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Fußball
Skepsis beim FC Lok Frankfurt

Alexander Mikulin ist seit der Saison 2016/17 Trainer beim FC Lokomotive. Der 34-Jährige spielte zuvor unter anderem für Union Booßen, Blau-Weiß Briesen und den 1. FC Frankfurt.
Alexander Mikulin ist seit der Saison 2016/17 Trainer beim FC Lokomotive. Der 34-Jährige spielte zuvor unter anderem für Union Booßen, Blau-Weiß Briesen und den 1. FC Frankfurt. © Foto: michael benk
Hubertus Rößler / 08.05.2020, 18:26 Uhr
Frankfurt (MOZ) Während demnächst in der Fußball-Bundesliga wieder der Ball rollen soll, steht bei den Amateurklassen bis auf Weiteres alles still. Wie der FC Lokomotive Frankfurt mit der Situation umgeht, berichten der Vereinsvorsitzende Rolf Offermann und Alexander Mikulin, Trainer der Ersten Männermannschaft. Diese tritt nach dem Aufstieg 2019 in dieser Saison erstmals in der Kreisoberliga an und steht dort auf einem guten 9. Platz.

Herr Offermann, wie geht der Verein mit der aktuellen Situation um?

Rolf Offermann: Die Trainer und der Vorstand halten über eine Whats-App-Gruppe Kontakt mit den aktiven Spielern und den Eltern des Nachwuchses. Vieles findet derzeit nur telefonisch statt. Der FC Lok hat jetzt neben der Homepage und dem Facebook-Auftritt eine eigene App. Die Ungewissheit, wann wieder Trainings- und Spielbetrieb stattfinden kann, ist natürlich groß. Auf dem Vereinsgelände sind wir maximal mit zwei Leuten unter Wahrung des Abstandsgebotes gleichzeitig anwesend, am häufigsten die Platzwarte. Die Zeit wird auch für Schönheitsarbeiten genutzt.

Was bedeutet die Zwangspause in wirtschaftlicher Hinsicht für den Verein?

Mitte April fand die seit November letzten Jahres geplante Sanierung des Lok-Platzes durch eine Sportplatzfirma statt. Wir hätten nur unter der Gefahr von Schadensersatz stornieren können. Mindestens bis zum 31. Juli soll der Platz Ruhe haben. Ehrenamtlich wird nun täglich gewässert, auch am Wochenende. Immerhin mussten wir aufgrund der Lage bisher keine Plätze für Training und Spiele kostenpflichtig mieten. Abgesehen davon wurde für Geisterspiele ein Spendenportal mit überraschend guter Resonanz eingerichtet. Die Fixkosten im Vereinsheim und sämtliche Pflegekosten auf dem Hauptplatz laufen jedoch weiter, unsere Anlage hat fast 13 000 Quadratmeter.

Wir zahlen auch – entgegen eines Hinweises des Landessportbundes – Arbeitseinheiten an Übungsleiter, die derzeit von zu Hause aus Training organisieren. Auch wurden Fördermittelanträge bei Stadt und Land bis zum 31. März gestellt. Beträchtliche Schiedsrichter-Kosten fallen derzeit weg, aber auch die diese weit übersteigenden Einnahmen an Spieltagen. Einige Austritte, vorrangig im Nachwuchsbereich, zum 30. Juni liegen auch schon vor. Die Beitragssituation ist (noch) zufriedenstellend. Wir üben uns in Geduld, wenn jemand uns um Aufschub duldet. Der größte Teil der Mitglieder zeigt sich solidarisch.

Wirtschaftliche Unsicherheit gibt es bei unseren Sponsoren. Da könnte manches wegbrechen, die Firmen haben andere Sorgen als nun Vereine zu sponsern. Etwas enttäuscht sind wir, dass der Fußball-Landesverband und der DFB ganz schnell gesagt haben, sie können die Breitensportvereine finanziell auf keinen Fall unterstützen. Der LSB bietet wenigstens für existenziell gefährdete Vereine Hilfe an.

Wie steht der Verein zu einem Abbruch/einer Fortsetzung der Saison?

Wir sind sehr skeptisch, ob die Saison 2019/20 fortgesetzt werden kann. Schon rein terminlich nicht, weil am 30. Juni definitiv Schluss sein soll. Unsere Erste zum Beispiel hätte noch 13 Spiele zu absolvieren, das würde nur noch englische Wochen bedeuten. Und auch mit Blick auf die Eindämmungsverordnung, insbesondere das Abstandsgebot (Umkleideräume, Zuschauer, Zweikämpfe), rechnen wir mit einem Abbruch der Saison und mit einem verspäteten Beginn der Saison 2020/21.

Herr Mikulin, wie schätzen Sie als Trainer die Stimmung in der Mannschaft ein?

Alexander Mikulin: Die Stimmung ist unter den aktuellen Umständen schon okay. Auch, wenn den meisten Spielern die Decke auf den Kopf fällt. Uns allen ist der Ernst der Lage bewusst. Dennoch können wir es nicht erwarten, wieder unserer Leidenschaft nachzugehen und auf dem Platz zu stehen.

Gibt es einen Plan für individuelles Training?

Ich habe zu Beginn die Idee gehabt, ein regelmäßiges Workout über Skype zu nutzen. Leider war die Resonanz gering. Ein Trainingsplan zur Orientierung wurde dennoch vorgeschlagen, kontrollieren tu ich es nicht. Ich weiß aber, dass ein großer Teil der Mannschaft fleißig ist.

Gibt es bereits Pläne für die neue Saison/Gespräche mit neuen Spielern etc?

Es gibt Pläne und wir führen natürlich auch Gespräche trotz Ungewissheit. Wir werden nicht unvorbereitet in die neue Saison gehen.

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