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Fußball
Markendorfer Routine und Unbekümmertheit

Eberhard Fehland / 05.06.2020, 05:30 Uhr
Frankfurt (MOZ) Vom Alter und damit auch von der (Lebens-)Erfahrung her sind sie sehr unterschiedlich, doch eines verbindet den 31-jährigen Alexander Bernwald und den elf Jahre jüngeren Jason Hintze: die Liebe zum Fußball und die gute Ausbildung an der Sportschule. Gemeinsam zeigen sie dies bei Blau-Weiss Markendorf, wo man große Stücke auf die Beiden hält.

Bernwald hat schon einiges erlebt, Jugend-Bundesliga, Oberliga, Brandenburg- und Kreisoberliga gespielt – seit Januar ist der Mittelfeldakteur wieder zurück in Markendorf. Sportschüler Hintze, gerade 20 geworden, hat in der Jugend alle Stationen beim 1. FCF durchlaufen und ist seit zwei Jahren Außenverteidiger bei den Blau-Weißen in der Landesklasse Ost.

Der gebürtige Kirgise Alexander Bernwald war 1993 als gerade mal Fünfjähriger mit den Eltern und Großeltern als sogenannter Wolgadeutscher in der Bundesrepublik angekommen. Unter Uwe Langanke begann er bei Preußen Frankfurt mit dem Fußball, später spielte er unter anderem mit Marcel Hadel, Henry Haufe und Christian Hanne beim FFC Viktoria. Bei einem B-Jugend-Turnier in Duisburg muss er in der Brandenburger Landesauswahl eine gute Figur abgegeben haben – der FC Erzgebirge Aue holte ihn. Aber nach zwei Jahren zog es den Sportschüler zurück an die Oder, zu den Eltern.

Mit dem Abi in der Tasche erlebte der Youngster seine Männer-Premiere in der Brandenburg-Liga unter Trainer Klaus-Dieter Helbig. Es folgten ein Abstecher zum FC Anker Wismar und nach dessen Oberliga-Abstieg in der Hinrunde der Saison 2013/14 sieben Mehr-oder-weniger-Kurzeinsätze für den FSV Union Fürstenwalde in der 5. Liga.

Andere Prioritäten

Dann aber ging es wieder zurück an die Oder und zum Jugendverein, der seit der Fusion von Viktoria und MSV Eintracht 2012 nunmehr 1. FC Frankfurt hieß. Doch nach dem Oberliga-Aufstieg kam Bernwald nur noch sporadisch zum Einsatz. "Ich hatte andere Prioritäten gesetzt, den Fokus mehr aufs Private gerichtet, und so musste ich mir von Trainer Frieder Andrich einige Fitnessprobleme ankreiden lassen."

Jan Mutschler, langjähriger Freund und damals mit Denny Danowski Coach in Markendorf, lotste ihn in den Frankfurter Vorort. "In dem familiären Umfeld habe ich mich sehr wohl gefühlt." Als Mutschler im Sommer 2018 Cheftrainer beim FCF wurde, nahm er Bernwald praktisch mit zum Brandenburgligisten. "Das war ein Experiment", sagt dieser heute. "Viermal in der Woche Training schaffte ich nicht, also hatte ich nicht die Form, die Fitness fehlte", schätzt er selbstkritisch ein. Zumal die Oderstädter gute Leute auf den Positionen hatten und haben, die der dynamische Offensivspieler selbst gern besetzt hätte: Paul Karaszewski etwa, und Mike Frühauf.

Der Hausbau forderte den Angestellten beim Stromversorger  E.dis zusätzlich, ebenso das nebenberufliche BWL-Studium. "Man will und muss sich jobmäßig ja weiterentwickeln", begründet Alexander Bernwald. Nur drei Einsätze für die Zweite in der Kreisoberliga in mehr als einem Jahr konnten indes niemanden zufrieden stellen.

Mit 71 Kilo so fit wie nie

So ganz lassen vom Fußball kann und will er doch nicht – noch nicht. Deshalb kam die Danowski-Anfrage beim Briesener Hallenturnier im Winter 2019 gerade recht. "Ich will es mir noch einmal beweisen und Spaß haben", sagt Bernwald. Die Vorbereitung auf die Rückrunde und zwei Spiele absolvierte der 31-Jährige für die Markendorfer, ehe Corona die Saison vorzeitig beendete. An seiner Fitness hat der 1,78 Meter große Fußballer, der die Kugel mit dem rechten wie mit dem linken Fuß treiben kann, indes stramm gearbeitet, mit einem speziellen Programm auch in Sachen Ernährung. "Ich habe seit Oktober 25 Kilo abgenommen, wiege nur noch 71", sagt er nicht ohne Stolz. Und fast euphorisch: "Ich bin fit wie ein Turnschuh, so fit wie nie."

Danowski freut‘s. "Alex passt menschlich wie sportlich in jedes Team, er ist in letzter Zeit wieder laufstärker geworden. Als Routinier nimmt er die Jüngeren an die Hand, ist von hinten heraus der Spielgestalter im Mittelfeld." Mutschler lobt: "Er ist bodenständfig, familiär, beileibe kein Auslaufmodell. Er setzt jetzt nur andere Prioritäten." Und Jason Hintze bringt noch einen anderen Charakterzug ins Spiel: "Alex ist ein Mannschaftstyp, der immer gute Laune verbreitet."

Bernwald ist besonnener im Denken und Tun geworden, wie er selbst einschätzt. Dennoch bleibt er ruhelos. Neben Job, Studium und Training steht mittlerweile sein fertiges Haus im tiefsten Westen Frankfurts. Aber rundherum auf den 1000 Quadratmetern Grün ist Kreativität gefragt, wartet noch viel Arbeit ...

Bis zur D-Jugend im Tor

Jason Hintze, der gerade seinen 20. Geburtstag nur im kleinen Kreis der Familie und mit Freundin Celine feiern konnte, ist so groß wie Bernwald, bringt aber stolze 86 Kilo auf die Waage. "Einer, der mit seiner Körperlichkeit ins Auge sticht", urteilt sein erfahrener Mitspieler. "Jason ist stabil und kampfstark, gut ausgebildet und auf einem guten Weg." Beide machen sie die Mischung bei Blau-Weiss aus: Jugendliche Frische und Entwicklungswillen gepaart mit Erfahrung, Strategie und Taktik.

Der junge Außenverteidiger war über seinen Vater Heiko – mit Maik Hauke jetzt Trainer der F-Junioren des 1. FCF – zum Fußball gekommen, hatte bis zur D-Jugend immer im Tor gestanden. Zum "Riesen" aber wuchs der Zwölftklässler der Sportschule nicht. Seine Trainer waren unter anderem Sebastian Henning, Michel Rieckmann, Frank Grundmann und natürlich Jugendleiter Mathias König in der B-Jugend-Regionalliga. Sein größtes Erlebnis war der Fußball-Workshop vor rund fünf Jahren in Barcelona. "Die internationale Atmosphäre war toll."

Nach etwas "Stress in der A-Jugend" wechselte der Dunkelblonde mit dem Oberlippenflaum zu den Blau-Weißen, spielte sich als 18-Jähriger gleich in die Stammelf. 23 Einsätze standen für den Defensivmann in der vergangenen Saison zu Buche, und zwei Tore: per Freistoß und per Elfmeter.

"Ein junger, ehrgeiziger Mann der Zukunft, ein Musterbeispiel für Blau-Weiss Markendorf", urteilt Trainer Denny Danowski. "Jason ist ein ruhiger, neugieriger Bursche, der einen gewissen Schlendrian überwunden hat und auf dem Platz explodieren kann. In den Punktspielen erreicht er allerdings noch nicht die Qualität wie beim fleißigen Training." Entwicklungspotenzial ist also da.

Und was sagt Hintze selbst? "Wir wollen in der kommenden Saison im oberen Drittel mitspielen. Und ein Aufstieg in die Landesliga wäre mein Traum." Die Mannschaft mit dem zuverlässigen Torhüter Piotr Dmuchowski habe das Zeug dazu. Derzeit allerdings dürfen die polnischen Mitspieler nicht über die Grenze zum "kontaktfreien Schnuppertraining" kommen.

Gartenarbeit statt Training

Corona hat auch Jason Hintze zugesetzt. "Nach zwei Wochen fehlte was, ein Monat ohne Fußball war schon hart." Hilfe im Garten der Eltern war nicht der richtige Ersatz für das Training oder einfach nur für das Quatschen mit den Sportkameraden.

Nach dem Fach-Abitur mit den Leistungskursen Sporttheorie und Deutsch möchte er sein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Lebenshilfe absolvieren und danach in Richtung Pädagogik/Erzieher starten.

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