Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Begegnungsprojekt
Mit Dolmetscher ins Jugendcamp

Klaus Waiditschka wurde als Betreuer für das Projekt "Listen to the silence" mit dem Preis Ausgezeichnete Orte geehrt.
Klaus Waiditschka wurde als Betreuer für das Projekt "Listen to the silence" mit dem Preis Ausgezeichnete Orte geehrt. © Foto: Annemarie Diehr
Annemarie Diehr / 13.06.2018, 06:00 Uhr - Aktualisiert 13.06.2018, 09:43
Fürstenwalde (MOZ) Dass jedes Land seine eigene Gebärdensprache hat, ist wohl die offensichtlichste Feststellung. Eine andere Erkenntnis offenbart sich sehr viel subtiler. „Gehörlosen gelingt es durch nonverbale Kommunikation, ihre Mimik und Gestik, einfacher, auf andere Gehörlose zuzugehen, als es Hörende untereinander mit Worten können“, sagt Klaus Waiditschka. Bei vielen Treffen zwischen Gehörlosen und Hörenden hat er das beobachtet. Im Verein für Jugendhilfe und Sozialarbeit (Jusev) betreut Waiditschka den Bereich außerschulische Bildung und Internationales; seit zwei Jahren ist er einer der Organisatoren des Projekts „Listen to the Silence“ (Auf die Stille hören).

Jüngst wurde die Initiative, die Treffen zwischen jungen Gehörlosen und Hörenden aus Deutschland, Tschechien, Malta und der Slowakei ermöglicht, beim bundesweiten Innovationswettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ geehrt. „Gehörlose bleiben unter sich, weil die Kommunikation untereinander in Gebärdensprache einfacher ist“, sagt Waiditschka. Die Idee, Gehörlose mit Hörenden zusammenzubringen, deren Austausch durch Gebärdendolmetscher, aber auch Fotografie, Pantomime oder Zeichensprache zu ermöglichen, stammt aus Tschechien. Die dortige Initiatorin habe beim Fürstenwalder Verein angefragt, ob sich Deutschland ebenfalls beteiligen wolle.

In der evangelischen Jugendbildungs- und Begegnungsstätte Hirschluch in Storkow, dessen Träger Jusev ist, fand im Februar 2016 dann das erste Treffen zwischen Hörenden und Gehörlosen aus damals noch drei Ländern statt. „Es war schwierig, Interessenten zu finden, die sich auf das Experiment einlassen“, räumt Waiditschka ein. Über Kontakte zur Deutschen Gehörlosen-Jugend hätten sich schließlich Teilnehmer gemeldet.

Mit Förderung durch das EU-Programm Erasmus Plus wird „Listen to the Silence“ in diesem und im nächsten Jahr weitergeführt. Für das nächste Internationale Jugendcamp für Gehörlose und Hörende, das vom 12. bis 19. August in der Nähe von Prag in Tschechien stattfindet, seien noch nicht alle der insgesamt zehn Plätze besetzt, sagt Klaus Waiditschka. Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren können bei dieser Begegnung selbst erfahren, wie es ist, wortlos miteinander zu kommunizieren, ohne dabei sprachlos zu sein. (amd)

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG