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Als eine Tabakdose den König rettete

Schlachtplan: Karol Siwiec auf dem Gelõnde bei Kunersdorf, wo sich 1759 ein blutiges Gemetzel abspielte.Foto: Heinz K÷hler
Schlachtplan: Karol Siwiec auf dem Gelõnde bei Kunersdorf, wo sich 1759 ein blutiges Gemetzel abspielte.Foto: Heinz K÷hler © Foto:
Dietrich Schröder / 02.04.2009, 18:51 Uhr
Slubice Noch spiegelt sich am Großen Spitzberg (Wielki Ostróg) zwischen Frankfurt (Oder) und dem polnischen Dörfchen Kunowice nur die Sonne in den Pfützen. So gut wie nichts erinnert mehr daran, dass sich hier im August 1759 eine der dramatischsten Schlachten des Siebenjährigen Krieges abgespielt hat. Das leicht hügelige Gelände wurde damals zum Massengrab für mehr als 35 000 Soldaten.

Im August dieses Jahres - genau 250 Jahre nach dem historischen Ereignis - soll daran erinnert werden, dass sich hier Preußen, Russen, Österreicher und Söldner aus zahlreichen anderen Nationen gegenüberstanden. Der Gedanke, "dass es sich um das bedeutendste historische Ereignis handelt, welches jemals in dieser Gegend stattfand", war für den Chef des Collegium Polonicum in Slubice, Krzysztof Wojciechowski, schon vor einigen Jahren der Anlass, an die Schlacht erinnern zu wollen. Zugleich sollte das historische Bewusstsein der heute hier lebenden Bevölkerung geweckt und der Opfer der Schlacht gedacht werden.

Diese gut gemeinte Absicht wurde freilich von einigen Lokalpolitikern in Frankfurt gründlich missverstanden. Mit dem Argument, dass man "kein Kriegsgeschehen nachstellen will", lehnten die Stadtverordneten im vergangenen Jahr die finanzielle Beteiligung Frankfurts ab.

Doch weil man sich von solchen, doch recht kleingeistigen, Bedenken nicht abhalten lässt, gehen die Vorbereitungen östlich der Oder munter voran. Am Wochenende vom 14. bis zum 16. August soll das Geschehen vom 12. August 1759 nachgespielt werden. "Schon Dutzende Vereine, darunter auch zahlreiche deutsche, haben uns ihr Interesse signalisiert", berichtet Karol Siwiec, der die Fäden für die Vorbereitung in der Hand hat. Unter anderem will sich der Verein "Königliche Preußische Artillerie" aus Letschin (Märkisch-Oderland) beteiligen, aber auch ähnliche Vereine aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und anderen Bundesländern.

Doch auch aus Polen, Tschechien und sogar der russischen Exklave Kaliningrad (Königsberg) gibt es laut Siwiec schon Zusagen. Interessant sei auch, dass in der russischen Geschichtsschreibung diese Schlacht als "Schlacht bei Frankfurt (Oder)" bezeichnet werde.

Der preußische König Friedrich II. stand seinerzeit nach zahlreichen Niederlagen seines Heeres mit dem Rücken an der Wand. Als ihm bei Kunersdorf nur jene berühmte Tabakdose in seiner Brusttasche, an der eine feindliche Kugel abprallte, das Leben rettete, fiel er in tiefe Lethargie. Bis heute ist zudem nicht klar, weshalb Russen und Österreicher ihren Sieg an der Oder nicht nutzten, um gegen Berlin zu ziehen, sondern nach Sachsen abdrehten.

Solche und andere Fragen sollen auf einer wissenschaftlichen Tagung erörtert werden, die am 25. und 26. August stattfinden soll. "Dabei soll es auch um die Lage der einfachen Soldaten gehen", berichtet Siwiec. Und es soll daran erinnert werden, dass im April 1945 ein anderer, wenn auch viel kleinerer Abwehrkampf der deutschen Wehrmacht gegen die Rote Armee vor den Toren Frankfurts stattfand. Die Veranstalter rechnen im August mit Tausenden Zuschauern.

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