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Corona-Lockerung
Wiedersehen hinter Plexiglas in Frankfurter Seniorenheimen

Lisa Mahlke / 06.06.2020, 07:00 Uhr - Aktualisiert 06.06.2020, 17:28
Frankfurt (Oder) (MOZ) Besonders Senioren sollen vor dem Coronavirus geschützt werden – dabei ist es ein Balanceakt, sie gleichzeitig auch vor sozialer Isolation zu schützen.

Seit vielen Wochen ergeht es Seniorenheimen so. Lange gab es das Besuchsverbot. Im Seniorenhaus Neuberesinchen der Gemeinnützigen Pflege- und Betreuungsgesellschaft der Stadt versuchte man, den Bewohnern diese Zeit zu erleichtern. Zum Beispiel durch die Alltagsbegleiter, die den Senioren vorlesen und auf die persönliche Biografie ausgerichtet deren Tagesstruktur planen. Oder durch ein verbessertes Essensangebot – eine Suppe pro Woche weniger und dafür ein deftiges Hauptgericht mehr. Und auch durch intensiveren Einsatz des Snoezelwagens, der mit Wassersäule, Licht, Aromen und Klängen für Entspannung  sorgt.

"Wir waren da sehr konsequent am Anfang", sagt Geschäftsführer Stephan Wegener über die Einschränkungen. "Aber ich glaube, das war richtig so." Anfangs wurden alle Mitarbeiter, die nicht vor Ort sein mussten, ins Homeoffice geschickt. Etwa die Technik, Finanzbuchhaltung, Controlling. Fußpflege gab es nur noch in medizinisch notwendigen Fällen, Friseure kamen nicht. "Denn die arbeiten nicht nur bei uns, und eng am Menschen."

Mit Mundschutz in großem Raum

Er und Heimleiter Frank Noack sitzen mit Mundschutz in einem großen Raum des Hauses. Dort finden auch die Morgenbesprechungen statt, die Stühle stehen weit auseinander. Trotzdem habe die Situation ein Stück weit zusammengeschweißt, "als Team und als Menschen". Man könne sich aufeinander in extremen Situationen verlassen. Einmal in der Woche gibt es Frühstück für alle Mitarbeiter, denn "sie gehen so geduldig mit der Situation um."

Seit Anfang Mai dürfen Angehörige die Bewohner wieder besuchen. Zunächst wurde im Café ein Trockenbau mit Plexiglasscheibe errichtet. Geredet wird über eine Gegensprechanlage, Gäste kommen direkt von außen in ihren Teil des Raumes. Mittlerweile gibt es auch draußen Tische mit Plexiglas, die Möglichkeit, einen Besucher auf dem Zimmer zu empfangen oder mit diesem spazieren zu gehen. "Letzteres birgt natürlich das größte Risiko", sagt Stephan Wegener. Über ein Buchungssystem wird geregelt, wer wann kommen darf. Von Anfang an wurde den aktuell 108 Bewohnern geraten, so wenige Kontakte wie möglich zu haben, sich möglichst nur im Haus und in den Außenanlagen aufzuhalten.

Auch für Angehörige war die Situation keine leichte. In einer E-Mail an den Stadtboten erklärte Eveline Neumann, deren 95-jährige sehbehinderte, hörgeschädigte und krebskranke Mutter in dem Heim wohnt, dass es für sie unverständlich war, ihre Mutter so lange nicht besuchen zu dürfen. Sie begrüßte dann die Lösung mit der Plexiglasscheibe, merkt aber an: "Meine Mutter hat mich hinter der Scheibe weder richtig gesehen noch über das Telefon verstanden. Außerdem bereitete ihr das Sitzen im Rollstuhl große Schmerzen." Erst nach ärztlichen Attesten über die palliative Betreuung sei es nun möglich, die Mutter jeden Tag am Bett zu besuchen. Diese Möglichkeit habe es für Palliativpatienten immer gegeben, so Wegener.

Corona-Maßnahmen: Angehörige werden ungeduldig

Auch im Caritas-Seniorenzentrum "Albert Hirsch" sei das – unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen – möglich, sagt Leiterin Anja Ewald. Ansonsten wurden Fenster- und Balkonbesuche zugelassen, der soziale Dienst unterstützte die Senioren bei der Videotelefonie – eine Kontaktmöglichkeit, die auch im Seniorenhaus Neuberesinchen geschaffen wurde. Die Senioren aus dem angrenzenden Servicewohnen dürfen nicht mehr im Albert-Hirsch-Heim Mittag essen. Für Heimbesuche wurde nun aber ein Pavillon mit Plexiglas gebaut, bei der Tagespflege wird nach und nach eine Notbetreuung eingerichtet. Trotz allmählicher Lockerungen erlebt Anja Ewald Angehörige, die fragen, warum so streng gehandelt wird, ungeduldig werden, immer wieder an Mundschutz und Distanz erinnert werden müssen – keine leichte Situation. Andere wiederum versuchten in den vergangenen Wochen, diese einfacher zu machen: mit Konzerten, Nasch-Spenden und selbstgenähtem Mundschutz.

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