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Hebamme Andrea Janke gibt Einrichtung in Fürstenwalde auf, weil sie keine Nachfolgerin für ihre Kollegin fand

Hebammen
Die letzte Praxis hat geschlossen

Treffen im Café: Stine Wolf, die im September ihr erstes Baby bekommt, wird von Hebamme Andrea Janke (v.l.) beraten. Ihre Hebammen-Praxis musste sie jetzt aufgeben.
Treffen im Café: Stine Wolf, die im September ihr erstes Baby bekommt, wird von Hebamme Andrea Janke (v.l.) beraten. Ihre Hebammen-Praxis musste sie jetzt aufgeben. © Foto: Manja Wilde
Manja Wilde / 11.07.2018, 22:00 Uhr - Aktualisiert 11.07.2018, 22:18
Fürstenwalde (MOZ) Die einzige Hebammenpraxis, die es in Fürstenwalde gab, ist geschlossen. Seit 1999 existierte die Einrichtung in der Neuen Gartenstraße. Nun hat Andrea Janke den Schlüssel abgegeben. Sie fand keine Nachfolgerin für ihre Kollegin, die altersbedingt kürzer treten möchte.

Katharina Parey erwartet im August ihr erstes Baby. Um während der Schwangerschaft fit zu bleiben, hat sich die 32-Jährige in Fürstenwalde nach Sportangeboten für werdende Mütter umgesehen. „Ich hatte zum Beispiel nach einem Yogakurs geschaut“, sagt Katharina Parey. Zwar fand sie ein Studio, das einen Kurs anbot, „doch leider kam er nicht zustande, weil sich nicht genug Teilnehmerinnen anmeldeten.“ Nun muss es ohne Sport gehen.

Bis vor wenigen Wochen war das anders. In der Hebammenpraxis von Andrea Janke und Gerlinde Schücke gingen etliche werdende Mütter zur Gymnastik. „Ich habe jeden Montag eine Stunde mit meinen Mädels Sport gemacht“, sagt Andrea Janke.

Das Angebot gibt es nicht mehr. Die Praxis auch nicht. Am Montag gab Andrea Janke den Schlüssel für die Räume in der Neuen Gartenstraße ab. Geschlossen ist die Praxis seit Ende Mai. In den zurückliegenden Wochen brachten Maler frische Farbe an die Wände; Andrea Janke schöpfte bei einer Wohnmobiltour neue Kraft. Für sie sei das Abgeben der Praxis wie eine Befreiung gewesen, sagt die Hangelsbergerin, die seit 32 Jahren als Hebamme arbeitet. „Es war zuletzt ein bisschen viel.“

1999 eröffnete die Praxis – zunächst mit vier Hebammen. Eine ging in Rente, eine wechselte an eine Klinik und zuletzt verließ Gerlinde Schücke, längst im Rentenalter, die Einrichtung. „Wir haben vier Jahre lang deutschlandweit nach einer Nachfolgerin gesucht“, schildert Janke. Vergeblich. Es herrscht Mangel.

Warum? „Der Beruf ist nicht attraktiv genug“, sagt Andrea Janke. Zudem werde zu wenig ausgebildet. Lange gab es in Brandenburg nur am Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus die Möglichkeit. Alle drei Jahre beginnt dort eine Klasse. 2019 werden wieder 16 bis 18 Frauen fertig. Mehr Plätze zu schaffen lohne sich nicht, sagt Sprecherin Susann Winter. Die Zahl der Bewerbungen sinke. Schichtdienst, Wochenendarbeit, Verantwortung und „ein Verdienst, der nicht so hoch ist“, nennt sie als Gründe. Seit 2018 bildet auch die Akademie der Gesundheit Berlin/Brandenburg in Eberswalde Hebammen aus. 17 künftige lernen dort bis 2020. Für Schwangere wird es immer schwieriger, eine Hebamme zu finden. Für die Region Fürstenwalde listet die Internetseite Los-Family der Kreisverwaltung nur fünf Hebammen auf.

Katharina Parey hatte bei Andrea Janke Glück. Lange bevor sie im Mai mit ihrem Mann von Wuppertal nach Fürstenwalde zog, sicherte sie sich einen Platz. Einen Paar-Kurs „Stressfrei ins Familienglück“ absolvierten beide bei profamilia, den Geburtsvorbereitungskurs in Bad Saarow. „Es wäre praktischer, wenn ich alles bei Andrea hätte machen können“, sagt Katharina Parey. Man sähe sich öfter, könnte Kontakt zu den anderen Frauen aufbauen und „diese besondere Zeit in vertrauter Umgebung erleben“, begründet sie. „Es ist echt ’ne Rennerei“, bestätigt Stine Wolf, die im September ein Baby erwartet. Den Geburtsvorbereitungskurs absolvierte sie in Erkner, den Paar-Kurs ebenfalls in Fürstenwalde.

Gymnastik und Rückbildungskurse, sagt Andrea Janke, würde sie auch wieder anbieten, wenn sie einen passenden Raum für einige Stunden in Fürstenwalde finden würde. Nur an einer festen Praxis, da würde zu viel Verantwortung dranhängen.

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