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Boxen
Ein Fürstenwalder Sommer ohne Sommerpause

Kai Beißer / 30.06.2020, 06:30 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Das Ende kam ziemlich abrupt: Die Vorrundenkämpfe am ersten März-Wochenende wurden noch ausgetragen, dann aber folgte der sportliche Lockdown, der die Boxer besonders traf, waren sie doch tatsächlich mittendrin in ihren Titelkämpfen. Halbfinals und Finals wurden der Landesmeisterschaften abgesagt, seither gab es keinerlei Turniere und andere Veranstaltungen für die Faustkämpfer.

Jetzt aber gibt es einen Lichtblick: "Die Meisterschaften könnten vielleicht Ende November nachgeholt werden", sagt Renee Freyer. Die SG Aufbau Eisenhüttenstadt stehe erneut als Veranstalter bereit. "Allerdings müssen die Wettkämpfe neu ausgeschrieben werden", erläutert der Fürstenwalder Trainer. "Gerade im Nachwuchs können sich bei den Sportlern binnen eines halben Jahres die Gewichtsklassen ändern, so dass die Kämpfe neu zusammengestellt werden müssen."

Was den Trainingsbetrieb anbelangt, herrschte auch im Boxcamp der Domstädter an der Ehrenfried-Jopp-Straße ab Mitte März beinahe gespenstische Ruhe. Irgendwann, als die Zehntklässler wieder zur Schule durften, wurden ein paar Fitnesseinheiten im Freien absolviert, seit Anfang Juni gab es ein leichtes boxspezifisches Training, aber mit Abstand.

Jetzt, da die Sommerferien begonnen haben, sind die Beschränkungen für Kinder und Jugendliche bekanntlich aufgehoben. "Deshalb bietet wir zweimal in der Woche vormittags Übungsstunden an", sagt Trainer Andre Schumacher. Mit dem mehr als erfreulichen Ergebnis, dass am Montag 20 Mädchen und Jungen dabei sind.

Seilspringen gehört dazu

Die werden zunächst in drei Gruppen aufgeteilt: zur Erwärmung Seilspringen, Schattenboxen und Arbeiten am Boxsack. Der ist übrigens entgegen der landläufigen Annahme mit Stoffresten gefüllt und nicht etwa mit Sand. Es folgen Zweier-Übungen, "kein Sparring, sondern Tatzenarbeit", wie Freyer betont. "Ihr sollt erst wieder ein Gefühl bekommen, Lockerheit gewinnen und Spaß haben", ruft er seinen Schützlingen zu. Weniger Spaß machen die Stationsübungen zum Abschluss: Liegestütz, Strecksprünge, Sit-Ups. "Es ist gut, wenn ihr morgen Muskelkater habt", frohlockt der Trainer.

Derweil nimmt Fenja Sturzenbecher einen Schluck aus der Wasserflasche. Seit mittlerweile drei Jahren ist sie an der Sportschule in Frankfurt, in den Sommerferien wird sie wieder in Fürstenwalde mittrainieren. "Ich will fit bleiben", sagt die Box-Amazone, die im Juli 16 wird und schon dreifache Deutsche Meisterin ist. "Das ist mit Stützpunkttrainer René Benirschke abgesprochen", sagt Mutter Inga. In dessen sechsköpfiger Gruppe ist Svenja die Jüngste. "Zwischenzeitlich war es schwer, die Motivation hochzuhalten", gibt sie zu. Jetzt aber hat sie wieder ein Ziel: Die deutschen Meisterschaften der U 17 sollen stattfinden.

BC Fürstenwalde

Die Fürstenwalder Faustkämpfer ge-hörten einst zur BSG, später zur SG Gaselan. Als der damalige Abteilungsleiter Hartmut Klappert im Jahr 2000 eine Trainingsstätte für die Boxer auftat, sah sich der Verein nicht in der Lage, diese zu finanzieren. Es erfolgte der Wechsel zum 1. KSV 64/90 Fürstenwalde, ehe die Boxer im Frühjahr 2005 beschlossen, einen eigenen Verein zu gründen. Am 1. Juli wurde Klappert zum ersten Vorsitzenden gewählt.

Der neue Boxclub zählte rund 30 Mitglieder, davon 20 aktive Sportler. Noch im gleichen Jahr wurden die Fürstenwalder zum Landesleistungsstützpunktsowie zum Integrationsstützpunkt der Sport-jugend ernannt.Es folgten zahlreicheTitel und Medaillen bei Landes- sowie deutschen Meisterschaften, dazu fast in jedem Jahr Delegierungen derbesten Boxer an die Sportschule.Im Rahmen der 96-Stunden-Aktion des RBB erfolgte 2014 die Modernisierung des Trainingscamps in der Jopp-Straße.

2010 wurde Detlef Zeitz Vereinsvorsitzender, seit 2015 ist Renee Freyer im Amt. Aktuell zählt der Boxclub Fürstenwalde gut 70 Mitglieder, davon knapp 60 Trainierende.Das zum Vereins-Jubi-läum geplante Geburtstagsturnier mit etwa einem Dutzend Kämpfen auf der Freifläche vor dem Boxcamp musste Corona-bedingt aus-fallen. ⇥red

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