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Homeoffice
Kein Breitbandanschluss am Gertraudenplatz in Frankfurt (Oder)

Lisa Mahlke / 30.07.2020, 05:00 Uhr - Aktualisiert 30.07.2020, 06:16
Frankfurt (Oder) (MOZ) Man hat schon das Gefühl, auf ein Schloss zu blicken am Getraudenplatz in Frankfurt (Oder).

Zumindest aber leben alle Bewohner in einem denkmalgeschützten Gebäude, das dort seit 1928 steht, direkt im Zentrum, aber trotzdem im Grünen, mit Blick auf den Anger. Daniela Hansche und Sam Ewald fühlen sich dort wohl, hatten Glück mit ihrer Wohnung inklusive Balkon, konnten vor zweieinhalb Jahren die Wohnungsbeschreibung "wohnen wie ein Schlossherr" erst nicht glauben. Was die Stimmung trübt: Auch die Internetverbindung in dem Haus erinnert eher an vergangene Tage als an das 21. Jahrhundert.

Daniela Hansche arbeitet bei einem großen Versicherer in Berlin. Vor Corona war sie mindestens die Hälfte der Zeit im Büro, jetzt ist sie zu 100 Prozent im Homeoffice. Will sie eine E-Mail mit nur 2 Megabyte verschicken, dauert das Hochladen des Anhangs zwei Minuten. Hat die 40-Jährige längere Telefonate mit Kunden, ist die Verbindung immer wieder weg. Telefonkonferenzen mit ihren Kollegen "sind auch eine Katastrophe", sagt sie. Sie versucht dann, mit ihrem privaten Handy einen Hotspot einzurichten. Auch viele ihrer Nachbarn arbeiten zu Hause. Bei jeweils vier Mietparteien in fünf Hausaufgängen fallen ihr spontan nur zwei Nachbarn ein, die nicht mehr in Arbeit sind.

Die Stadt bestätigt, dass der Breitbandausbau in dieser Straße noch nicht stattgefunden hat, genauso seien auch der Buschmühlenweg im Bereich Lossower Kurven, der Zehmeplatz und Teile der Lindenstraße noch unterversorgt. "Die dort vorhanden Schaltschränke sind noch über Kupferleitungen angebunden und verfügen über keine neue aktive Technik, sodass hier keine hohen Bandbreiten zur Verfügung gestellt werden können." Adressen entlang des Buschmühlenwegs, der Gubener und Walter-Korsing-Straße wurden jedoch beim Eigenausbau der Telekom an schnelles Internet angeschlossen.

Auch Homeschooling von Sam Ewalds Sohn lief problematisch. Der 43-jährige Vater schaut zum Test auf sein Handy: Angezeigt wird, dass bei der 6000er Leitung (6 Megabit pro Sekunde) im Schnitt nur 1,6 Megabit ankommen. Die drei haben ein weiteres Beispiel fürs langsame Internet. Der 13-jährige Sohn zockt gerne, für ein großes Update von 180 Gigabyte brauchte sein Computer drei Tage. Sie verstehen nicht, warum ganze Dörfer verkabelt werden, aber ihr Haus bislang scheinbar ausgespart wurde. Für eine tragbare Internetbox zusätzlich über 30 Euro im Monat zu zahlen, sehen sie nicht ein. Sie haben vergebens versucht, mit der Stadt zu sprechen. Auch die Stadtpalais Berlin Liegenschaftsverwaltungs-GmbH, die Vermieter ist, hat städtische Ansprechpartner kontaktiert und "um mögliche Anträge gebeten – leider bislang ohne Erfolg" Das Thema sei seit Erwerb der Immobilie bekannt.

Die Stadt informiert auf Nachfrage, dass in den vergangenen Jahren, im Eigenausbau der Deutschen Telekom, hauptsächlich neue Netztechnik eingebaut, Verteilschränke an das Hauptnetz mit neuen Glasfaserleitungen angeschlossen und neue Schaltschränke aufgebaut wurden. Damit sei ein Großteil der Frankfurter mit erheblich mehr Breitbandleistungen ausgestattet worden, viele können Bandbreiten von 50 bis 250 Megabit pro Sekunde buchen. Für den Breitbandausbau in der Stadt werden 8,1 Millionen Euro Fördermittel eingesetzt, jeweils zur Hälfte von Bund und Land. Der Stadt entstünden Kosten für die Durchführung und Betreuung des Projekts.

Ein Ende ist in Sicht

Obwohl die Lage perfekt ist, Daniela Hansche und Sam Ewald "die schönste Wohnung haben" und nur funktionierendes Internet fehlt, hat das Paar schon darüber nachgedacht, auszuziehen. Wenigstens einen Lichtblick kann die Stadt jedoch verkünden: Der Gertraudenplatz sowie die anderen genannten und unterversorgten Adressen "werden im kommenden Jahr durch den geförderten Breitbandausbau mit neuen Glasfaseranschlüssen ausgebaut".

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Marco Habeck 30.07.2020 - 21:58:50

Echte Glasfaser ist Mangelware

Es gibt nur zwei winzige Flecke wo Glasfaser verfügbar ist... Wenn man genau hinschaut ist die Verfügbarkeit ein Flickenteppich. Das die VDSL Technik nicht die Endlösung ist in dieser Stadt noch nicht angekommen. Man mag zwar die Situation damit recht schnell verbessern, aber man hängt schon wieder damit hinterher. In anderen Städten ist die Versorgung mit Glasfaser deutlich besser ! Der Coworking Space wäre fast daran gescheitert wenn die Macher sich nicht in eigene Initiative und mit einer Bank im Rücken sich gekümmert hätten. Vom Breitbandbeauftragten war hier keine Hilfe zu erwarten, der hatte ja es nicht für nötig gehalten die Förderanträge nachträglich zu ändern. Als auch die Bundesregierung erkannte das man mit der VDSL Technik auf dem Holzweg ist. Man hatte keine Eigenmittel um mehr Glasfaseranschlüsse zu Fördern, also muss man sich mit den bekannten zu frieden geben. Kürzlich hat man es sogar geschafft mit zwei Antennen in die Innenstadt zu strahlen um diese mit LTE zu versorgen. Das tröstet aber nicht hinweg das die Versorgung mit LTE eine ähnliches Desaster ist. Im übrigen wird der Bereich mit LTE abgedeckt. Viel ist aber von der Zelle nicht zu erwarten..

Karl Napp 30.07.2020 - 15:19:12

Die Geschwindigkeit wird m.E. bewusst von der Telekom gedrosselt.

ich hatte in Altberesinchen eine 16.000er Leitung von der Telekom. Das ging relativ lange gut, dann aber wurde die Geschwindigkeit z.T. auf das Niveau eines 56k-Modems reduziert. Der Magenta-Riese erklärte mir dann auf Nachfrage, dass dies im Interesse des Kunden sei, um die Verbindung nicht zu unterbrechen - was natürlich völliger Schwachsinn ist. Ich habe dann meinen Vertrag gekündigt und mir einen lokalen Anbieter gesucht. Meine 200.000er Leitung läuft seitdem wie geschmiert:-)

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