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Stadtnatur
Bunte Wiesen in Frankfurt (Oder) versehentlich gemäht

Blühende Landschaften? Kahlschlag durch gewohnheitsmäßiges Mähen auf dem Mittelstreifen in der Slubicer Straße hat sie in Frankfurt (Oder) verhindert.
Blühende Landschaften? Kahlschlag durch gewohnheitsmäßiges Mähen auf dem Mittelstreifen in der Slubicer Straße hat sie in Frankfurt (Oder) verhindert. © Foto: Nancy Waldmann
Nancy Waldmann / 08.07.2020, 18:30 Uhr - Aktualisiert 10.07.2020, 08:33
Frankfurt (Oder) (MOZ) Seit letztem Jahr sollen in der Innenstadt von Frankfurt (Oder) sechs Blühwiesen gedeihen. Mit der Umstellung von regelmäßiger Mahd auf Wildwuchspflege hapert es noch ein wenig.

Bunte Wiesen" sollen seit dem vergangenen Sommer Frankfurt farbenfroher, grüner und lebenswerter machen – besonders für verschiedene Insekten. Stadt, Wohnungswirtschaft (Wowi) und Wohnbau taten sich für das Vorhaben zusammen, sechs Grünflächen in der Innenstadt wurden ausgesucht, drei davon im Umfeld der Stadtbrücke in der Slubicer Straße. Drei weitere, größere Flächen wurden in Neuberesinchen angelegt.

Wildblumenwiesen sollen dort nach der Aussaat im Juni vergangenen Jahres gedeihen. Der Frankfurter Nabu-Regionalverband berät das Projekt inhaltlich, stiftete Saatgut und Infotafeln.

Seit Kurzem steht nun eine solche Tafel auch auf dem Mittelstreifen in der Slubicer Straße. Bunte Wiese? – Zu sehen ist ein abrasiertes vertrocknetes Borstenfeld auf 600 Quadratmetern, eine kleine, angelegt wirkende Blumeninsel blieb. Wie es aussehen könnte, sieht man daneben am Seitenstreifen, der auf der Nordseite hangartig von der Straße abfällt. Dort wurde nicht gemäht.

Die Pressestelle der Stadtverwaltung teilt dazu mit: Der Mittelstreifen der Slubicer Straße sei tatsächlich Mitte Mai durch Mitarbeiter des zuständigen Bauhofs gemäht worden – ein sogenannter Schröpfschnitt, der laut Pflegekonzept je nach Witterung durchgeführt werden kann, aber nicht muss, um unerwünschte Pflanzen zurückzudrängen und gewünschte Arten zu fördern. Aufgrund der Trockenheit und der Vegetationsentwicklung sei dieser Schnitt nicht notwendig gewesen. "Die Entwicklung des Bestandes wurde dadurch zwar verzögert, ein größerer Schaden ist jedoch nicht entstanden", heißt es weiter vonseiten der Pressestelle. Dahin sein dürften einjährige Pflanzen.

Insgesamt vier der sechs "Bunten Wiesen" in der Innenstadt waren vom unnötigen Schnitt im trockenen Frühjahr betroffen, neben der genannten auch Flächen in der Sophienstraße, der Rosa-Luxemburg-Straße und am Thomas-Müntzer-Hof. Die zu gut gemeinte Mahd auf den Bunten Wiesen war danach verwaltungsintern Thema, sorgte teils für Ernüchterung. Beim Amt für Tief-, Straßenbau und Grünflächen, zu dem der Bauhof gehört, kam das offenbar nicht an. Der Mittelstreifen in der Slubicer Straße wurde später noch ein zweites Mal turnusmäßig gemäht – "planungsinternes Missverständnis", so die Pressestelle.

Prozess braucht seine Zeit

"Es ist ein Prozess", sagt Johannes Giebermann vom Projektpartner Nabu. Er bestätigt: "Entgegen unserer Wünsche und Absprachen wurden die Wiesen gemäht und wir waren selbst überrascht als wir dies feststellten." Man kläre das nun mit der Stadtverwaltung. Es gibt aber auch gelungenen Wildwuchs – Giebermann lobt die Entwicklung im Kleistpark. Dort gedeihen Wiesen und durch Mähen eines schmalen Randes zeige die Stadt, dass sie sie pflegt. Solche Erfahrungen müssen eben erstmal gemeinsam gesammelt werden, betont Giebermann. Schließlich bedeuteten die "Bunten Wiesen" eine Umstellung der gängigen Pflegepraxis in der Stadt.

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