Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Eigentümer hält sich über Abriss bedeckt

Groß Rietzer sorgen sich um Storchenturm

Thomas Sabin / 29.01.2018, 20:01 Uhr
Groß Rietz (MOZ) Der Schornstein der Alten Brennerei in Groß Rietz ist ein weithin sichtbares Erkennungszeichen. Den Storch, der auf der Turmspitze beheimatet ist, haben Anwohner in ihr Herz geschlossen. Bauleute vor Ort, die den Turm jüngst per Drohne untersuchten, sorgen für Spekulationen.

Die Gemüter in Groß Rietz sind erregt. Anwohner wollen im Zuge der jüngst beobachteten Untersuchung des Bauwerks vernommen haben, dass der Schornstein der Alten Brennerei dem Erdboden gleich gemacht werden soll. Beim Bauamt Rietz-Neuendorf und der Unteren Naturschutzbehörde sind bereits Anrufe von Einwohnern eingegangen. Sorgen richten sich vor allem an den Storch, der auf der Spitze seinen Horst errichtet hat. Er würde seine Lebens- und Fortpflanzungsstätte verlieren. Für den Groß Rietzer Ortsvorsteher Jörg Haase wäre das "ein absolutes Unding, sofern an dem Gerücht etwas dran ist". Der Storch und der Schornstein gehörten zum Dorfbild und das schon seit vielen Jahren.

Der Eigentümer des Geländes der Alten Brennerei - die in Berlin ansässige Firma Gesa (Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten) - hält sich vage: "Einen Abriss oder Sprengung können wir nicht betätigen", teilt die Sprecherin des Unternehmens Gudrun Finger per E-Mail mit. Allerdings bestätigt sie, dass ihre Firma plant, den Gewerbestandort in diesem Jahr zu vermarkten. Dass sich ein Storch auf dem Schornstein befindet, sei der Firma bekannt. Gudrun Finger versichert, dass "beim Umgang mit dem Standort bis zum Verkauf die Belange des Naturschutzes durch unsere Gesellschaft unter Berücksichtigung der Verkehrssicherheit beachtet werden."

Der Storch jedenfalls gehört zu den geschützten Arten, weshalb man seinen Horst nicht einfach so sprengen könne, informiert Lutz Ittermann von der Unteren Naturschutzbehörde. Dem Sachbearbeiter für Artenschutz liege bisher kein Antrag für ein solches Vorhaben vor, und ohne einen Antrag gehe ohnehin nichts. Ausnahmen, die eine Sprengung des Schornsteins rechtfertigen, könnten nur gemacht werden, wenn somit erheblicher wirtschaftlicher Schaden abgewendet werden kann, so Ittermann weiter. Eine Einsturzgefahr des Schornsteins könne eine solche Ausnahme darstellen. Unter diesen Bedingungen könne der Schornstein theoretisch gesprengt werden. Eine weitere Bedingung: der Storch bekommt einen neuen Ort für seinen Horst. "Dieser muss unweit der alten Stelle errichtet werden", so Lutz Ittermann. Wie der Bürgermeister der Gemeinde Rietz-Neuendorf, Olaf Klempert, mitteilt, werde er sich heute mit seinen Bauamts-Mitarbeitern unter anderem über einen alternativen Standort für den Storchenmast unterhalten. Laut Klempert habe die Firma schon vor Jahren der Gemeinde angeboten, das Grundstück zu erwerben. Doch dies sei damals gescheitert.

Bernd Ostwald, dessen Grundstück direkt an das der alten Brennerei grenzt, meint: "Kommt der Schornstein weg, wäre hier keiner begeistert, denn er und der Storch gehören hierher. Das Tier ist hier schon seit 50 Jahren zuhause."

Ortsvorsteher Haase möchte, dass das Dorf in den Prozess einbezogen wird: "Sollte das ohne uns entschieden werden, wird es im Dorf einen Aufschrei geben und sicher für Proteste sorgen, denn der Storch ist den Anwohnern heilig."

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG