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Corona
Wie Menschen mit Beeinträchtigung in Frankfurt (Oder) die Krise meistern

Jan-Henrik Hnida / 28.05.2020, 06:30 Uhr - Aktualisiert 28.05.2020, 09:10
Frankfurt (Oder) (MOZ) Ein bisschen vermisse ich die Arbeit schon. Aber Spazieren gehen, die Balkon-Disko und Grillen sind auch gut", erzählt Christoph Härtel, der in der Wichern-Wohnstätte "Alfred-Blochwitz-Haus" lebt. Normalerweise setzt er in den Gronenfelder Werkstätten Festplatten-Halterungen im PC zusammen.  Ein riesiges Wollknäuel liegt derweil in der Gemeinschaftsküche vor Ines Feierabend. "Das wird einmal ein Schal", sagt die Wichern-Bewohnerin. Als die Ladenwerkstatt in der Berliner Straße noch geöffnet war, fertigte Feierabend Wäscheklammern an oder schnitt Stoffe für Kleidung zu.

"Bisher gibt es noch keine Anzeichen für eine Wiedereröffnung unserer Werkstätten", sagt Wohnstättenleiterin Lisa Breitkopf. Die Gronenfelder Werkstätten der Wichern-Diakonie bieten berufliche und soziale Rehabilitation für Menschen mit Behinderungen an. Doch seit Mitte März sind die Räume wegen der Eindämmungsverordnung geschlossen. In den Werkstätten, der Wäscherei, dem Tierpark, der Wichern-Küche oder der Ladenwerkstatt arbeiten 500 Menschen mit geistigen und psychischen Beeinträchtigungen.

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Als die Anordnung kam, die Werkstätten zu schließen, musste schnell gehandelt werden, berichtet Sabrina Nielen von der Öffentlichkeitsarbeit bei Wichern. "Ein Teil der Bewohner wurde in die Häuslichkeit geschickt, ein Teil wurde intensiver betreut", erklärt sie. Die Arbeit in den Werkstätten gab vielen Bewohnern eine Tagesstruktur. Jetzt musste der Alltag ohne Arbeit mit Unterstützung der Betreuer neu geregelt werden. Ideen wurden entwickelt, neue Beschäftigungen  angeboten: Ein Tischler baute im Garten mit Bewohnern Sommermöbel aus Paletten. Auch Kochkurse, Basteln, Spiele oder Gartenarbeiten wurden rege angenommen, so Nielen.

Viel gebastelt wird auch im Gemeinschaftsraum der Wohnstätte "Ekkehard Berhold" der Lebenshilfe. Ob eine Hakenleiste für Schlüssel, Sternzeichen aus Holz oder eine Blumenbank – alles selbstgemacht und liebevoll von den 31 Bewohnern gestaltet. "Ein Teil lebt seit zweieinhalb Monaten zu Hause – eine Nagelprobe für Klienten und Angehörige", sagt Leiterin Ines Crummenerl.

Zusätzliche Betreuung

Viele vermissen die Gesellschaft, ihre Freunde in der Wohnstätte  – oder die Arbeit in den Werkstätten. "Seit der Schließung haben wir ein hausinternes Programm, täglich von 9 bis 15 Uhr", erläutert die Leiterin. Sport, Tanzen, Zeitungsschau, Gespräche oder nun wieder Café-Besuche – für den erhöhten Betreuungsaufwand mussten zusätzliche Mitarbeiter aus anderen Bereichen aushelfen. Sport im Innenhof und pädagogische Angebote gab es auch für die Familien in "begleiteter Elternschaft" der Lebenshilfe.  "Gerade die 1,50 Meter Abstand waren anfangs für viele unserer Bewohner schwer zu verstehen", sagt Fachbereichsleiterin Ronni Haase. Deshalb wurden die Corona-Regeln in einfacher Sprache ausgehängt – "Oft Hände waschen" und "Andere Leute nicht anhusten".

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