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Saisonale Entlassungen
Mauern bis zum nächsten Frost

Bei Minusgraden und Regen lässt sich der Mörtel nicht verarbeiten: Nikolai Mandtler und Denny Volkmann (von links) errichten im Auftrag vom Bauunternehmen Peter Hämmerling die Außenmauern eines Hauses in Falkenberg.
Bei Minusgraden und Regen lässt sich der Mörtel nicht verarbeiten: Nikolai Mandtler und Denny Volkmann (von links) errichten im Auftrag vom Bauunternehmen Peter Hämmerling die Außenmauern eines Hauses in Falkenberg. © Foto: Annemarie Diehr
Manja Wilde, Annemarie Diehr / 11.01.2019, 06:00 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Bei Frost geht auf vielen Baustellen nichts mehr. Teilweise werden Dachdecker, Maurer und Gerüstbauer über den Winter entlassen. Im Geschäftsstellenbereich Fürstenwalde zählt die Arbeitsagentur aktuell 149 sogenannte Wiedereinsteller. Ihre Zahl ist seit einigen Jahren rückläufig.

Am Mittwochmorgen klingelte Daniel Zocks Handy: Heute kein Einsatz auf der Baustelle in Falkenberg, meldete Bauunternehmer Peter Hämmerling. „Das kam diesen Winter noch nicht so oft vor“, sagt Zock. Am Donnerstag mischt der Maurer schon wieder Mörtel an, zieht mit seinen Kollegen Denny Volkmann und Nikolai Mandtler die Außenmauer eines Hauses hoch. „Solange es nicht regnet oder Minusgrade sind, ist das kein Problem.“ Sein vorheriger Arbeitgeber, erzählt Zock, habe seine Angestellten von vorneherein je nach Witterung für ein, zwei Monate entlassen.

Peter Hämmerling macht genau das nicht mehr. „2006 musste ich Leute entlassen, da kam nur die Hälfte wieder“, erinnert sich der 51-jährige Maurermeister aus Trebus. Seit es das „Schlecht-Wetter-Geld“ wieder gebe, bei dem Unternehmer Ausfälle in Höhe des Arbeitslosengeldes erstattet bekommen, verzichtet er darauf. „So kann ich auch mal einen spontanen Auftrag für einen Innenausbau annehmen und meine Mitarbeiter rutschen nicht ins Hartz IV“, sagt Hämmerling.

„Bei uns hat es schon seit Jahren keine Entlassungen über die Wintermonate gegeben“, betont auch Kathrin Alisch, Personalleiterin des Baukonzerns Bonava, der seinen Hauptsitz in Fürstenwalde hat. Selbst die befristeten Arbeitsverhältnisse für die Sommermonate entfallen. „Mittlerweile werden alle unbefristet eingestellt“, sagt die Personalchefin. Auch sie verweist auf die Vorteile des Saison-Kurzarbeitergeldes, mit dem die Arbeitsagentur Unternehmer unterstützt. „Entlassungen über die Wintermonate sind nicht mehr zeitgemäß“, findet Kathrin Alisch. Gerade Bauunternehmen müssten gutes, qualifiziertes Personal halten.

Zudem können die 204 „gewerblichen Mitarbeiter“ des Konzerns, die kein festes Gehalt, sondern Stundenlohn beziehen, im Sommer ihr Arbeitszeitkonto mit bis zu 150 Stunden füllen – und im Winter wieder abbauen. Und: Der Konzern legt Ausbildungszeiten in den Winter. Neu ist in diesem Jahr eine dreiwöchige Fliesenleger-Schulung, an der 15 Mitarbeiter teilnehmen.

Dass angesichts des Fachkräftemangels in der Branche immer mehr Firmen in Fürstenwalde und Umgebung auf witterungsbedingte Kündigungen verzichten und unfreiwillige Arbeitspausen mit dem sogenannten Saison-Kurzarbeitergeld überbrücken, zeigt die Statistik: 149 sogenannte Wiedereinsteller, die jahrelang im selben Betrieb arbeiten und sich im Herbst für wenige Monate arbeitslos melden, zählt die Agentur für Arbeit im Bereich Fürstenwalde aktuell, davon sind 87 im Bauwesen tätig. „Noch vor drei Jahren lag die Zahl um ein Vielfaches höher“, sagt Torsten Hesse, der für die Agenturgeschäftsstellen im Kreis zuständig ist.

Eine Kündigung sei zwar schneller geschrieben als der Antrag auf Saison-Kurzarbeitergeld, mit dem Betrieben Gehaltszahlungen in Höhe des Arbeitslosengeldes erstattet werden. Angesichts der milden Winter, die eine Fortsetzung der Bautätigkeit ermöglichen, vermutet Torsten Hesse, nehmen immer mehr Firmen den zusätzlichen Aufwand auf sich und dokumentieren witterungsbedingten Arbeitsausfall.

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