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Dialyse-Patienten
Ferienlager mit Disco und Krankenschwester

Frank Groneberg / 15.08.2018, 07:00 Uhr
Bremsdorf (MOZ) In der Jugendherberge „Bremsdorfer Mühle“ erholen sich zurzeit chronisch nierenkranke Kinder und Jugendliche. Die dreimal wöchentlich notwendige Blutwäsche wird dank mobiler Technik aus der Berliner Charité vor Ort durchgeführt.

Um das mal vorwegzunehmen: Die 36 Kinder und Jugendlichen, die am Dialyse-Ferienlager in der Jugendherberge „Bremsdorfer Mühle“ teilnehmen, sind ganz normale Kinder und Jugendliche. Sie spielen, hören Musik, tanzen auf der Disco, streiten sich und vertragen sich wieder, hängen am Handy und meckern übers Essen. Eben so wie andere junge Leute auch. Was den Großteil von ihnen besonders macht: Sie sind chronisch nierenkrank. Und drei von ihnen müssen dreimal wöchentlich ans Blutwäschegerät angeschlossen werden, für vier bis fünf Stunden. Doch darüber denken sie nicht permanent nach und reden auch nicht ständig darüber.

Dennoch ist das Ferienlager des Vereins Nieren-Kinder Berlin gerade für die drei Dialyse-Patienten – die anderen werden meist medikamentös behandelt – etwas ganz besonderes. Es ist für sie die einzige Möglichkeit, unbeschwert in den Urlaub zu fahren. Weil sie die lebenswichtige Dialyse nicht einfach mal für einen Ferienaufenthalt unterbrechen können. Und in den Urlaubszentren können sie nicht einfach mal so zur Blutwäsche gehen. In dem Ferienlager aber ist das möglich – dank des Vereins Nieren-Kinder Berlin, dank des KfH-Nierenzentrums Berlin und dank der Berliner Charité, welche die beiden Dialysemaschinen, die jetzt vorübergehend in der Jugendherberge stehen, zur Verfügung stellt. Vor allem aber dank der zwölf ehrenamtlichen Betreuer sowie der beiden Ärztinnen und einer Krankenschwester, die rund um die Uhr für die Kinder da sind.

Die Kinderkrankenschwester heißt Christina Stiny, kommt aus Berlin und ist zum vierten Mal dabei. „Wir haben nicht nur Dialysepatienten hier, sondern auch viele Nierentransplantierte“, erzählt sie. Und nicht alle Teilnehmer seien Patienten, auch Geschwisterkinder dürfen mitfahren. Die Acht- bis 18-Jährigen seien in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt zu Hause. Und die meisten Betreuer seien schon seit Jahren dabei.

Das Programm des Ferienlagers lässt für Langeweile keine Zeit. Fußball und Crossgolf, Kistenstapeln, Seife herstellen und eine Kanutour, Reiterhof und Bogenschießen, Wanderung, Baden, Schatzsuche, Disco und Talenteshow – da haben die Teilnehmer buchstäblich die Qual der Wahl. Denn: Diese Angebote können sie komplett auf freiwilliger Basis nutzen.

Maurice Arnoldt aus dem Prignitzdorf Garsedow zum Beispiel ist am Dienstag lieber in der Jugendherberge geblieben, statt auf Kanutour zu gehen. „Ich will mal ausschlafen“, begründet er. Zum fünften Mal ist der 16-Jährige, der wegen seiner Nierenkrankheit alle drei Stunden katethern muss, im Camp dabei. „Die Leute sind cool, viele kenne ich schon länger, wir haben Spaß“, sagt er. Und dass jeder selbst entscheiden kann, was er mitmachen möchte, „finde ich echt gut“.

Zum zweiten Mal ist Eileen Kühnen aus Berlin mitgefahren. „Voriges Jahr war das echt schön, deshalb wollte ich wieder mit“, erzählt die Elfjährige. „Eigentlich ist alles cool hier. Und ich habe hier auch mehrere Freundinnen: Wir gehen raus, schaukeln, ärgern die Jungs ein bisschen.“ Für sie seien die Tage in Bremsdorf „mein diesjähriger Urlaub. Darauf hatte ich mich schon sehr, sehr lange gefreut – ich wollte schon fünf Tage vorher die Koffer packen.“

Heute freut sich Eileen am meisten auf die Talenteshow. „Zwei Freundinnen und ich haben was vorbereitet, wir werden shuffeln“, verrät sie. Am Abend steigt dann noch der Abschlussball, auf den sich Maurice aber eher nicht so freut: „Na ja, zu zweit als Partner tanzen ist nicht so mein Fall. Lieber in einer großen Gruppe.“ Seinen Spaß wird er aber sicher trotzdem haben.

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