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Hauptfriedhof
Diebe stören regelmäßig letzte Ruhe in Frankfurt (Oder)

Grabschmuck und Blumen werden regelmäßig von Gräbern des Hauptfriedhofs in Frankfurt (Oder) gestohlen. Angehörige sind ratlos.
Grabschmuck und Blumen werden regelmäßig von Gräbern des Hauptfriedhofs in Frankfurt (Oder) gestohlen. Angehörige sind ratlos. © Foto: Jan-Henrik Hnida
Jan-Henrik Hnida / 05.06.2020, 06:00 Uhr - Aktualisiert 05.06.2020, 16:33
Frankfurt (Oder) (MOZ) Wo bis vor Kurzem eine Reihe von Goldmarie-Blumen am Grabstein standen, sind nun nur noch sechs Löcher zu sehen.  Anna Schmidt (Name geändert) ist außer sich. "Wer macht so etwas? Die frisch gepflanzten Blumen vom Grab unserer Oma und Tante wurden geklaut. Respektlos und einfach nur widerlich", findet sie.

Ähnliche Erfahrungen machten auch andere Angehörige, wie in Frankfurter Facebook-Gruppen zu lesen ist. "War gerade auf dem Friedhof. Vorige Woche eine neue Laterne hingestellt, schon wieder geklaut. Wie asozial ist das denn?", beschwert sich eine Frau. Jemand anderes schreibt: "Uns haben sie eine ganz schwere Bodenplatte und eine große Blumenschale aus Beton geklaut, kaum dass wir es hingestellt hatten." Sie stelle schon nichts mehr auf das Grab ihres Vaters, sagt eine weitere Frankfurterin. Selbst gravierte Dinge seien weg.

Mit zwei Gießkannen geht Petra Kummerfeld zu einem Grab am Nordweg. Sie pflegt für die SDG – Service- und Dienstleistungs GmbH – in Auftrag gegebene Gräber. "Ein bis zweimal im Monat berichten mir Angehörige über geklauten Grabschmuck", sagt sie. Ein großer Rhododendron sei kürzlich erst an der Gartenabfallstelle ausgegraben und mitgenommen worden. "Pflanzen, Gestecke und Grabdekoration – ich beobachte das schon seit vielen Jahren", erzählt Katrin Federlein, die ihren Blumenladen am Hauptfriedhof hat. Das ganze Jahr über berichten ihr Kunden von Diebstählen auf Gräbern.

Jährlich werden der Friedhofsverwaltung etwa fünf bis zehn Diebstähle angezeigt, wobei die Dunkelziffer der tatsächlichen Diebstähle unbekannt bleibe. "Es ist seit Jahren zu beobachten, dass es in der vegetationsreichen Zeit zu regelmäßigen Diebstählen von Grabbepflanzungen auf dem Hauptfriedhof kommt", so die Stadtpressestelle. Diebstähle habe es schon immer gegeben. Die Häufungen treten saisonbedingt auf: mit der Frühjahrs- und Sommerbepflanzung sowie mit Ausbringen der Gestecke zu Weihnachten. Bei der Polizei angezeigt werden hingegen nur wenige Fälle. "2018 waren es drei Fälle, 2019 einer und bisher in diesem Jahr auch einer", sagt Astrid Reinecke von der Pressestelle der Polizeidirektion Ost.

Kamera oder Wachschutz?

Man müsste Überwachungskameras aufstellen, schlägt ein Betroffener vor.  Aber wer solle das bezahlen und überwachen? Die Friedhofsverwaltung sieht sich jedenfalls außerstande, adäquat zu reagieren – aufgrund des Umfangs von etwa 13 000 Grabstellen. "Das Areal ist allein durch die Vegetation und die damit einhergehenden Deckungsmöglichkeiten selbst für einen Wachschutz nicht beherrschbar", heißt es aus der Verwaltung. Die Diebstähle erfolgen dort, wo sich die Täterinnen und Täter unbeobachtet fühlen. Möglich wäre der Einsatz eines Wachschutzes, wenngleich dies nach hiesigem Dafürhalten aus den genannten Gründen nur bedingte Wirkung entfalten könne. Dies habe zudem auch enormen Einfluss auf die Höhe der Gebühren für die Grabstellen.

"Ich bin mit meinen Ideen am Ende, bei meinem Mann und bei Schwiegereltern wird dauernd etwas geklaut", schreibt eine Frankfurterin. Egal, ob Blumen oder Pflanzkübel. "Ich finde es schrecklich, so hilflos zu sein", sagt sie.

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