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Volkshochschulen feiern 100-jähriges Bestehen / Fürstenwalder Einrichtung 1949 gegründet / Erkner war Außenstelle von Rüdersdorf

Weiterbildung
Hausfrauen lernten Russisch und Chemie

Annemarie Diehr / 07.01.2019, 06:30 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Mit der Weimarer Verfassung wurde vor 100 Jahren beschlossen, das Volksbildungswesen zu fördern. Zahlreiche Einrichtungen wurden daraufhin gegründet. Auch die Volkshochschule in Fürstenwalde feiert dieses Jahr Jubiläum: ihr 70-jähriges.

Stenografie für Fortgeschrittene, Maschineschreiben für Anfänger, Russisch, Französisch und Englisch – im Programm der Kreisvolkshochschule Fürstenwalde von 1966/67 dürfen die Klassiker der DDR-Zeit nicht fehlen. „Ansonsten gehörten Schulabschlüsse und berufliche Weiterbildungen dazu, zum Beispiel zum Berufskraftfahrer“, sagt Sophie Klaust. Sie leitet die Volkshochschule Oder-Spree mit ihren Regionalstellen in Fürstenwalde, Erkner, Beeskow und Eisenhüttenstadt. 19 Kurse wurden im Lehrjahr 1966/67 angeboten; aktuell sind es in Fürstenwalde knapp 170.

In den 70 Jahren seit Bestehen der Einrichtung in Fürstenwalde hat sich einiges verändert: Das Angebot wurde vielfältiger, die Lehrer mehr, die Teilnehmer ebenfalls. Seit dem Zusammenschluss mit der im Jahr 1920 gegründeten Volkshochschule Beeskow vor 25 Jahren – Eisenhüttenstadt kam 2006 dazu – zählt Sophie Klaust kreisweit rund 75 000 Teilnehmer in etwa 7000 Kursen. „Den ersten Strickkurs gab es bei uns erst vor fünf oder sechs Jahren“, sagt sie im Hinblick auf die Unterschiede zwischen dem Programm der Volkshochschulen in Ost- und West-Deutschland. In der Semesterübersicht von 1966/67 sind zwar „Lehrgänge für Hausfrauen“ aufgeführt. Sie umfassen aber nicht Putzen, Kochen, Backen, sondern Deutsch, Mathematik, Physik, Chemie und Russisch – mit variabler Unterrichtszeit.

Seit den Achtzigerjahren gehören Computer-Kurse zum Volkshochschulangebot. Erkners Alt-Bürgermeister und Vorsitzender des Heimatvereins Joachim Schulze erinnert sich, einen solchen Kurs in Erkner belegt zu haben. Dort gab es damals auf dem ehemaligen Teerwerksgelände eine Außenstelle der Volkshochschule Rüdersdorf. Als Regionalstelle der neu gegründeten Volkshochschule Oder-Spree 1994 kam sie später in der Heinrich-Heine-Oberschule unter, dem Gebäude des heutigen Bechstein-Gymnasiums in der Neu Zittauer Straße. Der Vater von Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger, sagt Sophie Klaust, war für die Erkneraner Volkshochschule tätig, die vermutlich ebenso lange existiert, wie die in Fürstenwalde.

In der Domstadt finden die Kurse seit Jahrzehnten im Gebäude des heutigen Geschwister-Scholl-Gymnasiums in der Frankfurter Straße statt. Die feierliche Eröffnung erfolgte laut „Fürstenwalder Nachrichtenblatt“ am 7. Dezember 1949 im Kulturbundhaus, das sich einst auf dem Platz vor der Kulturfabrik befand.

„Das 70-jährige Jubiläum werden wir am 20. September mit der ersten Langen Nacht der Weiterbildung begehen“, sagt Sophie Klaust. Dafür sammelt sie mit ihrem Team gerade Ideen. „Außerdem planen wir das Herbstprogramm, Vorschläge sind willkommen.“ Die Anmeldung für das Frühjahrs-Angebot ab Februar hat begonnen, darunter sind nachgefragte Kurse wie Steuererklärung am PC und alles rund um Handy und Fotografie.

Eine schöne Nachricht für Sophie Klaust im Jubiläumsjahr: Ihren Kursleitern kann sie aufgrund der erhöhten Förderung nach dem Brandenburgischen Weiterbildungsgesetz acht Euro mehr, nämlich 30 Euro pro Unterrichtsstunde zahlen. „Dafür stehen die Teilnehmergebühren auf dem Prüfstand.“ Die letzte Gebührensatzung ist von 2010.

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