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Notfallprävention
Erste Hilfe im Fahrpreis inklusive

Erste-Hilfe-Maßnahmen auf einen Blick: Anne Nasert, Medizinstudentin und Mitglied des Vereins Pépinière, hat die Plakate mitentwickelt, die Jürgen Ansorge, Geschäftsführer der Busverkehr Oder-Spree GmbH, in den Bussen im Landkreis aushängen lässt.
Erste-Hilfe-Maßnahmen auf einen Blick: Anne Nasert, Medizinstudentin und Mitglied des Vereins Pépinière, hat die Plakate mitentwickelt, die Jürgen Ansorge, Geschäftsführer der Busverkehr Oder-Spree GmbH, in den Bussen im Landkreis aushängen lässt. © Foto: MOZ/Annemarie Diehr
Annemarie Diehr / 03.04.2018, 21:05 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) „Held kann jeder“ steht auf Plakaten, die in den Bussen des Busverkehrs Oder-Spree  eine Kurzanleitung zur Ersten Hilfe geben.  Entwickelt haben sie Medizinstudenten vom Verein Pépinière, um Zivilcourage und ehrenamtliches Engagement zu fördern.

Dass Fahrgäste das Bewusstsein verlieren, ist die absolute Ausnahme. „Zum Glück“, sagt Jürgen Ansorge. Die Fahrer, die der Geschäftsführer der Busverkehr Oder-Spree GmbH (BOS) beschäftigt, sind für die Rettung im Notfall geschult – die meisten Fahrgäste sind es vermutlich nicht. „Wir dürfen diesen Zustand nicht nur beklagen, sondern müssen Projekte fördern, die schon Kinder in die Lage versetzen, Erste Hilfe zu leisten“, so Ansorge. Als erstes Verkehrsunternehmen in Brandenburg hat sich der BOS deshalb bereit erklärt, die vom Verein Pépinière – ein Zusammenschluss von rund 25 Medizinstudenten und Rettungsdienstlern – entwickelten Plakate kostenlos in seinen Bussen auszuhängen.

Atemkontrolle, Herzdruckmassage, stabile Seitenlage – ein Aushang im A3-Format vermittelt in aller Kürze die Grundlagen der Ersten Hilfe. In der vergangenen Woche wurden alle 93 Busse an den Standorten Fürstenwalde, Erkner, Beeskow und Eisenhüttenstadt damit bestückt. „Das Problem ist weniger die Hilfsbereitschaft der Menschen, sondern ihr Wissen“, sagt Anne Nasert. Die 25-jährige Frankfurterin studiert an der Berliner Charité Medizin und ist Mitglied im Verein Pépinière, der seit 2016 ehrenamtlich an Schulen der Region Erste-Hilfe-Kenntnisse vermittelt. Dort müsse das Erklären von lebensrettenden Maßnahmen beginnen, ergänzt Vereinsmitglied Anika Dietrich. Auch die Plakate in den Bussen richten sich in Bild und Schrift vor allem an Kinder. Knapp 10 000 Schüler, sagt Jürgen Ansorge, befördert der BOS täglich.

Aufgefallen sind Brigitte Schade und Gerda Borchert die neuen Plakate noch nicht. Beinahe täglich nehmen die Fürstenwalderinnen den Bus; am Dienstagvormittag warten sie am Bahnhof auf die Stadtlinie, die sie nach Hause bringt. „Ein bisschen was wüsste ich schon noch“, sagt Brigitte Schade. Die 71-Jährige hat als ehemalige Erzieherin regelmäßig Weiterbildungen in  Erster Hilfe gemacht. Ihre 78-jährige Bekannte wäre im Notfall hilflos; entsprechend gut findet sie die Plakat-Aktion: „Wenn einem selbst was passiert, wünscht man sich ja auch, dass jemand Ahnung hat“, sagt Gerda Borchert.

Die Idee zu dem Projekt, erzählen Anne Nasert und Anika Dietrich, sei auf einer Reise entstanden: In Prag werben ähnliche Plakate in der Metro für Erste-Hilfe-Maßnahmen. Unter dem auf die Aushänge gedruckten Hashtag – ein mit Doppelkreuz verbundenes Schlagwort – „#Held kann jeder“, hoffen die Initiatoren, verbreitet sich die Aktion zudem in sozialen Netzwerken weiter. „So wollen wir gerade bei jungen Menschen Begeisterung für das Ehrenamt wecken“, sagt Anne Nasert.

Technisches Hilfswerk, Freiwillige Feuerwehr – es gebe viele Möglichkeiten, sich zu engagieren. „Mach Hilfe für Andere zu deinem Hobby oder deiner Berufung“, fordert der letzte Abschnitt des Plakats auf. Das findet auch BOS-Chef Ansorge gut: „Der Nachwuchs fehlt, dabei ist das Ehrenamt ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft“. Auf alle Fälle bis Schuljahresende, so Ansorge weiter, seien die Plakate in den Bussen im Landkreis präsent. Die Stadt Frankfurt (Oder) und der Busverkehr Märkisch-Oderland, sagt Studentin Anne Nasert, wollen demnächst nachziehen.

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