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Seit zehn Jahren darf in Gaststätten nicht mehr gequalmt werden / Gäste schätzen das, Anwohner weniger

Gesundheit
Raucher stören jetzt draußen

Nur noch auf der Terrasse erlaubt: Schon seit mehr als 10 Jahren ist das Rauchen im „Haus am Spreebogen“ verboten. Früher gab es dort sogar eine Smokers-Bar. Beim Betreiberwechsel, vor etwa 14 Jahren, wurde sie abgebaut. Heute füllen weitere Hotel-Zimmer den Platz aus.
Nur noch auf der Terrasse erlaubt: Schon seit mehr als 10 Jahren ist das Rauchen im „Haus am Spreebogen“ verboten. Früher gab es dort sogar eine Smokers-Bar. Beim Betreiberwechsel, vor etwa 14 Jahren, wurde sie abgebaut. Heute füllen weitere Hotel-Zimmer den Platz aus. © Foto: Schon seit mehr als 10 Jahren eine Rauchfreie Gaststätte - das Restaurant im "Haus am Spreebogen" in Fürstenwalde. Nur auf der Terrasse gibt es Ascher. Foto: Manja Wilde
Manja Wilde / 20.07.2018, 20:10 Uhr
Fürstenwalde (MOZ Annemarie Diehr) Vor zehn Jahren war bundesweit Schluss mit dem Qualm im Restaurant – am 1. Juli 2008 trat das Nichtraucherschutzgesetz in Kraft. Fürstenwalde hatte dennoch sieben Raucherkneipen, seit einigen Tagen ist es eine weniger.

So um die 60 Zigaretten habe er sich früher pro Tag angesteckt, sagt Torsten Schulz, Inhaber des Red Fox in der Gartenstraße. „Is ’n bisschen viel“, dachte sich der Kneiper irgendwann, ging zum Heilpraktiker und hörte auf. „Mit dem Nichtrauchergesetz hatte das nichts zu tun“, schiebt Schulz gleich hinter. Es traf sich dennoch gut. In seinem Lokal herrscht jetzt Rauchverbot. „Im Winter sind die Gäste ’n bisschen maulig, sonst sind sie froh, dass die Klamotten nicht so stinken“, sagt der 50-Jährige. Nur dass seine Mitarbeiterinnen, die „gern und viel“ qualmen würden, jetzt eine Stunde vor der Tür stünden, ärgere ihn.

Im „Haus am Spreebogen“ waren Zigaretten schon vor der gesetzlichen Regelung tabu. „In der gehobenen Gastronomie schickt es sich nicht zu rauchen“, findet David Drasdo, seit zwei Jahren Inhaber des Restaurants. Vor etwa 14 Jahren sei deshalb die Smokers-Bar aufgelöst worden. Höchstens auf die Terrassen-Tische stellen Drasdo und seine Mitarbeiter auf Wunsch einen Aschenbecher. Den Kunden, die Freitagmittag in der Sonne saßen, gefällt das Rauchverbot. „Ich finde es angenehm, wenn man nicht wie ein Nikotinberg aus der Gaststätte rauskommt“, sagt Bernd Röseler. „Wir würden in ein Restaurant, in dem geraucht wird, nicht gehen“, betonen Ana Abraham und ihr Mann.

Doch es gibt auch Kneipen, die ihren Gästen das Rauchen nicht verbieten wollen. Die „Alte Brauerei“, die es so nicht mehr geben wird, war so eine. Seit 2003 durften die Gäste in der Mühlenstraße Zigaretten zum Bier genießen, auch das Gesetz änderte daran nichts. Die Kneipe blieb Raucherkneipe. „Das war die richtige Entscheidung“, sagt Siegmar Burdag. Im Namen von Geschäftsführer Uwe Kobiolka kümmerte er sich um die Kneipe – als Nichtraucher war das für ihn nicht immer leicht. „Am Tag danach verströmte die Kleidung eine regelrechte Giftwolke“, sagt er.

Burdag spricht in der Vergangenheit, denn die „Alte Brauerei“ hat einen neuen Betreiber. Und der wolle höchstens einen Raucherraum behalten. Auch damit hat das Brauerei-Team Erfahrung: Als es 2016 die Gaststätte in der Lindenstraße übernahm, war die „Linde“ so umgebaut worden, dass in einem Raum geraucht werden konnte. „Das wurde nicht angenommen“, sagt Burdag. „Rauchen entspricht nicht mehr dem Zeitgeist.“ Vor allem jüngeren Menschen seien die Konsequenzen bewusster und wenn sie doch zur Zigarette griffen, nähmen sie Rücksicht auf andere.

In einigen Gaststätten wird dennoch gepafft, sagt Christoph Malcher, Fachgruppenleiter Ordnung und Gewerbe. Erst in der vergangenen Woche hätten Mitarbeiter ein Lokal in Mitte kontrolliert, „das war eine nicht gemeldete Raucherkneipe“, so Malcher. Mit Bußgeldern von 5 bis 100 Euro müssen Gastronomen rechnen, wenn sie nicht zu einer der sieben beim Gewerbeamt gemeldeten Raucherkneipen in Fürstenwalde gehören und ihre Gäste rauchen lassen.

Beschwerden darüber habe es laut Malcher in den vergangenen sechs Jahren nicht mehr gegeben. „Das Nichtraucherschutzgesetz wurde gut umgesetzt.“ Eine negative Folge habe das Gesetz jedoch: „Seitdem Gäste zum Rauchen vor die Tür gehen müssen, kommt es häufiger vor, dass sie die Nachtruhe stören.“ Beschwerden von Anwohnern über laute Gespräche und Zigarettenqualm seien die Folge.

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