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Jessica Schreiber ist die einzige weibliche Elektromonteurin bei der E.dis AG in Fürstenwalde

Arbeitsleben
Eine Frau steht unter Spannung

Jessical Schreiber ist Monteurin bei der Edis AG in Fürstenwalde.
Jessical Schreiber ist Monteurin bei der Edis AG in Fürstenwalde. © Foto: Annemarie Diehr
Annemarie Diehr / 14.06.2018, 06:00 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Kabelverteiler warten, Baufirmen einweisen, Störungen beheben: Beim Stromversorger E.dis sorgen Eletromonteure für einen sicheren Netzbetrieb. In der Branche sind Frauen die Ausnahme – und eine Fürstenwalderin der Beweis, dass sich das langsam ändert.

„Ohne ihn geht gar nichts.“ Fast hätte Jessica Schreiber den Spannungsprüfer im Firmentransporter vergessen, schnell kehrt sie um, steuert mit dem roten Prüfgerät in der Hand ein Backsteinhäuschen an. Bahnhofstraße, Ecke Diensdorfer Straße in Bad Saarow; in dem fensterlosen Bau wird der Lebenssaft einer ganzen Wohngegend transformiert.

Zwischen Warnhinweisen, weißen Schränken und verschiedenfarbigen Kabeln beginnt die 30-Jährige mit der Arbeit. „230 Volt liegen an, so wie es sein soll“, sagt sie, setzt die Prüfelektroden schon am nächsten Kabel an. „Leiter“ heißen die im Fachjargon. Von der Trafostation  Bahnhofstraße verlaufen sie unterirdisch durch die Dorfstraße in Richtung Pieskow, gehen in Hausanschlüsse über und münden in Steckdosen.

Um Strom für den Hausgebrauch zu anzupassen, muss zunächst Mittelspannung (20 000 Volt) in Niederspannung (400 oder 230 Volt) umgewandelt werden. Das passiert mit Hilfe von Transformatoren dort, wo Jessica Schreiber an diesem Vormittag eine der regelmäßigen Wartungen durchführt. Rund 1400 solcher Stationen befinden sich im Gebiet in und um Fürstenwalde und Seelow, das die Monteurin bearbeitet. Neben der Wartung und Inspektion von Versorgungsstationen und Kabelverteilern zählt dazu schnelles Eingreifen im Störungsfall. „Wir sind vor allem für die Sicherheit zuständig“, sagt die Fürstenwalderin. So kann es auch passieren, dass sie in Absprache mit der Netzwerkstelle Anlagen abschalten muss.

„Ich weiß nie, was mich morgens erwartet. Der Job ist unglaublich vielfältig“, sagt Jessica Schreiber. Wenn sie morgens um sieben Uhr in der E.dis-Zentrale die Aufträge für den Tag entgegennimmt, ist sie die einzige Frau unter ihren fünf Kollegen. Damit komme sie prima klar. „Ich wurde gut aufgenommen“, sagt die 30-Jährige und erzählt, dass sie mit ihren Kollegen längst private Freundschaften mit Grillabenden und gemeinsamen Ausflügen verbinde.

Mit der Begeisterung für Schaltkreise und elektrische Leiter hat sie ihr Vater infiziert. Er ist Elektriker und habe schon beim privaten Hausumbau auf das technische Verständnis seiner Tochter zählen können. Nach dem Abitur mit Schwerpunkt Technik am OSZ wurde Jessica Schreiber bei der E.dis zur Elektronikerin für Betriebstechnik ausgebildet. „Als einzige Frau unter 30 Lehrlingen“, sagt sie. 2014 schließlich begann sie am Fürstenwalder Unternehmensstandort.

Von der Trafostation in der Bad Saarower Bahnhofstraße fährt Jessica Schreiber weiter in Richtung Ortsmitte. Vor dem Netto-Markt an der Pieskower Straße wird eine neue Station eingeschliffen. Die junge Frau wechselt ein paar Worte mit den Rohrleitungsbauern. Alles Männer. „Einige Firmen sind überrascht, wenn eine Frau vor ihnen steht, weil sie das nicht erwarten“, sagt sie, als sie kurze Zeit später wieder am Lenkrad ihres Arbeitsautos sitzt. Es werde Zeit, dass sich das ändert.

Im September wird die Elektromonteurin ihren Meister beginnen. Sie würde dann weniger schalten, und mehr organisieren. Wenn es gelingt, sagt sie, wäre sie bei der E.dis die erste Frau mit dieser Qualifikation.

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