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Abfall
Müll, Insolvenzen und Investoren

Müll soweit das Auge reicht: Blick auf das Gelände im Tränkeweg
Müll soweit das Auge reicht: Blick auf das Gelände im Tränkeweg © Foto: Annemarie Diehr
Annemarie Diehr / 06.06.2018, 21:08 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Seit 1996 wird im Tränkeweg unweit der Spree Abfall recycelt. Zuletzt türmten sich die Müllberge auf dem dortigen Gelände immer höher. Umweltschützer und Politiker wittern Gefahr für Natur und Mensch, Eigentümer und Betreiber Bodo Grabs benötigt Geld, um den Müll abzufahren.

Bergeweise Plastikmüll, Reifen, und Teppiche, verrostete Tanks, teilweise umgeben von Flüssigkeit – was im Internet veröffentlichte Film- und Fotoaufnahmen von dem Gelände zwischen Spree und Tränkeweg zeigen, erhitzt die Gemüter von Anwohnern, Umweltschützern und zuletzt auch Politikern. Bürgermeister Matthias Rudolph entdeckte die Müllkippe auf dem Gelände der ehemaligen Kabelwerke im Wahlkampf für sich, BFZ- und Grünen-Fraktion debattierten mit dem Landtagsabgeordneten Benjamin Raschke öffentlich über die „Umweltgefahren durch illegale Abfallentsorgung“, FDP und Grüne bringen in die heutige Sitzung der Stadtverordneten den Antrag ein, das Risiko für Mensch und Umwelt im Falle eines Brandes zu klären – immer wieder rückte die Feuerwehr in der Vergangenheit zum Gelände unweit der Spree aus.

Einer wollte sich bisher nicht zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen äußern: Bodo Grabs. Seit 1996 recycelt er im Tränkeweg Müll: Zunächst Baumischabfälle mit der inzwischen insolventen Firma Wesa, ab 2012 als Geschäftsführer der Firma TRG. „Das war eine Anlage zur Ersatzbrennstoffherstellung für die Papierfabrik in Eisenhüttenstadt“, erklärt Grabs.

In einem Büro mit Blick auf die Mülldeponie führt er unter seinem Namen inzwischen die Geschäfte einer Tief- und Straßenbaufirma, Betonrecycling und Sandaufbereitung inklusive. Auch die Firma TRG ging pleite: „Weil der Investor verstorben ist, gab es irgendwann eine Investitionsstockung, die nicht ersetzt werden konnte“, sagt Grabs. Statt nach Eisenhüttenstadt transportiert zu werden, seien die Ersatzbrennstoffe – Produkte, die bei der Baumischabfallsortierung anfallen – auf dem Gelände am Tränkeweg geblieben.

Um gefährliche, also besonders überwachungsbedürftige Abfälle handelt es sich dabei laut Bodo Grabs nicht. In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage des Grünen-Landtagsabgeordneten Benjamin Raschke bestätigt die Landesregierung dies: „Dem Landesamt für Umwelt liegen keine Erkenntnisse vor, wonach die auf dem ehemaligen Betriebsgelände der TRG GmbH lagernden Abfälle gefährlich sein“, heißt es da. Diese Auskunft beziehe sich zwar lediglich auf die genehmigten Flächen; die für illegale Abfallansammlungen außerhalb dieser Flächen zuständige untere Abfallwirtschafts- und Bodenschutzbehörde des Landkreises Oder-Spree habe aber im April ebenfalls mitgeteilt, „dass am Standort nach derzeitigem Kenntnisstand keine Maßnahmen zur Gefahrenabwehr geboten seien“.

Neben dem Bereich, wo Grabs Recycling betreibt, ist er Eigentümer der auf dem Gelände stehenden Kasernen-Ruinen sowie einer Fläche, auf der Ersatzbrennstoffe lagern, „die da nicht liegen sollten“, wie er es ausdrückt – es handele sich um 3000 Tonnen. „Wir sind im Gespräch mit einem potenziellen Investor, der die Kasernen-Ruinen abreißen und dort investieren möchte. In dem Zuge sollen die Restmaterialien möglichst bald abgefahren werden“, sagt Grabs. Ein anderer Teil des Betriebsgeländes, auf dem ebenfalls Ersatzbrennstoffe lagern, gehöre ihm nicht mehr – der 58-Jährige habe es an den einstigen Anlagen-Investor vor dessen Tod verkauft. Über die jeweilige Größe der Flächen und den vorhanden Müllmengen äußert sich Grabs nicht.

Zu den in Filmaufnahmen gezeigten Tanks möchte sich der Unternehmer aber erklären: Es handele sich nicht um ausgetretenes Öl, sondern um Wasser vom Ausspülen der unlängst zurückgebauten Trafo-Häuschen. In der Vergangenheit wurde Grabs als Anlagenbetreiber wiederholt auffällig. 2013 erhob die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) Anklage wegen Überschreitung der genehmigten Abfalllagermengen. Das Verfahren wurde drei Jahre später nach Zahlung einer Geldauflage und der Entsorgung asbesthaltiger Abfälle eingestellt.

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