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Beate Willer unterrichtet seit fast sieben Jahren in Fürstenwalde Yoga / Früher hat sie als Print- und TV-Journalistin gearbeitet

Training für den Geist

Körper und Atem im Gleichklang: Yogalehrerin Beate Willer (Mitte) sagt, es komme nicht darauf an, die Yogaübungen - die Asanas - perfekt zu meistern. Auch der "Adler" sieht bei jedem ihrer Schüler ein klein wenig anders aus. "
Körper und Atem im Gleichklang: Yogalehrerin Beate Willer (Mitte) sagt, es komme nicht darauf an, die Yogaübungen - die Asanas - perfekt zu meistern. Auch der "Adler" sieht bei jedem ihrer Schüler ein klein wenig anders aus. " © Foto: Philipp Arnoldt
Lisa Mahlke / 19.01.2018, 07:41 Uhr - Aktualisiert 19.01.2018, 11:47
Fürstenwalde (MOZ) Zu Hause in... lautet der Titel unserer Serie, in der Menschen aus der Region vorgestellt werden. Das können Frauen und Männer sein, die schon immer hier leben oder hier ihre Wahlheimat gefunden haben. Heute: Beate Willer aus Fürstenwalde.

Der hölzerne Luftbefeuchter versprüht einen sanften Rosenduft, auf der Fensterbank steht ein Strauß mit pinken Tulpen. Beate Willer sitzt in ihrer engen Sporthose und den gestrickten Kniestrümpfen im Schneidersitz auf der beerenfarbenen Yogamatte. Das ist ihre Arbeitsstätte. Seit fast sieben Jahren unterrichtet sie Yoga in ihrem Studio "Mandala Yoga" in der Fürstenwalder Külzstraße. Doppelt so lange praktiziert sie selbst. Damals, als sie mit dem Yoga anfing, war sie noch TV-Redakteurin. Nach dem Volontariat beim Berliner Kurier war sie dort zehn Jahre lang Redakteurin, danach arbeitete sie als Reporterin für N24 und Sat.1. Das Yogafieber habe sie dann aber "ziemlich schnell gepackt". "Ich wollte Menschen unterstützen", erzählt die 46-Jährige. Genau das komme bei Boulevardmedien aber zu kurz. Sie habe zu der damaligen Zeit eher Emotionen geschürt als zu helfen, findet sie heute. Auch wollte sie weg von der Schnelllebigkeit ihres Berufes. Yogalehrerin zu sein ist mittlerweile ihre Berufung, sagt die blonde Frau und trinkt einen Schluck Kaffee.

"Yoga ist die Verbindung von Körper und Geist", erklärt die ausgebildete Yogalehrerin. "Wir konzentrieren uns auf den Gleichklang zwischen dem ruhigen Ein und Aus des Atems und der Ausführung der Yogahaltungen, der Asanas." Zwischendurch fünf bewusste Atemzüge zu nehmen, könne auch im Alltag helfen - etwa wenn einem jemand die Vorfahrt nimmt. "Wir machen aus allem ein Riesendrama", bemerkt sie. "Aber das Leben wird leichter, wenn wir aufhören, uns zu wichtig zu nehmen. Dann hört auch der Impuls auf, immer gleich überzureagieren." Alle sprechen davon, sagt sie, ihre Muskeln zu trainieren. "Aber keiner denkt darüber nach, dass auch alles, was wir denken und fühlen, trainiert werden kann. Wir sind unserem Denken nicht ausgeliefert."

Selbstfürsorge ist ein Wort, das sie immer wieder im Zusammenhang mit Yoga nennt. Früher, als sie ihre Muskeln an Geräten im Fitnessstudio trainierte, war sie danach emotional genauso angespannt wie vorher, konnte keinen Abstand vom Arbeitsstress nehmen. Durch die Yogapraxis wurde das anders. Allerdings, das betont sie, "nicht für alle ist Yoga geeignet". Wer nach zehn Stunden noch keine Freude dabei empfindet, sollte sich etwas anderes suchen.

Einer bestimmten Gruppe lasse sich Yoga aber nicht zuordnen: Beate Willers ältester Schüler ist 76 Jahre alt und seit Eröffnung des Studios dabei. Die jüngste Schülerin ist 18 und gerade fertig mit der Schule. Andere kommen aus der Agrarwirtschaft, sind Anwalt oder arbeiten in der Stadtverwaltung. Durch ihr Studio habe sie Kontakt zu "wunderbaren, aufgeschlossenen, neugierigen Menschen".

Aufs Land, in die Nähe von Fürstenwalde, zog Beate Willer vor einigen Jahren der Liebe wegen. Mit ihrer Tochter Anni wohnt sie mittlerweile in der Domstadt, in der sie sich zu Hause fühlt. Auch die Siebenjährige "findet Yoga super". Manchmal streckt und reckt sie sich zusammen mit ihrer Mama auf der Yogamatte. Auch den ersten Kontakt mit Meditation hatte Anni bereits.

"Worum geht es im Leben? Wollen wir letzten Endes nicht alle nur glücklich sein?", überlegt Beate Willer, schließt die Augen und lässt dann den Blick durch den Raum mit dem riesigen Elefanten-Wandteppich schweifen. Hier praktizieren ihre Schüler, und bei jedem sehen die Asanas anders aus, erzählt sie. "Wir sind nicht da, um die Asanas zu meistern, sondern die Yogaübungen sind dafür da, um uns beim Atmen zu unterstützen." Um Wettbewerb gehe es beim Yoga nicht. Eher darum, sich Zeit für sich selbst zu nehmen, den Körper vorsichtig aufzurichten und beweglich zu machen. Dafür benötige es etwas Disziplin, manchmal auch Überwindung, wenn die Couch lauter ruft als die Yogamatte.

Nach den dynamischen Asanas liegen alle Yogaschüler für wenigstens zehn Minuten regungslos auf dem Boden. Bei der Endentspannung, Savasana, kommen nicht nur ihre Körper, sondern vor allem der Geist zur Ruhe. Wenn die Schüler anschließend mit weniger Tempo, weicherem Gesicht und etwas mehr Klarheit das Studio verlassen, weiß Beate Willer, dass ihre Aufgabe für diese Stunde erfüllt ist. www.mandalayoga.de

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