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Schifffahrt
Saisonstart trotz Unsicherheit - Grünheider Reederei Kutzker sticht in See

Noch immer an Land: Der Grünheider Reeder Michael Kutzker bereitet sich auf den ersehnten Saisonstart vor. Die "Mosel" soll am 25. Mai als erstes Schiff für die Müggelseerunde ablegen.
Noch immer an Land: Der Grünheider Reeder Michael Kutzker bereitet sich auf den ersehnten Saisonstart vor. Die "Mosel" soll am 25. Mai als erstes Schiff für die Müggelseerunde ablegen. © Foto: Anke Beißer
Anke Beißer / 22.05.2020, 17:34 Uhr - Aktualisiert 22.05.2020, 21:00
Grünheide (MOZ) Statt zum weißen Hemd greift Michael Kutzker dieser Tage noch immer zum Blaumann. Der Schiffsführer chauffiert weder Urlauber noch Ausflügler und Gesellschaften über die Seen, Flüsse und Kanäle. Der Grünheider schwingt weiter den Pinsel, erledigt Arbeiten an "Mosel", "Spree", "Elbe", "Donau" und "Löcknitz", die weniger dringlich waren und bis Ostern nicht fertig geworden sind.

Erst ab Montag darf seine Flotte, die derzeit am Ufer des Peetzsees vor Anker liegt, wieder Passagiere an Bord nehmen. Aber noch immer gibt es mehr Fragen als Antworten für ihn und sein Geschäft. Der Austausch mit anderen Reedern ist nur begrenzt hilfreich, oft unterscheiden sich Regelungen nicht nur zwischen den Bundesländern, sondern sogar zwischen Landkreisen. Kutzker nennt ein Beispiel. "In Brandenburg gehört unsere Branche  zu den touristischen Angeboten, in Mecklenburg-Vorpommern zur Gastronomie und in Berlin zu den Verkehrsmitteln." Er beklagt, dass es von behördlicher Seite keine maßgeschneiderten Informationen  gibt. "Ich weiß nur, dass bei Nichteinhaltung der Regeln 25 000 Euro Strafe drohen."

Passagiere bekommen Imbiss

Am Montag will der Schiffsführer mit der Müggelseerunde ab Friedrichshagen beginnen. Dafür werde die "Mosel" genutzt, eines der großen Motorschiffe. Sie hat eine Kapazität von 100 Außen- und maximal 94 Innenplätzen. Der Reeder rechnet damit, 50 bis 60 Gäste aufnehmen zu können, um die Abstandsregel einzuhalten. "Aber mal heißt es, dass die 1,5 Meter zwischen Tischen gelten und mal zwischen Stuhllehnen", sagt er kopfschüttelnd. Ab Pfingstsonnabend sollen zudem die "Elbe" und die "Spree" wieder zwischen Grünheide und Köpenick verkehren.

Zu bisher ungeklärten Fragen gehöre die der Masken-Pflicht. Gelte sie, sei fraglich, ob der Imbiss an Bord erlaubt ist. Bei dem Beispiel kommen die Länder erneut ins Spiel. "Berlin sagt, die Schiffe sind Verkehrsmittel, das würde Maskenpflicht bedeuten; in Brandenburg als touristisches Angebot nicht. Fahre ich über den Dämeritzsee, durch den in der Mitte die Landesgrenze führt, darf die eine Seite essen und trinken, die andere nicht?" Laut Kutzker gebe es zudem Ungewissheit, ob Namenslisten geführt werden müssen, die vorneweg das Ausfüllen einer Datenschutzerklärungen bedürfen würden.

Auch am Freitag waren noch etliche Fragen offen. Doch Kutzker hat entschieden: "Essen gibt es. Wir besetzen nur jeden zweiten Tisch – und das notfalls nur mit zwei Personen." Kreissprecher Mario Behnke verweist darauf, dass der Gesetzgeber keine konkreten Vorgaben gemacht hat, wie die Corona-Regelungen bei Schiffsausflügen umzusetzen sind. Zentraler Punkt sei aber wie überall die Einhaltung des Mindestabstandes zwischen Personen verschiedener Haushalte. Der Abstand zwischen Stuhllehnen und Tischen sei unerheblich. Zudem empfehle die Kreisverwaltung, die Kontakterfassung von Gästen "auch in Restaurants oder auf Ausflugsschiffen anzuwenden". Beim Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung verweist Behnke auf eine Mitteilung des Landes. Demnach wird das Tragen empfohlen, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Auf Schiffen könne dies beim Ein- und Aussteigen oder bei Begegnungsverkehr auf Gängen sein. "Schiffsunternehmen machen sicher nichts verkehrt, wenn sie ihre Gäste zum Mitbringen einer Alltagsmaske auffordern, die situationsabhängig zu tragen ist."

Neben all diesen Fragen treibt Kutzker die Sorge um den Bestand seiner 1910 gegründeten Reederei um. Die Situation sei existenzbedrohend. Wichtige Einnahmetage seien tatenlos verstrichen – Ostern samt Ferien, 1. Mai, Muttertag, Himmelfahrt. "Die Sonderfahrten zum Heimatfest und zum Köpenicker Sommer fallen ebenfalls weg." Kutzker rechnet bisher mit Umsatzeinbußen in Höhe von bis zu 200 000 Euro. Und wie das Angebot künftig angenommen wird, sei kaum prognostizierbar. "Macht das Ablegen überhaupt Sinn?", schaut Kutzker wie so viele in eine sehr ungewisse Zukunft.

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