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Umwelt
Schöneicher Jäger lässt nach illegaler Party aufräumen

So darf es bleiben: Statt unverständlichen Schmierereien steht jetzt "Jäger" an der Kanzel – ein Teil der Aufräumarbeiten, zu denen feierwütige Jugendliche im Schöneicher Wald vergattert wurden.
So darf es bleiben: Statt unverständlichen Schmierereien steht jetzt "Jäger" an der Kanzel – ein Teil der Aufräumarbeiten, zu denen feierwütige Jugendliche im Schöneicher Wald vergattert wurden. © Foto: privat
Annette Herold / 07.06.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 08.06.2020, 12:17
Schöneiche (MOZ) Titus Schwichtenberg sucht Ruhe, wenn er sich auf den Weg in sein Jagdrevier macht. So wie am Sonntagmorgen vor zwei Wochen, als er wieder im Wald am Rande von Schöneiche in der Gemarkung Rüdersdorf unterwegs war. Das Bild, das sich ihm da bei seinem Pirschgang bot, wird der Schöneicher so schnell nicht vergessen: Unmengen Flaschen, Zigarettenkippen und anderer Müll lagen rund um seine mit Graffiti beschmierte Jagdkanzel herum verstreut. "Ich war entsetzt und enttäuscht", erzählt er. "Regelmäßig finde ich Sperrmüll im Wald. Aber so etwas hatte ich noch nicht gesehen."

Der Anblick war das eine. Das andere, für den Jagdpächter fast noch Schlimmere war die von den zahlreichen Scherben ausgehende Gefahr. "Es war so trocken und die Linsenwirkung von Scherben kann so enorm sein – da hätte es brennen können!" Dass sich Wild an dem Glas hätte verletzen können, kam hinzu. Also hat der Jäger erst einmal mit Freunden begonnen, Ordnung zu machen. Pfandgut für gut 20 Euro kam zusammen, wie er erzählt.

Mit der Polizei gedroht

Zwei Tage später war er wieder da und sah drei Fahrräder an der Jagdkanzel liegen. Von den Besitzern keine Spur. Er rief nach ihnen, drohte mit der Polizei. Schließlich seien drei etwa 17-, 18-jährige Jungs aus dem Wald gekommen, sichtlich angespannt, aber das sei er auch gewesen. Von seiner Arbeit als Garten- und Landschaftsbauer hat Schwichtenberg Erfahrung im Umgang mit Lehrlingen, auch mit welchen, die nicht richtig spuren. Er ist laut geworden, wie er berichtet, um den Jugendlichen – zu denen sich noch ein vierter gesellt habe – klar zu machen, was sie mit ihren Kumpels da angerichtet hatten.

"Ich habe in meiner Jugend auch genug Unfug gemacht", sagt der Jagdpächter. "Aber ich musste auch dafür gerade stehen." Weil er sich verantwortlich fühlt, für den Wald und die Natur und dafür, dass Jugendliche einen gut Weg finden, trug er den Vieren auf, innerhalb von 14 Tagen richtig aufzuräumen und die Schmierereien zu entfernen. Von drei Seiten war die Kanzel besprüht, eine Darstellung gefiel Titus Schwichtenberg so gut, dass sie bleiben darf.

Zwei Tage später ist alles aufgeräumt

Wieder zwei Tage später staunte der Jäger nicht schlecht, als er im Revier vorbeischaute. Nicht eine Kippe lag herum, keine Scherben mehr. "Das sah aus wie gefegt." Anstelle eines für Nichteingeweihte unverständlichen Graffiti-Schriftzugs steht jetzt "Jäger" an der Kanzel, für die dritte Seite hat er sich ein Natur-Motiv bei den Sprayern bestellt.

"Man muss nicht immer gleich die Polizei rufen", lautet das Fazit der Pächters. Er ist sich sicher, dass sein Auftreten und die Putzaktion Spuren bei den Jugendlichen hinterlassen und vielleicht sogar Verständnis und Interesse für Wald und Jägerei geweckt haben. "Einer sah gar nicht so uninteressiert aus."

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