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In Kagel verkauften mehrere Alteigentümer Flächen, die sie zu DDR-Zeiten in die LPG einbringen mussten / Ein Fall landet vor Gericht

Alte LPG
Erbitterter Streit um Grund und Boden

Landwirt Carlo Horn will seinen Landwirtschaftsbetrieb in Kagel weiter betreiben und ausbauen. Doch die Gebäude stehen auf fremdem Grund und Boden.
Landwirt Carlo Horn will seinen Landwirtschaftsbetrieb in Kagel weiter betreiben und ausbauen. Doch die Gebäude stehen auf fremdem Grund und Boden. © Foto: Manja Wilde
Manja Wilde / 06.03.2018, 08:00 Uhr - Aktualisiert 06.03.2018, 15:24
Kagel (MOZ) Seit Jahren tobt in Kagel ein Streit um das Land, auf dem sich zu DDR-Zeiten die LPG befand. Alteigentümer Dieter Elsholz forderte seine Flächen nach der Wende zurück. Doch die LPG-Nachfolger wirtschafteten weitere auf dem Land, ohne gültigen Pachtvertrag. Jetzt kaufte eine Vermögensverwaltungsgesellschaft diese und weitere Flächen.

Der Kuhstall hat schon bessere Zeiten gesehen. Riesige Löcher klaffen in der Decke. „So ist das eben, wenn man 27 Jahre nicht investieren konnte“, sagt Carlo Horn. Seit 2015 ist der 38-Jährige Geschäftsführer der Kranichsberger Agrargesellschaft mbH, die in Kagel Am Winkel 17 ihren Sitz hat. Seine Mutter, Doris Horn, ist Prokuristin. Die 60-Jährige leitete einst die LPG. Ställe, eine Feldscheune und ein Mehrzweckgebäude existieren davon noch. Doris Horn, ihr Sohn und dessen Familie leben in dem Mehrzweckgebäude.

Die DDR gibt es nicht mehr. Die LPG auch nicht. Doris Horn führte den  Betrieb nach der Wende weiter. Zunächst als Landwirtschaftliche Erzeugergenossenschaft Kranichsberger Landfarm e.G. mit Sitz in Rüdersdorf. Die musste 1996 Insolvenz anmelden. 1998 erwarb Familie Horn nach eigenem Bekunden Teile der Insolvenzmasse. „Neben dem Tierbestand, der Technik und finanziellen Schulden auch entsprechende Gebäude“, sagt Carlo Horn. Die Familie sieht in Kagel ihre Zukunft, will ihren Betrieb ausbauen.

Doch alles steht auf fremdem Grund. Der gehört seit der Wende wieder den Alteigentümern, die ihn 1960 in die LPG einbringen mussten. Und die Alteigentümer haben ihr Land verkauft. Einer von ihnen ist Dieter Elsholz. Auf seiner früheren Fläche stehen mehrere Ställe. Glücklich ist der 78-Jährige  nicht darüber, dass er seine 3,3 Hektar Land los ist. Doch der Kageler hatte keine Kraft mehr, um das Land zu kämpfen, das er vor fast 60 Jahren in die LPG einbringen musste. Und auf dem er nach dem Ende der DDR selbst etwas aufbauen wollte. „Wir wollten oben Tiere füttern, aber ich durfte nicht, obwohl es mein Land war“, sagt Dieter Elsholz. Denn da wirtschaftete Familie Horn mit ihren LPG-Nachfolge-Unternehmen.

Mit denen sei in all den Jahren nicht einmal ein Pachtvertrag zustande gekommen. „Ich hatte drei Anwälte, die haben das nicht geschafft“, sagt Dieter Elsholz resigniert. Zwei dicke Ordner mit Anwaltsschreiben und Vertragsentwürfen liegen vor ihm auf dem Küchentisch. Nur einmal, 1992, flossen gut 25000 D-Mark von der damaligen Kranichsberger Landfarm Rüdersdorf e.G., weil das Gericht in Fürstenwalde die Firma dazu verurteilte, sagt Elsholz.  „Ich hätte die Pacht jedes Jahr aufs Neue einklagen müssen, aber dann hätten die Anwälte mehr gekostet, als ich bekommen hätte“, erklärt Elsholz. Er duldete die Nutzung zähneknirschend.

Doch als vor einigen Jahren der Gehweg in der Straße Am Winkel gebaut werden sollte, bekam er es mit der Angst zu tun. Als Anlieger mit 3,3 Hektar bebauter Fläche, sagt Elsholz, wäre eine hohe Summe auf ihn zugekommen. Ende 2015 entschloss er sich, an die Naves Vermögensverwaltung GmbH zu verkaufen. Das Landwirtschaftsamt des Kreises hat dem Verkauf der Flächen an einen Nichtlandwirt zugestimmt, obwohl Horns Kaufinteresse signalisierten. In der vergangenen Woche erklärte dazu  Amtsleiter Gerd Piefel im Landwirtschaftsausschuss des Kreistages: Zwar hätte ein landwirtschaftliche Nutzer grundsätzlich ein Vorkaufsrecht. Dafür müsse er aber seine Zahlungsfähigkeit mittels Bankbürgschaft nachweisen. „Das hat er nicht getan“, betonte Piefel. Zwar habe Horn angeboten, einen „Koffer voller Bargeld“ ins Amt zu stellen, doch auf so etwas könne er nicht eingehen, stellte Piefel klar. In der Kürze der Zeit sei es nicht möglich gewesen, die Bankbürgschaft zu bekommen, sagt Carlo Horn. Knapp zwei Wochen hatte man ihm dafür zugebilligt. Man müsse dem Eigentümer schnell die Freiheit geben, seinen Grund und Boden zu veräußern, erklärte Piefel.

Elsholz’ Verkauf an die Naves ist rechtskräftig. Auch die anderen beiden Alteigentümer hätten an die Naves, hinter der die Grafen Castell-Castell stehen, verkauft, sagt Horn. „Um die Fläche, auf der das Wohnhaus steht, kämpfen wir noch“, betont er. Vor zehn Jahren hätten Horns einen Kaufvertrag für dieses Grundstück geschlossen, erklärte Piefel. Doch weil die Zahlungen nicht wie vereinbart flossen, soll er rückabgewickelt werden. Für den 25. April, 11 Uhr, ist dafür am Landgericht Frankfurt (Oder) der erste Verhandlungstermin angesetzt. Die Naves Vermögensveraltung GmbH ist Kläger, die Kranichsberger Agrargesellschaft der Beklagte, sagt Gerichtssprecher Mike Mauter.

Horns befürchten, dass die Naves die Flächen zu Bauland machen wollen. Dafür jedoch müssten die Gemeindevertreter von Grünheide eine neuen Flächennutzungsplan und ein Bebauungsplan beschließen.

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