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Fußball
Der Neue bei Lok Frankfurt hat sich gut eingefügt

Eberhard Fehland / 26.05.2020, 06:30 Uhr
Frankfurt (MOZ) Kaum war er da, machte ihn der Trainer zum Kapitän. Alexander Mikulin nennt den Grund: "Schon bei seinem alten Verein Blau-Weiß Groß Lindow war Raul Michael teilweise Mannschaftsführer, wurde sehr geschätzt. Unsere junge Truppe braucht solche Persönlichkeiten, deshalb fiel mir die Entscheidung leicht." Mikulin nennt weitere Stärken des 27-jährigen Gambashidze: "Das Eins-gegen-eins-Zweikampfverhalten, seine Dynamik, Athletik und Torgefahr. Und ich schätze seine Ehrlichkeit, seine Gier nach Erfolg."

Der immer kritische Trainer, beruflich Berater im Online-Marketing, sieht aber auch noch Schwächen, "die in der Mentalität liegen. Er ist clever, überlegt aber in bestimmten Situationen zu lange, ‚zerdenkt‘ sie förmlich".

"Gamba", wie ihn Freunde und Mitspieler nur nennen, ist gebürtiger Frankfurter, begann alsRinger, "um dem älteren Bruder Irakli nachzueifern". Allerdings: "Fußball lag mir dann aber doch mehr." In der Jugend kickte er beim FFC Viktoria, musste jedoch mit Knieproblemen passen. Mit 18 Jahren sammelte er beim FC Union erste Erfahrungen im Männerbereich, damals in der Landesklasse. Immer mal wieder wurde er durch eine Patellaluxation (Schmerzen im Bereich der Kniescheibe) ausgebremst, die 2017 in eine OP mündete. Zu einem neuen Anlauf überzeugte ihn sein Schwiegervater in spè, Wolfgang Stauffer, der 2014 das Traineramt in Groß Lindow übernahm. "Da hatte ich sehr viel Spaß und auch ein wenig Ärger mit den Kameraden, die ich herzlich grüßen möchte", sagt Gamba lachend.

7 Tore, 14 Vorlagen

Nach dem Abstieg der Spielgemeinschaft Blau-Weiß Groß Lindow/Turbine Finkenheerd in die Kreisliga wechselte Gambashidze im Sommer 2019 zu Kreisoberliga-Aufsteiger Lok. "Das war eine echte, eine neue sportliche Herausforderung", betont der 1,78 Meter große und 76 Kilo wiegende Offensivakteur. Er fand sofort seinen Platz in "einer extrem jungen, erfolgshungrigen Mannschaft". Zuvor habe es "intensive, überzeugende Gespräche mit dem Trainer gegeben". Bis zum vorzeitigen Saisonabbruch erzielte der Neuzugang in 16 Spielen sieben Treffer und glänzte 14-mal als Vorlagengeber. Für die Groß Lindower war der Torjäger zuletzt 21-mal erfolgreich.

Die Situation des Aufsteigers als Tabellenneunter sieht der Lok-Stürmer so: "Wir sind sehr gut in die Saison gestartet, haben jedoch im Verlauf auch viel Lehrgeld gezahlt, bedingt durch die Unerfahrenheit der sehr jungen Mannschaft und einiges Verletzungspech. Insgesamt bin ich mit dem Abschneiden aber zufrieden. Der vorzeitige Abbruch der Saison freut natürlich niemanden."

Ausbildung vor dem Abschluss

Die Corona-Zwangspause habe ihn "um ehrlich zu sein, nicht hart getroffen". Der Grund: Zum Zeitpunkt des Lockdowns im März befand sich Gamba gerade in der Prüfungsphase, mittlerweile steht er kurz vor dem Abschluss zum Sozialversicherungs-Fachangestellten. "Und ich hatte endlich mal wieder Zeit, kleinere Verletzungen auszukurieren und an Mobilität, Stabilität und Kraft zu arbeiten. Dazu nutze ich übrigens die App B42, entwickelt für fußballspezifische Workouts, die ich jedem Spieler nur ans Herz legen kann."

Wie der Name vermuten lässt: Gambashidze hat georgisch-armenische Wurzeln. "Ich bin aber der Erste aus der Familie, der hier geboren wurde. Den Vornamen Raul habe ich quasi vom Opa geerbt. Meine Eltern und die zwei älteren Brüder sind mittlerweile nach Berlin gezogen."

Die für einen Stürmer eher ungewöhnliche Trikotnummer 12 hat er bei Lok "ehrenhalber" bekommen. Sein Großvater mütterlicherseits, Sergej Apresjan aus der damaligen georgischen Sowjetrepublik, war in den 1960-er Jahren ein bekannter Fußballer bei Dynamo und Lok Tbilisi, Spartak Moskau und Dynamo Batumi, später auch Trainer. Er wurde nur 52 Jahre alt, wäre Ende Juni 80 geworden. Und trug immer die Nummer 12.

Als engste Freunde bei Lok bezeichnet Raul Michael den 20-jährigen Sascha Witt sowie die ein Jahr jüngeren Derenik Mayilyan und Erik Schickert, beide 2018 von der A-Jugend des 1. FC Frankfurt zur Lokomotive gestoßen. Mayilyan steht als zweiter Torjäger immerhin bei elf Treffern. Der Kapitän sieht "Dere" eher als Partner denn als Konkurrenten. "Uns verbinden teilweise gemeinsame Wurzeln, daher verstehen wir uns sehr gut, das ist schon wie ein brüderliches Verhältnis."

"Gambashidze und Mayilyan sind ganz wichtige Spieler, die den Unterschied in einer Partie ausmachen können", weiß Alexander Mikulin. "Sie sind trainingsfleißig, zeigen stets eine gewisse Leidenschaft für ihr Hobby Fußball – das beeindruckt mich. Jede Mannschaft profitiert sportlich und vor allem menschlich von solchen Typen. Ich hoffe, sie bleiben Lok lange erhalten."

Übrigens: Auch der scheidende Trainer (siehe Infokasten) hat Vorfahren in der einstigen UdSSR. "Ja, meine Familie väterlicherseits kommt aus der ehemaligen Sowjetunion. Daher der Name. Mit dem Triebwerkskonstrukteur gleichen Namens sind wir aber nicht verwandt. In jedem Sommer versuchen wir, in Minsk Urlaub zu machen."

Trainer zieht sich zurück

Einen Tag vor seinem 35. Geburtstag hat Trainer Alexander Mikulinbekanntgegeben, dass er seine Tätigkeit bei Lok Frankfurt "aus gesundheitlichen Gründen auf unbestimmte Zeit" einstellt. Nach zwei Aufstiegen und einer Meisterschaft binnen vier Jahren ist damit vorerst Schluss für den B-Lizenz-Inhaber beim Neuling der Ostbrandenburgliga. "Die Entscheidung ist mir alles andere als leicht gefallen. Die Arbeit mit der Mannschaft und dem Vorstandschätze ich sehr und sie wird mirfehlen", sagt Mikulin.Nachfolger wird Denny Gewitz, Trainer der zweiten Mannschaft und Jugendleiter. Nach dem Abbruch der Saison kann Lok II als Spitzenreiter der Kreisklasse Süd noch über den Aufstieg in die Kreisliga entscheiden.⇥he

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