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Kabarettist Uwe Steimle erntet Lachsalven in der Bernauer Stadthalle

Der Duft von Pulmotin

Anekdoten aus dem Alltag: Kabarettist und Schauspieler Uwe Steimle in der Rolle des naiven Sachsen
Anekdoten aus dem Alltag: Kabarettist und Schauspieler Uwe Steimle in der Rolle des naiven Sachsen © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Inga Dreyer / 13.10.2013, 21:36 Uhr
Bernau (MOZ) "Bei mir is es neununfuffzsch", stellt Uwe Steimle fest. Eine Minute vor acht betritt er die Bühne, startet mit Angela Merkels FDJ-Vergangenheit und nimmt die"Sondierungsgespräche" zwischen CDU und SPD auf's Korn. "Was soll denn daraus werden, wenn sich ein Blinder und ein Lahmer vereinen?", fragt er. Der Kabarettist und Schauspieler, der bis 2009 einen Kommissar im Polizeiruf 110 mimte, entlockte am Freitag seinem Bernauer Publikum eine Kakophonie von Lachlauten: zweieinhalb Stunden lang Glucksen, Kichern und Kreischen.

Doch auch die sanfteren, ernsteren Töne beherrscht er. "Riechen Sie's?", fragt Steimle, als er von Pulmotin erzählt, der DDR-Erkältungssalbe. Eine imaginäre Duftwolke steigt in der ausverkauften Stadthalle auf. "Ein Anker in der Welt", seien solche Erinnerungen, erklärt Steimle. Ein Anker in einer Welt, in der "sie" einem erklären, wie "wir" gelebt haben.

Bei aller Wessi-Schelte schafft der 50-Jährige es, nicht platt zu werden, sondern arbeitet mit feiner Klinge. "Kaffee to go", "original sächsische Crèpes", aufgesetzte Freundlichkeit statt gepflegtes Herumpoltern: In der Rolle des naiven Sachsen erzählt er Anekdoten aus dem Alltag. Und analysiert dabei scharfsinnig, wie es nach mehr als 20 Jahren um das vereinigte Deutschland bestellt ist.

Ohne eine "Früher-war-alles- besser"-Stimmung aufkommen zu lassen, kritisiert er, dass alles schlecht geredet wird, was zu DDR-Zeiten passiert ist. Es müsse sich ja auch keiner rechtfertigen, was er 40 Jahre lang in der BRD gemacht habe, poltert Steimle. Früher war das einfacher. "Wir waren einfach da, und das hat gereicht."

Der in Dresden geborene Kabarettist trifft den Nerv des Publikums. "Er gibt eine verlorene Identität zurück", stellt Kerstin Mutz fest. "Wir werden nicht mehr gesehen", sagt die 50-jährige Bernauerin. Das zu thematisieren, sei wohltuend.

"Ich finde den klasse, diesen Typen", sagt auch die 39-jährige Mandy Grieger. Vor allem sein Wortwitz und die Nachdenklichkeit, mit der Tatsachen ans Licht fördere, gefielen.

Alle sollen ihren Spaß haben: die Trudel wie der Intellektuelle, betont Steimle. Den geröteten, gelösten Gesichtern nach zu urteilen, hat er sein Ziel erreicht.

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