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Fürstenwalder Friedwald ändert seine Nutzungsordnung / Liegezeit ab 1. Juli begrenzt auf 20 Jahre

Soziales
Künftig 20 Bestattungsplätze pro Baum

Junge Pflanze statt starker Baum: Stadtforstdirektor Thomas Weber begutachtet im Fürstenwalder Friedwald eine junge Roteiche, die aufgrund der Hitze momentan besonders viel Wasser braucht. Neu gepflanzte Bäume sind als Bestattungsort ebenfalls gefragt.
Junge Pflanze statt starker Baum: Stadtforstdirektor Thomas Weber begutachtet im Fürstenwalder Friedwald eine junge Roteiche, die aufgrund der Hitze momentan besonders viel Wasser braucht. Neu gepflanzte Bäume sind als Bestattungsort ebenfalls gefragt. © Foto: Annemarie Diehr
Annemarie Diehr / 12.06.2018, 06:00 Uhr
Fürstenwalde 1700 Urnen wurden in den vergangenen zwölf Jahren im Fürstenwalder Friedwald beigesetzt. Tendenz steigend. Um bei wirtschaftlicher Nutzung in Zukunft ausreichend Plätze für diese Art der Bestattung vorzuhalten, wird die Liegezeit ab 1. Juli begrenzt und die Platzanzahl erweitert.

Die Bedeutung der farbigen Bänder erschließt sich nur Eingeweihten. „Gemeinschaftsbäume sind gelb, Familien- oder Freundschaftsbäume blau“, sagt Stadtforstdirektor Thomas Weber. Sein Weg führt ihn im Friedwald vorbei an Eichen und Buchen. „Diese dort hat sich jemand aus dem Erzgebirge ausgesucht“, sagt Weber und deutet auf eine stattliche Fichte.

Rund 170 Urnenbestattungen führen Weber und sein Team jedes Jahr durch; 18 Hektar der insgesamt mehr als doppelt so großen Waldfläche sind derzeit in Benutzung. „An Platz mangelt es hier nicht“, sagt der Stadtforstdirektor. An anderen Friedwald-Standorten – in Brandenburg gibt es weitere Flächen im Mühlenbecker Land, im Nuthetal und in Bernau – sehe es anders aus. Daher, und weil die Erfahrungen und Bedürfnisse von Nutzern Eingang in ein überarbeitetes Konzept gefunden haben, ändert das Unternehmen Friedwald zum 1. Juli seine Nutzungsordnung. An Standorten in Süddeutschland, erklärt Weber, sei dies schon zum Jahreswechsel 2017/18 geschehen.

So werde die bisher übliche Nutzungszeit für einen Gemeinschaftsbaumplatz von 99 Jahren an die in dem jeweiligen Bundesland geltende Ruhezeit angepasst – in Brandenburg für Erdbestattungen mindestens 20 Jahre. „Wenn beispielsweise ein Paar zwei Plätze zusammen erworben hat“, sagt Stadtforstdirektor Weber, „beginnt die Ruhezeit erst, wenn der zweite Partner beigesetzt wird.“ Bis zum 30. Juni geschlossene Verträge sind von den neuen Nutzungsbedingungen ausgenommen.

Um diese Zeit, Ende Juni, wird Thomas Weber durch die verschiedenen Abschnitte des Friedwaldes streifen, jeden Baum genau begutachten und vermessen. „Dieser Baum zum Beispiel“, er deutet auf eine junge Eiche am Wegesrand, „den würde ich als Bestattungsbaum mit aufnehmen.“ Bisher war das aufgrund seiner Lage nicht möglich: Zehn Plätze mussten pro Baum ausgewiesen werden. Solche Exemplare, die eng beieinander oder am Weg stehen, fielen aus dem Raster. Mit der durch die neue Nutzungsordnung möglichen Neu-Bewertung der Baum-Standorte können nun flexibel bis zu 20 Bestattungsplätze pro Baum ausgewiesen werden. „Große Bäume bekommen dadurch mehr Plätze“, sagt Weber. Bestattungsbaum-Kandidaten kennzeichnet er mit einem weißen Band.

Etwa 3000 freie Bestattungsplätze gibt es aktuell im Friedwald, dessen Verdichtung durch die Ausweisung weiterer Plätze besteht für Weber in der effizienteren Friedhofsbewirtschaftung. Regelmäßig entfernen die Förster trockene Äste aus Baumkronen, die zur Gefahr für Besucher werden könnten, Bäume müssen nachgepflanzt werden und bedürfen wie während der aktuellen Hitze intensiver Bewässerung.

Mehr Fläche möchte er momentan nicht als Friedwald ausweisen, „vielleicht in zehn Jahren“. Eine entsprechende Anbindung mit Parkplatz und Andachtsraum sei dafür notwendig. Drei von vier Kunden entschieden sich laut Weber für einen Grabplatz unter einem Gemeinschaftsbaum. Daneben gibt es derzeit ausgewiesene Partner- sowie Familienbäume. Diese Kategorisierung, erklärt Weber, entfalle. Künftig gebe es neben „Plätzen“, wie gehabt ab 770 Euro, nur noch „Bäume“. Letztere Kategorie beinhalte im Kaufpreis ab 2490 Euro stets zwei Plätze. Jeder weitere Platz kostet 300 Euro. Die Ruhezeit bei Bäumen beträgt weiterhin 99 Jahre.

Als „Erinnerungsort ohne Verpflichtung“, wie Weber sagt, werde der Friedwald deutschlandweit immer beliebter. Wer den Wald als letzte Ruhestätte wähle, sei „ein Mensch mit Herz für die Natur“.

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