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Amt Scharmützelsee lässt Schilfhütte, Umkleiden und Kassenhäuschen entfernen / Für diese Saison unbewachte Badestelle geplant

Seebad Petersdorf abgerissen

Vor dem Abtransport: Die alten Holzhäuser auf dem Gelände des Strandbads am Peterdorfer See hat die Gemeinde Bad Saarow in dieser Woche abreißen lassen. Freitagmittag lag nur noch ein kleiner Stapel Einzelteile auf der Wiese.
Vor dem Abtransport: Die alten Holzhäuser auf dem Gelände des Strandbads am Peterdorfer See hat die Gemeinde Bad Saarow in dieser Woche abreißen lassen. Freitagmittag lag nur noch ein kleiner Stapel Einzelteile auf der Wiese. © Foto: MOZ
Manja Wilde / 10.05.2014, 07:50 Uhr
Petersdorf bei Saarow (MOZ) Nach jahrelangen Verhandlungen um die Zukunft des historischen Strandbades am Petersdorfer See, lässt das Amt Scharmützelsee jetzt die maroden Gebäude abreißen. Das seit mehreren Sommern gesperrte Gelände könnte damit in dieser Saison als öffentliche Liegefläche geöffnet werden.

"Eigentlich schade", sagt Thomas Schoppe, stellvertretender Ortsvorsteher von Petersdorf. "Das Seebad gab es seit rund 100 Jahren, nun ist es auf einmal weg, da hängen ja auch Erinnerungen dran", sagt Schoppe, der auch Gemeindevertreter von Bad Saarow ist.

Mehrere Sommer blieb das Tor zum Strandbad nun schon geschlossen, weil sich der Besitzer des Sees, Nils-Uwe Schröder, und das Amt Scharmützelsee nicht über die Konditionen der Nutzung beziehungsweise den Verkauf des Gemeinde-Grundstücks am See einigen können. Die Sache ist kompliziert. Der See und ein Teil der Liegewiese gehören Schröder. Der andere Teil des Seebades, rund 7000 Quadratmeter, gehören der Gemeinde.

Zunächst betrieb der Förderverein Petersdorf das Bad, dann löste sich dieser auf. "Im Jahr 2003 hat uns die Gemeinde gefragt, ob sie unseren Teil des Seebads nutzen kann", sagt Schröder. Er und seine damalige Lebensgefährtin, der der See zu diesem Zeitpunkt noch gehörte, stimmten zu - unter der Bedingung, "dass alles ordentlich gepflegt wird, konnte die Gemeinde die Fläche vier Jahre kostenlos nutzen", schildert Schröder. Die DLRG sicherte den Badebetrieb ab. Gebäude und Toiletten ließen jedoch zunehmend zu wünschen übrig und als der Vertrag mit der DLRG auslief, gab es keine Verlängerung. Die Gemeinde wollte das Strandbad für mehr als 150 000 Euro modernisieren. Doch bevor der Kurort soviel Geld auf den Sand setzte, wollte er Klarheit über die Besitzverhältnisse.

Als Schröders damalige Lebensgefährtin ihm den See 2010 verkaufte, versuchte die Gemeinde, ein Vorkaufsrecht auszuüben. Dazu kam es nicht. Im Mai 2010 beschlossen die Gemeindevertreter dann, Schröder ihren Teil des Seebades zu verkaufen. 2011 ging ihm das Kaufvertragsangebot zu. Es enthielt jedoch Passagen, die Schröder nicht akzeptieren konnte. So stand etwa darin: Der Erwerber verpflichtet sich, auf dem Grundstück während der Saison, jährlich vom 15. Mai bis 15. September, ein Seebad und die für den öffentlichen Badebetrieb typischen Ausstattungen, Toiletten und Umkleidekabinen, mit täglichen Öffnungszeiten von 10 bis 18 Uhr zu betreiben und eine Badeaufsicht zu stellen. "Kommt der Erwerber dieser Pflicht nicht nach, steht dem Veräußerer für jeden angefangenen Monat der Nichterfüllung eine Vertragsstrafe in Höhe von 100 000 Euro zu. Für diese Vertragsstrafe unterwirft sich der Erwerber der sofortigen Zwangsvollstreckung."

Schröder und die Verwaltung konnten sich nicht einigen. Zwischenzeitlich bot die Stadt Fürstenwalde an, das Grundstück zu kaufen und das Strandbad durch das "Schwapp", das zum kommunalen Eigenbetrieb "Fürstenwalder Sport- und Freizeiteinrichtungen" gehört, betreiben zu lassen. Noch laufen die Verhandlungen. "Der jetzige Eigentümer hat sich zum vorliegenden Vertragsentwurf noch nicht geäußert. Für die Badesaison 2014 ist somit nicht mit der Übernahme durch Fürstenwalde zu rechnen", sagt Stadtsprecherin Anne-Gret-Trilling.

Um die baufälligen Gebäude nicht noch länger stehen zu lassen, veranlasste das Amt den Abriss. "2013 haben die Gemeindevertreter den Abriss beschlossen und dafür Geld bereitgestellt", sagt Amtsdirektor Carsten Krappmann. Er rechnet mit Kosten vorn rund 15 000 Euro. Ende Mai sollen die Arbeiten beendet sein. Dann könnte das Gelände öffentliche Liegefläche werden. Die Zäune sollen wegfallen oder geöffnet werden.

Schröder ist skeptisch. "Ich sehe derzeit nicht die Voraussetzungen, dass 1000 Leute darauf gelassen werden können, ohne Toiletten, Badeaufsicht und Nutzungsvertrag", sagt er. Zudem stelle der marode Steg, der der Gemeinde gehöre eine Gefahr dar. Generell habe er nichts dagegen, wenn jemand im See bade, sagt Schröder, "aber nicht in der Größenordnung".

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