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Leichtathletik
1019 Kilometer im Wettkampfjahr

Feste Größe im Kreis der deutschen Ultraläufer: Thomas Paschy zeigt seinen jüngsten Siegerpokal. Bei den „29 Stunden von Zehdenick“ legte er unglaubliche 213,6 Kilometer zurück.
Feste Größe im Kreis der deutschen Ultraläufer: Thomas Paschy zeigt seinen jüngsten Siegerpokal. Bei den „29 Stunden von Zehdenick“ legte er unglaubliche 213,6 Kilometer zurück. © Foto: Michel Nowak
Michel Nowak / 09.01.2019, 19:01 Uhr
Fürstenwalde Bis zum 12. Februar läuft die Umfrage nach den populärsten Sportlern des Jahres 2018 in Oder-Spree. Drei Tage später werden die Sieger im Atrium des Landratsamtes in Beeskow geehrt. Bis dahin stellen wir in loser Folge alle 36 Kandidaten vor. Heute: Ultraläufer Thomas Paschy vom Triathlon-Verein Fürstenwalde.

Wenn Thomas Paschy über seinen Sport redet, dann spricht er über fast unglaubliche Distanzen. „Beim Rennsteig nonstop im vergangenen Jahr hat es schon nach 70 Kilometern angefangen weh zu tun“, erinnert er sich beispielsweise an seinen letzten großen Lauf. Da lagen allerdings noch fast 100 weitere Kilometer vor dem Ultrasportler – wohlgemerkt zu Fuß. Im Ziel hatte Thomas Paschy dann 168 km in den Beinen – und damit 2018 mehr als 1000 Kilometer allein im Wettkampf-Modus zurückgelegt.

Mindestens fünf Läufe pro Jahr absolviert der Fürstenwalder im Schnitt über die Marathon-Distanz. Viele sind aber inzwischen auch deutlich länger. Sein jüngster großer Erfolg: Beim 29-Stunden-Lauf von Zehdenick schaffte er mit exakt 213,6 Kilometern die größte Entfernung aller Teilnehmer und holte sich den dritten Sieg in Folge. Dort zeigte sich auch wieder, welchen langen Atem der selbständige IT-Unternehmer hat. „Bei den Steigungen bin ich konsequent gegangen, ansonsten gelaufen“, sagt der 51-Jährige. „Anfangs wurde ich dafür von anderen Teilnehmern belächelt, am Ende war ich Erster.“

Das Laufen hat Thomas Paschy erst vor knapp sieben Jahren für sich wiederentdeckt. Dabei war er eigentlich immer sportbegeistert: „Als Jugendlicher war ich in Hoyerswerda beim Schwimmen aktiv.“ Später, während des Wehrdienstes im Erzgebirge Mitte der 1980er Jahre, lief er dann wettkampfmäßig – und das erfolgreich: „Für den Sieg beim Regimentslauf gab es drei Tage Sonderurlaub, das war Ansporn genug“, sagt er heute. Bei verschiedenen Läufen in der DDR startete er sozusagen dienstlich in den Folgemonaten. „Als ich dann aber nach dem Wehrdienst den Fuß vor die Kaserne gesetzt habe, war für 20 Jahre Schluss mit dem Sport.“

Die eigene Firma, die Familie mit zwei Kindern – die Zeit war knapp und das Laufen aus dem Kopf. Im Jahr 2011 nahm die Familie dann aber am Staffel-Triathlon in Müllrose teil: Sohn Julius auf dem Rad, Ehefrau Anke beim Laufen, Thomas Paschy selbst ging ins Wasser. Bei diesem Spaß-Wettbewerb sprach ihn Jürgen Matiaske vom Triathlon-Verein Fürstenwalde an – und weckte ganz offensichtlich die Laufbegeisterung neu.

Thomas Paschy erstellte ein Trainingsprogramm, nahm an verschiedenen Läufen teil und schaffte im Mai 2013 beim berühmten Rennsteiglauf seinen ersten Marathon. Die Zeit – drei Stunden und 42 Minuten – weiß er bis heute aus dem Kopf. „Und der Körper hatte auch nach 20 Jahren nicht vergessen, dass er laufen kann.“

Der Läufer ruhte sich auf diesem Erfolg aber nicht aus. Im Gegenteil: Die Trainingsmethoden wurden ausgefeilter, die Distanzen größer. „Ich kann auch schnell laufen, aber die langen Strecken machen einfach mehr Spaß“, sagt er. „Da komme ich in einen Fluss, wo ich alles vergesse und nur noch die Natur genieße.“ Der Laufsport habe weitere Vorteile. „Er ist ein Ausgleich zur sitzenden Tätigkeit und ich kann ihn überall und immer machen.“ Auch ein Grund, warum der frühere Schwimmer nicht beispielsweise als Triathlet antrete. Stattdessen kommt es vor, dass Paschy früh um 5 Uhr auf die große Trainingsrunde geht. „Zum Frühstück bin ich dann wieder da“, lacht er.

Eine gewissenhafte Vorbereitung – wie auch die entsprechende Regeneration nach den Rennen – ist nötig. Denn Thomas Paschy stieg in den vergangenen Jahren in den Kreis der deutschen Ultraläufer auf. „Auf diesen langen Strecken treffen sich oft die gleichen Leute wieder.“

Bei seinem bisher emotionalsten Rennen legte er 2015 auf Mallorca fast 3000 Höhenmeter auf der 67 Kilometer langen Strecke in gut zwölf Stunden zurück. Zu diesem Zeitpunkt hatte ihn der ebenfalls bei dieser Sportlerwahl nominierte Stephan Marschallek bereits überzeugt, „dass ich es mal mit einem richtig langen Kanten versuche“.

Davon sollten sogar einige kommen. Im vergangenen Jahr absolvierte Thomas Paschy bei zehn Wettkämpfen schier unglaubliche 1019 Kilometer – 213 davon allein bei den „29 Stunden von Zehdenick“. Seine Frau Anke, selbst Läuferin, und sein Bruder Frank unterstützen. „Frank ist oft an der Strecke und hilft auch, wenn im Wettkampf die Krise da ist. Und die kommt immer. Die Frage ist nur wann“, sagt Thomas Paschy. Feste Freundschaften haben sich entwickelt. Mit dem Berliner Mark Becker und dem Seelower Gerd Teichert ist er regelmäßig auf den Strecken unterwegs.

Nach dem doch strapaziösen Jahr plant der Fürstenwalder Wettkämpfe mit etwas geringeren Distanzen. Mit dem Watt-Moor-Ultra im Juli ist aber schon mindestens ein 100-Kilometer-Lauf fest eingetragen. „Und die 75 Kilometer beim Müritz-Lauf will ich zügig in weniger als acht Stunden schaffen.“ Ausnahmsweise will Paschy auch einen Halbmarathon (21 km) laufen, mit Tochter Sarah beim Airport Night Run in Schönefeld.

Längerfristig könnte im Jahr 2020 eine Teilnahme an der TorTour de Ruhr anstehen. 230 Kilometer in weniger als 36 Stunden gilt es dort zu bewältigen. Und dann sind da noch die sogenannten Sechs-Tage-Rennen, selbst nach Aussage von Thomas Paschy eine „Grenzerfahrung“. Das Laufen über die ganz großen Distanzen fasziniert Thomas Paschy. Der heute 51-Jährige hat hier fraglos eine große Liebe wiederentdeckt.

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