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Willkommensklasse der Sigmund-Jähn-Grundschule dreht für Filmprojekt "Cinema en curs"

Kamera ab in Schneiderei und Dönerbude

Dreharbeiten: Hiba Najjar und Galina Halkina filmen Schneiderin Regina Runge, Filmemacher Philipp Fröhlich hilft.
Dreharbeiten: Hiba Najjar und Galina Halkina filmen Schneiderin Regina Runge, Filmemacher Philipp Fröhlich hilft. © Foto: MOZ/Annemarie Diehr
Annemarie Diehr / 27.05.2017, 06:54 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) "Kamera bereit? Ton auch? Ruhe bitte! Los!" Die elfjährige Emilia hat ihr Team im Griff. Während sie mit ihrer Mitschülerin Galina auf dem Kameradisplay die Handgriffe von Schneiderin Regina Runge verfolgt, nehmen die neunjährige Sedra und die zehnjährige Hiba mit Mikrofon und Kopfhörer den Ton auf.

Drei Tage lang ziehen Kinder der Willkommensklasse der Sigmund-Jähn-Grundschule durch Fürstenwalde-Nord, filmen inDönerbuden und Wohngebieten und dokumentieren so den Alltag im Stadtteil. Die Dreharbeiten sind der Höhepunkt des internationalen Projekts "Cinema en curs", das in Spanien und Südamerika läuft und an dem in diesem Schuljahr erstmals drei deutsche Schulen in Berlin und Brandenburg teilnehmen.

"Sedra, du musst das Mikrofon höher halten", unterbricht Philipp Fröhlich die Aufnahme. Der Filmemacher steht den Schülern seit Oktober mit Ratschlägen zur Seite, bekommt dabei Unterstützung von Schulleiterin Ines Tesch, Klassenlehrer Stephan Gesk und Sozialpädagogin Ute Horn. Bei einer Weiterbildung wurden sie von deutschen und spanischen Filmemachern mit Aufnahme- und Schnitttechniken vertraut gemacht; ihr Wissen geben sie in wöchentlichen dreistündigen Workshops an die Schüler weiter.

Einige Vorkenntnisse brachten die Kinder allerdings schon mit: Erst im Februar ging der Kinderrechte-Filmpreis an Sigmund-Jähn-Grundschüler, die aus dem Irak, Syrien oder Tschetschenien kommen und die deutsche Sprache noch lernen. "Die Sprachentwicklung ist ein wichtiger Aspekt des Projekts", sagt Sozialpädagogin Ute Horn über "Cinema en curs". Durch den Kontakt mit Fremden wie Schneiderin Regina Runge seien die Kinder gezwungen, Deutsch zu reden. "Auch soziale Kompetenzen wie die Fähigkeit, auf andere zuzugehen, werden dadurch gefördert."

Nächste Einstellung: Eine Nahaufnahme von Regina Runges Händen. Während sie mit schnellen Schnitten schwarz-weiß gestreiften Stoff zerteilt, verfolgt Kamerafrau Hiba die Handgriffe der Schneiderin auf dem Kameradisplay. Das Filmen, sagt die 10-Jährige, mache ihr am meisten Spaß. Die Vorarbeit der letzten Monate wird jetzt anschaulich in vielen Stunden Filmmaterial.

In den nächsten Wochen wird dieses gesichtet, geschnitten und zu einem Film zusammengefügt. "Wie der am Ende aussieht", sagt Ute Horn, "entscheiden allein die Kinder". Bevor der fertige Dokumentarfilm zu internationalen Filmfestivals reist, wird er am 4. Juli im Filmmuseum Potsdam gezeigt. Auch eine Vorführung in Fürstenwalde ist geplant.

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