470 Quadratmeter groß, hat er sich hinter dem Messegelände auch zugelegt. "Zum Entspannen, zum Grillen mit Freunden, wenn‘s der Virus erlaubt."

Trainer Jan Mutschler (37) bestärkt seinen Schützling. "Justin ist kommunikativ, kann zuhören, belebt die Konkurrenz. Ein ruhiger, bodenständiger Typ, verlässlich. Er kann eine feste Größe werden, hat die Fähigkeit und den Willen, Stammspieler zu werden. Wir bauen auf ihn, er ist ein junger Mann der Zukunft."

Lobende Worte für den Trainer

Winkel kann das unterstreichen. Und er findet, dass der Coach die Sprache der Spieler spricht und deutliche Ansagen macht. "Bei ihm weiß man, woran man ist. Er sagt beispielsweise klipp und klar, warum man nur auf der Bank sitzt und nicht spielt, weil es an der Fitness, am körperlichen Einsatz oder an Trainingsintensität mangelt."

Der künftige Bankkaufmann hat festgestellt, dass sich die Kollegen der Sparkasse Oder-Spree mit ihren Filialen für Fußball interessieren. So verwunderlich ist das nicht, zumal man sich ja selbst dem vielseitigen Breiten- und Betriebssport verschrieben hat. "Die Sparkasse ist als Sponsor ja auch ein Premium-Partner unseres Vereins", weiß der junge Winkel.

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